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Was erwartet mich in der Ausbildung?

Was erwartet mich in der Ausbildung?

Die Umstellung von Schule auf Lehre kann Azubis unter Umständen schwer fallen. Die Arbeitszeiten sind länger, die körperliche Belastung ist in manchen Berufen deutlich höher. Alte Hasen raten den Anfängern zu Eigeninitiative.

"Sei immer pünktlich und frag' alles nach, was Du nicht verstehst": Eltern haben so allerlei Tipps auf Lager, wenn es um den Start der Ausbildung geht. Doch ihre Lehrzeit ist womöglich schon sehr lange her. Was raten jene, die gerade am Ende ihre Ausbildung stehen?

"Eine positive Überraschung war, dass viele Abteilungen uns Azubis eine Menge Eigenverantwortung übertragen haben", sagt Leon Merse, angehender Industriekaufmann beim Nivea-Konzern Beiersdorf AG in Hamburg . Leon würde bei einem erneuten Start der Ausbildung von Beginn an noch mehr Mut zum aktiven Handeln zeigen. "Scheut euch nicht, nur weil ihr neu seid - eure Ansichten sind auch wichtig und werden gehört", rät er Anfängern.

Eigentlich hätte Frederik Studemund nach seinem Abitur wie die meisten auch studieren können. Stattdessen macht der 21-Jährige eine Lehre zum Bankkaufmann bei der Hamburger Sparkasse (Haspa). "Nach so vielen Jahren Theorie in der Schule war mir die Praxis einfach wichtiger", sagt der Azubi. Was ihn am meisten während der Lehre beeindruckt hat, war die schnelle Integration ins Team. "Ich war vom ersten Tag an ein vollwertiges Mitglied." Ganz anders im Vergleich zur Schule waren die Arbeitszeiten. "Die Umstellung war nicht leicht, nach der Arbeit war ich in der Anfangszeit häufig groggy."

Familie muss mitspielen

Er rät: "Auch wenn man müde ist, sollte man sich nach der Arbeit aufraffen und was unternehmen - einen Ausgleich zum Arbeitsalltag schaffen." Darauf würde Frederik achten, wenn er wieder von vorne anfangen könnte. Außerdem würde der Hamburger noch mehr einfordern. "Man bekommt während der Ausbildung zwar viel Unterstützung, sollte sich aber auch selbst um Aufgaben und Rückmeldungen kümmern."

Eric Krille macht eine Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik bei Siemens in Hamburg , Division Windenergie. Später im Beruf wird er dann zwei Wochen an Land verbringen und zwei Wochen auf einem Wartungsschiff für Windanlagen auf hoher See. Während der Ausbildung durfte er das schon einmal erproben. "Da müssen Partner und Familie mitspielen", sagt der Fachabiturient. "Am meisten überrascht hat mich an der Ausbildung, dass wir sehr viel selbstständig lernen durften und weniger Frontalunterricht hatten." Das sei der größte Unterschied zur Schule gewesen. "Wir hatten neben der Berufsschule im Betrieb auch extra Kurse, in denen wir Interessen und Wissen vertiefen konnten." Er rät Neulingen, unvoreingenommen in die Lehre zu gehen.

Sina Pachner ist eine Praktikerin. In der Ausbildung zur Mechatronikerin bei Bosch in Schwieberdingen konnte die 19-Jährige kaum etwas überraschen. "Ich habe mich gründlich auf die Lehre vorbereitet, auch mit einem Praktikum", erzählt die ehemalige Realschülerin. Das würde sie auch künftigen Azubis, vor allem den weiblichen, empfehlen. "So verlieren gerade Frauen die Hemmungen und Vorurteile vor einem technischen Beruf." Grundsätzlich könne man so auch prüfen, ob man dafür überhaupt geeignet ist. Während man in der Schule fast den ganzen Tag lang nur sitzt, muss Pachner sich in ihrem Beruf viel bewegen. Das sei am Anfang anstrengend gewesen, man gewöhne sich aber schnell daran.