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Mondprogramm
Dieser Staub ist wertvoller als Gold

Mountain View. Der Weltraum-Roboter Harvest Moon soll Mondmaterial zur Erde bringen. Ein Gramm soll mehrere tausend Euro kosten. Von Uwe Seidenfaden

Bergbau auf dem Mond? Bislang gab es das nur in Science-Fiction-Romanen. Doch schon in drei Jahren will das amerikanische Start-up-Unternehmen Moon Express erstmals Bodenproben vom Erdtrabanten zur Erde bringen. Der Mond ist unter anderem reich an Aluminium, Silizium, Eisen, Magnesium, Niob, Nickel und Titan. Und dort gibt es auch Wassereis. Zum Teil stammt es von großen Meteoriten, die dort einschlugen.


Im Rahmen ihres „Lunar Demonstration Data Programms“ fördert die Luft- und Raumfahrtagentur Nasa mit 30 Millionen Dollar die Entwicklung der  vollautomatischen Mondlandesonde Harvest Moon. Der kleine Bergbauroboter hat eine Schürfeinrichtung an Bord und einen  Transportbehälter für den Rückflug zur Erde.

Harvest Moon soll das gleiche technische Programm abspulen, das in den 1970er Jahren sowjetische Raumsonden absolvierten. Gleiches plant auch die chinesische Weltraumbehörde CNSA. Ihre Sonde soll jedoch auf der Rückseite des Mondes landen. Von der Analyse des zur Erde transportierten Materials erhoffen sich die chinesischen Forscher Aufschlüsse über die Entstehung und  die Entwicklung des Mondes.  Zugleich sollen präzisere Rohstoffkarten auch die lohnenswerten Orte für den künftigen Mondbergbau zeigen.

Das vor sieben Jahren im Silicon Valley von den Internet-Pionieren Naveen Jain, Bob Richards und Barney Pell gegründete Unternehmen Moon Express will einen Teil der bei der Mondmission gesammelten Proben der öffentlichen Forschung zur Verfügung stellen. Deshalb wird Moon Express auch von der Nasa gefördert. Den anderen  Teil der Mondfracht wollen die Unternehmer verkaufen. Weil Mondmaterial so selten ist, rechnen sie mit Preisen von mehreren tausend US-Dollar pro Gramm. Das zeigten in den vergangenen Jahren internationale Auktionen, auf denen winzige Mondkiesel zu astronomischen Preisen ersteigert  wurden. Sie stammten aus dem sowjetischen Luna-Programm und von seltenen Mond-Meteoriten, die amerikanische und japanische Forscher in der Antarktis fanden.

In den Nasa-Laboren lagern allerdings weitaus größere Mengen Mondmaterial – insgesamt sind es 382 Kilogramm Gestein, das Apollo-Mondastronauten vor fast 50 Jahren mitbrachten. Doch dieses Material gilt als US-Staatsschatz und darf nicht verkauft werden.



Das Unternehmen Moon Express, das  40 Mitarbeiter beschäftigt, wurde durch die Teilnahme am sogenannten Lunar Xprize der Suchmaschine Google bekannt – einem Wettbewerb um die erste kommerzielle Mondlandung. Bislang liegt das  Preisgeld von 20 Millionen Dollar aber immer noch auf den Google-Konten, denn bisher ist keines der Teams auch nur gestartet.

Das gilt auch für die andere von Moon Express entwickelte Minisonde Lunar Scout. Sie soll ein wenig Asche verstorbener  Erdbürger für 15 000 US-Dollar auf den Erd­trabanten bringen. Die dafür vorgesehene Trägerrakete Electron des US-Unternehmens Rocket Lab ist allerdings erst einmal im vergangenen Jahr erprobt worden. Und dieser Test verlief nicht erfolgreich. Die Rakete erreichte die Erdumlaufbahn nicht.

Bis zum Mond ist es damit für das Start-up-Unternehmen aus dem Silicon Valley doch noch ein weiter Weg. Das gilt erst recht für die Projekte des Mondbergbaus, aber auch für Gedankenspiele zu künftigen Mondsiedlungen, wie sie zum Beispiel die europäische Weltraum­­organisation Esa errichten will. Die Esa-Ingenieure überlegen, dafür einen 3-D-Drucker zum Mond zu  bringen. Dieses Gerät soll aus dem auf dem Mond vorhandenen Bodenmaterial die Baustoffe erzeugen, aus denen dann die  Station entstehen soll.