1. Leben

Die neue Antiflirting-App soll mit anonymisierten Screenshots ein Schlaglicht auf sexuelle Belästigung im Internet werfen. Bereits 70 000 Nutzer sind registriert.

Neue Antiflirting-App : Der alltägliche Sexismus im Netz

Sexuelle Belästigung im Internet ist für viele Nutzer ein Problem. Zwei österreichische Studentinnen haben nun einen Instagram-Account ins Leben gerufen, auf dem Betroffene ihre Erfahrungen öffentlich machen können.

Sexuelle Belästigung im Netz ist ein Dauerthema. Auf ihrem Instagram-Account veröffentlichen die beiden Wienerinnen Caro und Kim, die öffentlich nur ihre Vornamen nennen wollen, anonymisierte Screenshots von Unterhaltungen mit übergriffigem Inhalt, die ihnen zuvor von betroffenen Personen weitergeleitet wurden. Etwa hundert solcher Einsendungen landen nach ihren Angaben täglich in ihrem Postfach. Die Studentinnen haben mit ihrem Account Antiflirting einen Nerv getroffen. Die Gründung liegt zwar erst ein knappes Jahr zurück, dennoch zählt die Seite aktuell bereits rund 70 000 Abonnenten.

Sexuelle Belästigung findet nicht nur auf sozialen Netzwerken und bei Messenger-Diensten statt. Auch bei der Spiele-App Quizduell und auf Online-Marktplätzen geht so manches Angebot deutlich am eigentlichen Thema vorbei: „Hii. Echt hübsch. Können wir S.e.X haben? Bin alleine. Würde mich freuen. 100 €“, lautet etwa eine Anfrage im Postfach einer Ebay-Kundin.

Dabei gehören Nachrichten wie diese noch zu den harmloseren; andere überschreiten die Grenzen so weit, dass sie vor der Veröffentlichung auf Antiflirting mit einer Warnung versehen werden.

Sexuelle Belästigung im Netz haben die beiden 22-jährigen Aktivistinnen mehrfach selbst erlebt. Als sie merkten, dass nicht nur sie, sondern auch ihre Freundinnen ständig übergriffige Nachrichten erhalten, entschlossen sie sich, zu handeln. Antiflirting soll ein Schlaglicht auf das Problem werfen und anderen betroffenen Personen zeigen, dass sie damit nicht alleine stehen.

Meistens sind es Frauen, die sich mit ihren Erfahrungen an Caro und Kim wenden. Einsendungen von Männern, die belästigt wurden, sind eher Einzelfälle. „Wir sind uns aber sicher, dass das öfter vorkommt, als wir es mit unserer Instagramseite visualisieren können“, sagt die Gründerin Kim. Ihr ist wichtig, zu betonen, dass Jeder dazu eingeladen ist, seine Erfahrungen mit ihnen zu teilen und dass Belästigung nichts ist, was ausschließlich von Männern ausgeht.

Vor einigen Wochen wurden dem Thema Gewalt gegen Frauen ganze 15 Minuten Sendezeit im deutschen Fernsehen eingeräumt. „Männerwelten“ wurde zur Primetime auf Pro Sieben ausgestrahlt und sorgte für viel Aufsehen. Allein auf Youtube wurde das Video zum Fernsehauftritt millionenfach aufgerufen. Im Rahmen dieser Sendung wurden auch Chat-Verläufe vorgelesen, die von Antiflirting zusammengetragen worden waren.

„Das freut uns natürlich. Vor allem deshalb, da dadurch vielleicht mehr Bewusstsein in der Gesellschaft für das Thema geschaffen wird“, so Kim. Doch die steigende Follower-Zahl bringe nicht nur Positives mit sich. Viele Menschen würden ihre Arbeit anzweifeln, sie kleinreden und den von sexueller Gewalt im Internet betroffenen Personen selbst die Schuld dafür geben.

Immer wieder erhalten die Betreiberinnen des Accounts auch Nachrichten von Personen, die nicht nur im Internet, sondern auch im realen Leben belästigt oder Opfer sexueller Gewalt geworden sind. Damit sich Betroffene jederzeit über Hilfsangebote informieren können, sind direkt auf der Seite Links zu Frauenhäusern, Männerberatungsstellen, dem Polizeinotruf und mehreren Hilfetelefonen zu finden.

Caro (l.) und Kim haben der täglichen sexuellen Belästigung im Netz den Kampf angesagt. Foto: TruDoku

www.instagram.com/antiflirting2