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Internationales Master-Programm
Ein Studium im Saarland als Tor zur Welt

Die Spanier Joan Morata Royes (l.), Raimon Sucarrats i Olius (M.) und Nerea Lopez de Aberasturi studieren im Amase-Master an der Saar-Uni.
Die Spanier Joan Morata Royes (l.), Raimon Sucarrats i Olius (M.) und Nerea Lopez de Aberasturi studieren im Amase-Master an der Saar-Uni. FOTO: Peter Kerkrath
Saarbrücken . Wer an der Saar-Uni Materialwissenschaften im Programm „Advanced Materials Science and Engineering“ studiert, kann zwei Semester an einer anderen europäischen Hochschule lernen. Die Absolventen sind international gefragt. Von Joachim Wollschläger
Joachim Wollschläger

Die 24-jährige Anna Vikhareva aus Tomsk in Russland weiß schon genau, was sie nach ihrem Master-Studium in den Materialwissenschaften machen will: „Ich will in Deutschland arbeiten. Das interessiert mich, weil die deutsche Wirtschaft führend in dem Feld ist“, sagt sie. Ähnlich geht es der 26-jährigen Gabriela Schaab da Silva aus Brasilien, die sich auf Nano-Biomaterialien spezialisiert hat. „Gerade in diesem Feld ist die Forschung in Deutschland sehr weit“, sagt sie.


Beide nehmen an dem Master-Programm in Materialwissenschaften und Werkstofftechnik (Amase) teil, das die Universität des Saarlandes gemeinsam mit drei Partner-Instituten in Barcelona, Nancy und Luleå (Schweden) ins Leben gerufen hat. Jeweils 30 bis 40 Teilnehmer aus aller Welt können pro Jahr bei diesem Programm mitmachen. Die Teilnehmer studieren jeweils an zwei Universitäten. Zwei Semester finden an der einen Uni statt, das dritte an der jeweils anderen. Beim vierten Semester, in dem sie ihre Master-Arbeit schreiben, sind die Teilnehmer frei in ihrer Wahl.

Koordinator des Programms ist die „European School of ­Materials“ (Eusmat) an der Saar-Uni (Infokasten). Leiter ist Frank Mücklich, Professor für Materialwissenschaften in Saarbrücken. Für die Teilnehmer ist es ein kostspieliges Studium. 1500 Euro werden pro Semester für Europäer fällig, Studenten aus EU-fremden Ländern zahlen 4500 Euro. Allerdings profitieren viele der Studenten nach Aussage von Nadine Kreutz, die das Amase-Programm in Saarbrücken mit koordiniert, von einem Stipendium. 20 solcher Förderungen aus dem EU-Programm Erasmus Mundus werden in jedem Jahr für herausragende Studenten aus aller Welt vergeben.



Solch ein Stipendiat ist Daniel Vazquez (27) aus Mexiko. Er hat im Vorfeld seinen Bachelor-Abschluss in Mexiko gemacht, ist dann nach Europa gekommen, weil hier Universitäten und Industrie sehr gut vernetzt sind. Nach seinem Studium in Nancy und Luleå will er wieder in seine Heimat zurückkehren, um dort an der technischen Entwicklung des Landes mitzuarbeiten. Viele aber bleiben auch hier – und sichern damit der Wirtschaft wertvolle Fachkräfte. Die 31-jährige Farida Yasmin aus Bangladesh hat sich das Studium in Luleå und Deutschland ganz bewusst ausgesucht. Sie will anschließend in Deutschland promovieren und hier in die Forschung gehen. Denn industrielle Forschung sei in ihrem Land in dieser Art nicht vorhanden. Und auch Gerard Batisda (23), der bereits im zweiten Jahr des Master-Studiums ist, will anschließend erst einmal in Deutschland bleiben. „Meine Master-Arbeit will ich im Bereich Metallurgie schreiben. Und da ist Deutschland einfach Spitze“, sagt er. Das sei auch der Grund gewesen, warum er nach dem ersten Jahr in Luleå in Saarbrücken studieren wollte. Für ihn stehe nun im Vordergrund, für das zweite Studienjahr sein Deutsch zu verbessern.

Die Mehrsprachigkeit, die mit diesem Studium einhergeht, ist Kreutz zufolge für die spätere Karriere der Absolventen ein unschätzbarer Vorteil. Viele seien anschließend fließend zwei- oder dreisprachig und damit wertvolle Fachkräfte für die Industrie. Das belegt auch die Job-Bilanz ehemaliger Absolventen. 65 Prozent haben in weniger als drei Monaten nach dem Abschluss einen Job gefunden, knapp 80 Prozent schon nach einem halben Jahr. Und auch für die europäische Wirtschaft zahlt sich das von Europa geförderte Programm aus. 71 Prozent der Absolventen sind anschließend auch in Europa geblieben.