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Tipps für Interessierte
So funktioniert der Einstieg in das Berufsfeld Pflege

Berlin/Bonn. Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpfleger haben derzeit sehr gute Jobchancen. Die Ausbildung kann auf verschiedenen Wegen erfolgen.

Aktuell gibt es in Deutschland rund 2,9 Millionen Pflegebedürftige – Tendenz steigend. Diese Menschen sind im Alltag meist auf professionelle Hilfe angewiesen. Pflegefachkräfte gibt es derzeit jedoch zu wenige. Wer sich für eine Ausbildung im Pflegebereich entscheidet, hat beste Jobaussichten. Es gibt mehrere Wege, wie ein Einstieg in die Branche gelingt.


Jeder, der im Pflegebereich beruflich tätig sein möchte, sollte dort zunächst ein Praktikum absolvieren, rät Paul Ebsen von der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Denn die Arbeit sei körperlich wie psychisch anstrengend. Schicht- und Wochenenddienst sind an der Tagesordnung, die Bezahlung sei oft nicht üppig.

Derzeit gibt es drei bundesweit einheitlich geregelte Ausbildungen zum Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpfleger. In der Regel dauern sie jeweils drei Jahre. Angehende Altenpfleger absolvieren neben einem schulischen Teil einige Praxisphasen in Pflegeeinrichtungen. Künftige Kinder- und Krankenpfleger werden an Berufsfachschulen und in Bereichen der Krankenhäuser ausgebildet. 

Auch eine akademische Ausbildung ist möglich. „In Deutschland bieten 78 Fachhochschulen und Universitäten insgesamt 149 Pflegestudiengänge an“, sagt Claudia Böcker vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. An einem Teil der Hochschulen gebe es duale Studiengänge, die die Berufsausbildung mit einem Bachelorstudium verknüpften. Andere Studiengänge befähigten Absolventen, später Management-Posten in Pflegeeinrichtungen zu übernehmen. Die Bachelor-Studiengänge dauerten je nach Ausrichtung und Hochschule drei bis viereinhalb Jahre.

Einen schnelleren Einstieg ermögliche eine Ausbildung als Hilfskraft. „Sie erfolgt an Berufsfachschulen und ist von Land zu Land unterschiedlich geregelt“, erklärt Ebsen. In vielen Bundesländern könnten sich Interessierte innerhalb eines Jahres zu Gesundheits- und Krankenpflegehelfern qualifizieren. Auch eine Ausbildung zum Altenpflegehelfer sei möglich. Sie dauere meist ein Jahr, in Hamburg sogar zwei Jahre. Oft müssten die Azubis jedoch Schulgeld zahlen. Auch private Anbieter böten kostenpflichtige Kurse und Lehrgänge an. „Das reicht vom Sechs-Wochen-Crashkurs bis hin zu einem halbjährigen Lehrgang“, erklärt Johanna Knüppel vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe.



Weiterbildungsmöglichkeiten gebe es viele. Krankenpfleger könnten etwa Fachkrankenpfleger im Operationsdienst werden. Altenpfleger könnten sich zum Fachaltenpfleger für klinische Geriatrie und Rehabilitation weiterbilden. Oder man mache sich selbstständig mit einem ambulanten Pflegedienst. Nach entsprechender Weiterbildung auch denkbar sei die Leitung einer Station im Krankenhaus oder in einer Pflegeeinrichtung.

„Der Bedarf an Pflegefachkräften ist derzeit so hoch, dass Seiteneinsteiger wirklich gute Berufsaussichten haben“, sagt Ebsen. Interessierte sollten sich daher an die zuständige Agentur für Arbeit wenden. Sie finanziere in vielen Fällen eine Umschulung.

Ab 2020 gehören die drei getrennten Ausbildungen zum Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpfleger der Vergangenheit an. Nach einer zweijährigen allgemeinen Ausbildung, können sich Azubis im dritten Jahr auf die Pflege von Kindern oder alten Menschen spezialisieren oder die allgemeine Ausbildung fortsetzen. „Grund für diese Reform sind neue Anforderungen an die pflegerische Versorgung“, erklärt Knüppel. Azubis müssten dann kein Schulgeld mehr zahlen. Sie bekämen eine Ausbildungsvergütung. Auch so soll der Beruf attraktiver werden.

(dpa)