Ausbildungsberuf: Wie die Gewürzgurke ins Glas kommt

Ausbildungsberuf : Wie die Gewürzgurke ins Glas kommt

Maschinen verarbeiten Gemüse und andere Nahrungsmittel in zahlreichen Einzelschritten zu fertigen Produkten. Lebensmitteltechniker begleiten solche Vorgänge. Ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein ist in dem Beruf Pflicht.

Ihre Arbeit beginnt beim Wareneingang. Dort, wo große Ladungen der Rohware ankommen, sei es Getreide, Fleisch, Kakao oder Wannen voll kleiner Gurken. Fachkräfte für Lebensmitteltechnik kümmern sich darum, dass aus diesen Nahrungsmitteln verkaufsfertige Produkte werden.

Bis 1980 hieß der Ausbildungsberuf Obst- und Gemüsekonservierer. Und um haltbar gemachtes Gemüse geht es im Berufsalltag von Tina Pabst noch immer. Die 27-Jährige ist Auszubildende beim Feinkosthersteller Kühne im Werk Schweinfurt. In ihrer grünen Arbeitskleidung, die Haare sicher unter einem Netz verstaut, begleitet sie das Gemüse bis ins verschraubte Glas. „Lebensmitteltechniker sind die Herren über die Produkte und Rezepturen in der Nahrungsmittelbranche“, erklärt Stefanie Sabet, Geschäftsführerin bei der Arbeitgebervereinigung Nahrung und Genuss (ANG). Wer die Ausbildung anstrebt, müsse daher „Liebe zum Essen und Trinken“ mitbringen.

Zudem ist Verantwortungsbewusstsein wichtig. Die Fachkräfte kontrollieren nämlich den gesamten Vorgang der Lebensmittelherstellung sowie die Einhaltung der Hygienestandards. Nicht zuletzt sei es wichtig, dass Interessierten der Umgang mit Maschinen und Technik liegt. Deren Einsatz werde in Zukunft noch zunehmen, erklärt Sabet.

Nachdem die Rohware eingetroffen ist, erfolgt die Qualitätskontrolle. Nach strengen Standards beurteilen die Fachkräfte, welche Ware sich zu welcher Art der Verarbeitung eignet. „Wir verlesen die Gurken. Krumme und stückige werden aussortiert und als geschnittene Ware weiterverarbeitet“, erzählt Horst Hofmann, der bei Kühne für die Ausbildung zuständig ist.

Danach werden die Gurken maschinell gewaschen, vorblanchiert, mit Essig aufgegossen, abgefüllt und eingekocht. Die Fachkräfte für Lebensmitteltechnik haben ein Auge darauf, dass an alle Maschinen und Stationen korrekt arbeiten und die Temperaturen zur Verarbeitung der Lebensmittel richtig eingestellt sind, erklärt Hofmann. So müssten beispielsweise die Schneidemaschine, die Waagen, die Aufgussstation oder den Blancheur ständig kontrolliert werden. Damit am Ende ein einwandfreies Produkt in den Handel kommt, begleiten die Fachkräfte auch die Etikettierung und Verpackung der Produkte.

In der Berufsschule lernen die Auszubildenden alles, was sie über Lebensmitteln wissen müssen. „Es geht zum Beispiel um Vitamine, Enzyme und Mikrobiologie“, erzählt Tina Pabst. Auf ihrem Stundenplan stehen zudem Fächer wie „Herstellen von Getränken“, „Reinigung und Desinfektion der Maschinen“ oder „Gewürze, Kräuter und Aromen“.

Die Lebensmittelproduktion findet oft im Schichtbetrieb statt. So muss auch Pabst bei Kühne entweder frühmorgens oder nachmittags anfangen. „Wir sind außerdem ein Saisonbetrieb“, sagt Ausbilder Hofmann. Die Gewürzgurken-Hauptsaison beginne mit der Freibaderöffnung und ende kurz vor Weihnachten. In der Nebensaison werde weniger hergestellt und etwa verstärkt Bohnensalat und Rote Grütze produziert.

Die Ausbildung zur Fachkraft Lebensmitteltechnik steht in der Regel allen offen, ein bestimmter Schulabschluss ist nicht vorgeschrieben. „55 Prozent der Azubis haben einen Realschulabschluss“, sagt Sabet.

(dpa)
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