Vor Verdachtskündigung muss Arbeitnehmer angehört werden

Vor Verdachtskündigung muss Arbeitnehmer angehört werden

Wenn ein Arbeitgeber den Verdacht hat, dass ein Mitarbeiter eine strafbare Handlung begangen hat und ihm deshalb kündigt, muss er ihn vorher anhören. Tut der Arbeitgeber das nicht, ist die Kündigung unwirksam.

Arbeitgeber müssen Mitarbeiter vor einer Verdachtskündigung anhören. Ist ein Arbeitnehmer in einer Reha-Maßnahme und der Arbeitgeber hat Kenntnis davon, muss er für die Anhörung eine Nachfrist setzen. Macht der Arbeitgeber das nicht, ist die Kündigung unzulässig. Das geht aus dem "Rechtsprechungs-Report Arbeitsrecht " der "Neuen Zeitschrift für Arbeitsrecht " hervor. Er bezieht sich auf einen Fall vor dem Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg.

In dem verhandelten Fall erhielt eine Buchhalterin die Kündigung. Die Frau war vom 15. Juli 2014 bis zum 3. Januar 2016 arbeitsunfähig erkrankt, da sie Darmkrebs hatte. Im März 2015 ließ der Arbeitgeber die Buchhaltung wie immer von einem Wirtschaftsprüfer checken. Dieser stellte Unregelmäßigkeiten fest. Unter anderem war der Verbleib von 3000 Euro unklar. Der Arbeitgeber verdächtigte die Frau, das Geld für sich genommen zu haben und kündigte ihr.

Ohne Erfolg, entschied das Gericht in zweiter Instanz. Zwar könnten Arbeitgeber auch kündigen, wenn sie lediglich den Verdacht haben, dass ein Mitarbeiter in die Kasse gegriffen hat. Allerdings muss der Arbeitnehmer vorher angehört werden. Auch wenn der Arbeitnehmer in einer Reha-Maßnahme ist.

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