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Wie sich Corona auf Arbeit und Privatleben auswirkt

Studie : Wie sich Corona auf die Arbeit auswirkt

Die krisenbedingte Heimarbeit bringt viele Vorteile, sorgt aber auch dafür, dass die Arbeitswelt im Privaten stärker Raum greift.

Viele Berufstätige arbeiten in der Corona-Krise von zu Hause aus. 60 Prozent der Beschäftigten sagen, dass dabei die Grenzen von Berufs- und Privatleben verschwimmen. Mehr als jeder Vierte empfindet das als Belastung, wie eine Umfrage der Technischen Universität (TU) Chemnitz zeigt.

Vor allem berufstätige Frauen mit Kindern fühlten sich im Heimbüro von der Doppelbelastung erschöpft. Besonders schlimm sei es für sie gewesen, als Kitas und Schulen geschlossen waren, erklärt Studienleiter Professor Bertolt Meyer. Der Psychologe sagt, Frauen seien in der Krise insgesamt stärker belastet und von Burnout betroffen als Männer. Die geringste emotionale Erschöpfung zeigten Männer mit viel Unterstützung des Partners, die nicht oder nur teilweise im Homeoffice arbeiten mussten.

Für die Studie über die Auswirkung der Pandemie auf das Verhältnis von Arbeits- und Privatleben im Homeoffice befragte das Team um Bertolt Meyer im Frühjahr  bundesweit insgesamt mehr als 2900 Berufstätige mit einem Online-Fragebogen zu ihrer Arbeitssituation und psychischen Befindlichkeit. Die letzte der drei Befragungsrunden war im Juni. Die Studie der TU Chemnitz ist Teil des Dossiers „Corona 2020: Gesundheit, Belastungen und Möglichkeiten“ der Techniker Krankenkasse (TK).

Auch eine mangelhafte räumliche oder technische Ausstattung führt laut Dossier zu Stress, vor allem bei Beschäftigten, die zuvor nicht oder nur selten von zu Hause gearbeitet haben. Zu einer arbeitsgerechten Ausstattung  gehöre zum Beispiel ein ergonomischer Arbeitsstuhl, um Rückenschmerzen durch die Heimarbeit zu vermeiden.

Neben der richtigen Ausstattung trage auch im privaten Büro  regelmäßiger Austausch mit Kollegen dazu bei, dass sich Beschäftigte wohler fühlen und weniger gestresst sind, erklärt Sai-Lila Rees vom Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG). Zudem gelte es, auf regelmäßige Pausen und einen pünktlichen Feierabend zu achten. Sporttermine oder feste Familienrituale, wie zum Beispiel das gemeinsame Abendessen, können dafür sorgen, dass man dann auch wirklich den PC herunterfährt“, sagt Rees. Eine der wichtigen Voraussetzungen für die gelungene Arbeit von zu Hause sei das Vertrauen zwischen Mitarbeitern und Arbeitgeber. Das sorge für Motivation.

Für das Dossier wurden auch die Krankenstände und Arzneimittelverordnungen des ersten Halbjahres 2020 der 5,3 Millionen bei der TK versicherten erwerbstätigen Personen aufbereitet. Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK, sagt, es sei im ersten Halbjahr kein außergewöhnlicher Anstieg von Krankschreibungen aufgrund psychischer Diagnosen wegen Corona festzustellen. Allerdings bestehe die Gefahr, dass die ohnehin steigende Zahl von Menschen mit Depressionen und Burnout sich durch Corona weiter erhöhe.