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Arbeitsplatzsuche
Welcher Arbeitsplatz passt zu wem?

Jeder Arbeitsplatz ist anders, genau wie jeder Arbeitnehmer. Die richtige Kombination zu finden, ist oft gar nicht so leicht.
Jeder Arbeitsplatz ist anders, genau wie jeder Arbeitnehmer. Die richtige Kombination zu finden, ist oft gar nicht so leicht. FOTO: dpa-tmn / Florian Küttler
Düsseldorf/Wetter. Hier gibt es mehr Geld, aber kaum Kontakt zu den Kollegen. Dort besseren Zusammenhalt, dafür keine Weiterbildungsangebote.

() Der passende Beruf ist gefunden, die Ausbildung abgeschlossen. Jetzt geht es darum, den richtigen Arbeitgeber zu finden. Lieber in einem Großkonzern oder bei einem kleineren Unternehmen arbeiten? Wie wäre es, bei einem Start-up mitzumischen? Oder doch besser einen vermeintlich sicheren Job im öffentlichen Dienst anpeilen? Jeder Arbeitgeber hat Vorteile – und auch immer etwas, das gegen ihn spricht.


Die Arbeitsabläufe in einem Großkonzern sind etabliert, die Bezahlung ist oft sehr gut. „Hinzu kommen häufig flexible Arbeitszeitmodelle“, sagt Yasmin Kurzhals, Karriereberaterin bei Von Rundstedt & Partner. Auch zeitweise im Homeoffice zu arbeiten, ist bei vielen Konzernen eher möglich als anderswo. Hinzu kommen neben dem Gehalt oft Firmen-Smartphones, Jobtickets oder Rabatte. Und auch ein großes Weiterbildungsangebot ist keine Seltenheit. Andererseits sind die Karrierewege bei Großkonzernen häufig fest vorgegeben. „In solchen Unternehmen kann es schwierig für jene Arbeitnehmer werden, die bestimmte Abläufe verändern wollen“, so Kurzhals. Ein Nachteil kann zudem sein, dass die Aufgaben des Einzelnen sehr spezifisch sind. Zudem geht es in Konzernen häufig anonym zu: Man kennt zwar die Kollegen in der eigenen Abteilung, vielleicht noch die von nebenan. Aber der Rest der Belegschaft bleibt oft fremd.

„In kleinen Firmen und bei Mittelständlern ist die Atmosphäre aufgrund der Betriebsgröße oft persönlicher“, erklärt Johannes Wilbert, Karriereberater und Leiter des Instituts zur Berufswahl. Einer kennt den anderen und sogar den Chef. All das stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl: Häufig ist die emotionale Bindung zur Firma hier größer als in einem Konzern. Bei einem kleineren Betrieb wird außerdem nicht so sehr auf Spezialisten gesetzt, sondern eher auf Allrounder.



Ein Beispiel: Während bei einem Konzern ein Mitarbeiter in der Personalabteilung vielleicht nur Gehaltsabrechnungen macht, erledigt ein Beschäftigter bei einem kleineren Betrieb alle Aufgaben, die rund um Personalfragen anfallen. Mehr Geld bekommt er dafür aber meist nicht. „Die Bezahlung ist häufig schlechter als im Großkonzern“, sagt Thomas Röser vom Deutschen Verband für Bildungs- und Berufsberatung (DVB). Und auch in Sachen Entwicklungsmöglichkeiten und flexible Arbeitszeiten hinken kleinere Betriebe den größeren oft hinterher.

Bei einem Start-up darf und soll sich jeder mit seinen Talenten und Ideen einbringen und hat so reichlich Gelegenheit, sich auszuprobieren. Die Hierarchien sind flach, manchmal gibt es noch keine festen Strukturen. „Das bringt es mit sich, dass es dann auch schon mal etwas chaotisch zugeht“, sagt Röser. Wer ein Start-up gründet, ist aber oft hochmotiviert. „Oft genug überträgt sich das auch auf die Mitarbeiter“, sagt Wilbert. Dadurch macht die Arbeit vielleicht mehr Spaß, dauert manchmal allerdings bis spät abends. Der Umgang in einem Start-up ist meist ungezwungen, oft auch familiär bis freundschaftlich. „Arbeiten bei einem Start-up ist wie Handeln an der Börse“, erklärt Röser. Sprich: Es gibt Risiken. Niemand weiß schließlich, ob die Geschäftsidee sich am Markt durchsetzt und damit auch nicht, ob es das Unternehmen in ein paar Jahren noch gibt.

Der Öffentliche Dienst bietet hingegen geregelte Arbeitszeiten, in der Regel keine Überstunden, umfassenden Kündigungsschutz – die Vorteile liegen auf der Hand. Wer eine unbefristete Planstelle besetzt, hat zudem einen ziemlich krisensicheren Arbeitsplatz. „Allerdings sind die Einkommen im Vergleich zur freien Wirtschaft eher niedriger“, sagt Kurzhals. Hinzu kommt eine gewisse Schwerfälligkeit: Denn zumindest in der klassischen Amtsstube mahlen die Mühlen eher langsam, die Strukturen sind oft unflexibel, die Arbeitsabläufe fest vorgegeben. „Jemand, der Neuerungen von jetzt auf gleich durchsetzen will, kann dann unter Umständen schnell frustriert sein“, warnt die Expertin.

Doch wie finden Berufstätige unter den möglichen Arbeitgebern ihren Traum-Typ? „Als Erstes muss sich der Arbeitssuchende über seine Bedürfnisse, Fähigkeiten und Wünsche im Klaren werden“, rät Johannes Wilbert. Die kann er in einem Kreis eintragen. In einem zweiten Kreis listet er dann die Möglichkeiten auf, die ein bestimmter Arbeitgeber bietet. „Je größer die Schnittmenge von beiden Kreisen ist, desto eher passt ein bestimmter Arbeitgeber-Typ zu einem bestimmten Arbeitnehmer“, so der Experte. Aber Vorsicht: Nicht jeder Großkonzern und nicht jedes Start-up sind gleich.

Wie es in einem Betrieb tatsächlich zugeht, können Interessierte zum Beispiel im Internet herausfinden. „Eine Möglichkeit ist, über soziale Netzwerke mit Beschäftigten Kontakt aufzunehmen und Fragen zu stellen“, erklärt Röser. Bewerber können aber auch im Anschluss an ein Bewerbungsgespräch fragen, ob sie einmal das Team kennenlernen dürfen, rät Kurzhals: „Auch auf diesem Weg lässt sich oft herausfinden, ob das Unternehmen zu einem passt.“

(dpa)