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Freie Radikale helfen dem Gehirn auf die Sprünge

Forschung : Freie Radikale helfen dem Gehirn auf die Sprünge

(ml) Offenbar braucht sogar unser Gehirn freie Radikale. Forscher des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen berichten jetzt: „Freie Radikale gelten gemeinhin als schädlich für den Organismus.

Doch wie sich nun herausstellt, steuern sie zelluläre Vorgänge, die für die Anpassungsfähigkeit des Gehirns von Bedeutung sind.“ In Versuchen mit Mäusen hatten die Wissenschaftler den Hippocampus untersucht, eine Region im Gehirn, die als Schaltzentrale für das Lernen und das Gedächtnis angesehen wird. Dort können sich, wie man erst seit wenigen Jahren weiß, ein Leben lang neue Nervenzellen bilden. Diese sogenannte Neurogenese trägt dazu bei, dass sich das Gehirn zeitlebens anpassen und verändern kann. „Das geschieht nicht nur bei Mäusen, sondern auch beim Menschen“, sagt der Hirnforscher Professor Dr. Gerd Kempermann.

Neue Gehirnzellen gehen aus ruhenden Stammzellen hervor. Das Forscherteam hat an Mäusen nachgewiesen, dass neurale Stammzellen im Vergleich zu ausgewachsenen Nervenzellen in einem hohen Maß freie Radikale enthalten. „Das gilt insbesondere dann, wenn die Stammzellen im Ruhezustand sind, sich also nicht teilen und nicht gerade zu Nervenzellen fortentwickeln“, sagt Kempermann. Ein weiterer Anstieg der Menge der Radikale versetzt die Stammzellen in Teilungsbereitschaft. „Die Sauerstoffverbindungen wirken wie ein Schalter, der die Neurogenese in Gang setzt.“ Dass ausgerechnet die Stammzellen des Gehirns so extrem hohe Werte an Radikalen nicht nur tolerieren, sondern auch für ihre Funktion nutzen, ist neu und überraschend.

Ausdauersport ist die wichtigste Einzelmaßnahme, um neue Gehirnzellen sprießen zu lassen. Auch lebenslanges Lernen, gute Ernährung, soziale Kontakte und ausreichend Schlaf halten das Gehirn gesund.