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Ausbildungsberuf: Steuermann für schwere Technik

Ausbildungsberuf : Steuermann für schwere Technik

Maschinen- und Anlagenführer sind Facharbeiter in der Industrie. Das erfordert technisches Verständnis und Ehrgeiz.

() Große Maschinen umgeben Thorsten Fograscher in seiner Ausbildung jeden Tag. Maschinen, die Dämmmaterial in einer bestimmten Größe und Dicke produzieren, die Kunststoffe den Vorgaben entsprechend schäumen oder Bitumenbahnen zur Abdichtung fertigen. Der 20-Jährige arbeitet bei einem der größten europäischen Hersteller von Dachsystemen in Stuttgart. Dort wird er innerhalb von zwei Jahren zum Maschinen- und Anlagenführer ausgebildet.

„Zu dem Job bin ich über einen Metall-Grundkurs in der Schule gekommen“, erzählt er. Sein Fachabitur hat er an einer sozialwissenschaftlich orientierten Schule gemacht. „Aber das Technische hat mich schon immer interessiert.“ Verständnis für Technik ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, wie Rouven Vogg, sein Ausbildungsleiter, sagt. „Die Maschinen- und Anlagenführer sind tatsächlich die, die an den Maschinen stehen, die kontrollieren, warten und Probleme beheben können.“

Fograscher ist dabei die „Detektivarbeit“ am liebsten, wie er das nennt. „Wenn etwas nicht läuft, muss man die Ursache dafür finden, geht auf Spurensuche und muss eventuell Teile auswechseln.“ Das passiert zum großen Teil noch mechanisch, in diesem Beruf wird mit den Händen gearbeitet. „Natürlich werden die Anlagen über Touchpanels und Computer eingestellt und bedient“, sagt Vogg. Doch wenn etwas nicht funktioniert, ist ein gewöhnlicher Schraubenzieher gefragt.

Die Azubis können sich, je nach Unternehmen, in fünf verschiedenen Fachrichtungen ausbilden lassen: im Bereich Metall- und Kunststofftechnik, in der Textiltechnik, in der Textilveredelung, der Lebensmitteltechnik oder der Druckweiter- und Papierverarbeitung.

Für jeden Schwerpunkt gibt es andere Weiterbildungsmöglichkeiten nach bestandener Gesellenprüfung, sagt Sven-Uwe Räß, der Leiter der Berufsbildung im Arbeitgeberverband Gesamtmetall. Thorsten Fograscher ist mit einem Fachabitur eher die Ausnahme bei den Auszubildenden, deutlich mehr Bewerber haben einen Haupt- oder Realschulabschluss. Daher sind für ihn gerade die Bereiche Mathematik und Physik an der Berufsschule keine großen Hindernisse. „Das wird sehr anwendungsbezogen behandelt“, sagt er. Diese beiden Fächer sind es, die einem zumindest in der Schulzeit nicht ganz fremd gewesen sein sollten. Dann fällt in der Ausbildung vieles leichter.

„Viel wichtiger als die Noten aber sind andere Eigenschaften“, sagt Räß. Dazu gehören Teamfähigkeit, Ehrgeiz und Fleiß. Vogg ergänzt: „Die Bewerber arbeiten nie allein an und mit den Maschinen, daher müssen sie sich gut auf andere Menschen einlassen können.“ Sozialkompetenz, Respekt den Kollegen gegenüber – das seien Kriterien, auf die er achte. „Bei uns muss der Mensch passen, da sind die Noten tatsächlich zweitrangig.“

Der Job ist ein klassischer Drei­schichtberuf, die meisten Maschinen laufen rund um die Uhr. „Und mit den entsprechenden Zulagen etwa für Nachtschichten steigt auch das Einkommen.“ Wer die zweijährige Ausbildung erfolgreich beendet hat, kann in einer weiteren dreijährigen handwerklichen Ausbildung Fuß fassen und sich die zwei bereits absolvierten Jahre anrechnen lassen. Mögliche Berufe sind: Industriemechaniker, Werkzeugmechaniker, Zerspanungsmechaniker oder Feinwerkmechaniker. „Das kommt darauf an, in welchem der Fachbereich man zuvor gelernt hat“, sagt Räß.

(dpa)