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Zwischen Handwerk und IT

Zwischen Handwerk und IT

Der Chemikant ist der wichtigste Lehrberuf der Chemiebranche. In keinem anderen Beruf werden mehr Menschen ausgebildet. Die Fachkräfte steuern zum Beispiel die Maschinen bei Waschmittel- und Lackherstellern. Die Experten sind gesucht und die Übernahmechancen gut.

Chemie war schon in der Schule ihr Lieblingsfach. Jetzt macht Anna-Carina Kluckow beim Großkonzern Henkel in Düsseldorf eine Ausbildung zur Chemikantin und beschäftigt sich dort mit der Herstellung von Waschmitteln. Als Chemikantin überwacht sie den gesamten Herstellungsprozess. Sie sorgt dafür, dass genügend Rohstoffe vorrätig sind und befüllt die Maschinen in der Fabrik damit. Am Ende muss sie eine genau vorgegebene Menge eines Waschmittels produziert haben.

Chemikanten arbeiten meist bei Industrieunternehmen und stellen etwa Granulate, Lacke oder Waschmittel her und verarbeiten sie weiter. Sie steuern in der Produktion die Maschinen und überwachen den Herstellungsprozess und die Qualität der Produkte. "Im Prinzip verbindet der Beruf klassisches Handwerk mit Chemie ", erklärt Kluckow. Gibt es eine Störung an einer Maschine in der Fabrik, ist sie sofort zur Stelle. Dann ist es ihre Aufgabe, die Mechanik schnell wieder in Stand zu setzen, damit die Produktion weitergehen kann und es nicht zu Rückstaus kommt. Dabei muss sie durchaus einmal selbst Hand anlegen und die Maschine reparieren.

Eine immer wichtiger werdende Rolle für den Beruf spielte moderne Computertechnik, erläutert Christopher Knieling vom Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC). Deswegen sollten Auszubildende eben nicht nur naturwissenschaftlich, sondern auch technisch interessiert sein. Wichtig sind außerdem Teamfähigkeit und Sorgfalt. "Chemikanten haben eine große Verantwortung", erklärt Margret Reymers vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Oft komme es auf sehr kleine Mengen eines Stoffes an, von dem die ganze Konsistenz eines Produktes abhängt.

Arbeit im Schichtdienst

Mit rund 6500 Ausbildungsverhältnissen im Jahr 2014 - aktuellere Zahlen gibt es noch nicht - ist der Chemikant der stärkste Ausbildungsberuf in der chemisch-pharmazeutischen Industrie. "Die Arbeitsmarktchancen für Chemikanten sind derzeit sehr positiv", sagt Knieling. Über 90 Prozent aller Azubis würden nach erfolgreichem Abschluss ihrer Ausbildung übernommen - häufig mit langfristigen Beschäftigungsperspektiven.

In der Berufsschule steht bei Anna-Carina Kluckow die Chemie klar im Mittelpunkt. Im ersten Jahr sei es mit einfachen chemischen Prozessen und dem Wissen über verschiedene Stoffe losgegangen, sagt sie. Danach hat sie zum Beispiel unterschiedliche Mess- und Regelsysteme gelernt. Aber auch mit Anlagentechnik hat sie sich beschäftigt. "Auch Wirtschaft ist ein Teilgebiet", sagt die 22-jährige Düsseldorferin, die vor Kurzem ihre Abschlussprüfung hatte. Auf eines müssen sich angehende Chemikanten allerdings einstellen: In der Regel arbeiten sie im Schichtdienst und das häufig ein ganzes Arbeitsleben. Denn die Maschinen in den Fabriken laufen oft rund um die Uhr. Wer sich gar nicht vorstellen kann, frühmorgens, spätabends oder sogar nachts zu arbeiten, ist in dem Beruf deshalb nicht gut aufgehoben. Außerdem ist der Beruf noch immer eine Männerdomäne.

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Auf einen Blick Chemikanten steuern und überwachen Maschinen und Anlagen für die Herstellung, Abfüllung und Verpackung chemischer Erzeugnisse. Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre, die Ausbildungsvergütung kann sich verglichen mit anderen Berufen durchaus sehen lassen. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit beträgt sie zwischen 851 und 1134 Euro brutto pro Monat, je nach Ausbildungsjahr und Region. Das spätere Einstiegsgehalt wird mit 2750 bis knapp 3200 Euro brutto pro Monat beziffert. Weitere Infos im Internet unter www.bgrci.de , www.bavc.de , www.igbce.de , medien-kunst-industrie.verdi.de hei