Ausbildungsberuf: Mit Köpfchen und Körpereinsatz

Ausbildungsberuf : Mit Köpfchen und Körpereinsatz

Die Arbeit als Landwirt ist anspruchsvoll. Auszubildende erlernen die Pflege und Aufzucht zahlreicher Tier- und Pflanzenarten. Neben großer Hingabe ist in dem Beruf auch Interesse an digitaler Technologie gefragt.

Wie wird aus einem kleinen Korn eine große Pflanze und wie aus einem Babyferkel ein schlachtreifes Schwein? Diese Fragen beschäftigen Nina Langreder jeden Tag, die 20-Jährige ist fast am Ende ihrer Ausbildung zur Landwirtin. Sie ist auf einem Bauernhof in der Nähe von Hannover aufgewachsen. Von klein auf hat ihr die Arbeit mit Tieren und Pflanzen Spaß gemacht. „Ich war mit meinem Vater im Stall und bin immer mit dem Trecker mitgefahren“, erzählt sie. Nach dem Abitur kam für Langreder kein Bürojob infrage. Sie wollte körperlich aktiv arbeiten und viel an der frischen Luft sein.

Wer Landwirt werden wolle, müsse körperlich belastbar sein und Durchhaltevermögen mitbringen, erklärt Wilhelm Siebelmann, Referent der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Ebenso wie handwerkliches Geschick und lösungsorientiertes Denken. Ein Schulabschluss sei hingegen nicht zwingend nötig. Wer den Beruf erlernen wolle, müsse zudem bereit sein, in ländlichen Regionen zu arbeiten. Das sei für viele Azubis eine Hürde, erklärt Markus Bretschneider, der beim Bundesinstitut für Berufsbildung für gewerblich-technische Berufe zuständig ist.

Früh aufstehen, keine geregelten Arbeitszeiten, selten freie Wochenenden – auch das müssen Landwirte in Kauf nehmen. „Das Schöne ist: Es zahlt sich alles aus, wenn man seine zufriedenen Tiere sieht“, sagt Nina Langreder. Oder, wenn die Ernte ertragreich war. Ihre Freunde und ihr Partner müssen Verständnis dafür haben, dass ihr Job oberste Priorität hat. Wenn gerade eine Kuh kalbt oder die Ernte eingefahren wird, kann sie eben nicht pünktlich weg. Damit komme sie zurecht, sagt Langreder. Was sie störe, seien die vielen Vorurteile, die ihr entgegengebracht würden. Da werde schon mal die ganze Zunft als Tierquäler dargestellt. „Ich persönlich kenne keinen Kollegen, der seine Tiere quält. Uns liegt immer das Wohlergehen der Tiere am Herzen“, ist Langreders Sicht.

Auch der richtige Umgang mit Pflanzen spielt in der Ausbildung eine große Rolle. Dünger etwa ist für jede Fläche genau zu berechnen. Wie viele Nährstoffe sind schon im Boden, wie viele darf der Landwirt hinzufügen, welches Mittel ist dafür geeignet? Das lernt Langreder in der Berufsschule. Die Anforderungen an den Beruf nehmen zu, denn die Digitalisierung hält Einzug in die Landwirtschaft. Die Fachleute müssen komplexe Maschinen einrichten und steuern können, vom Melkroboter, über GPS-gesteuerte Landmaschinen bis zum Fütterungssystem.

Ebenso wird das Thema Nachhaltigkeit wichtiger. Nina Langreder hat einen Teil ihrer Ausbildung auf einem ökologisch wirtschaftenden Betrieb in Schleswig-Holstein absolviert, um zu sehen, welche Aspekte dieser Arbeitsweise sie im Betrieb ihrer Eltern umsetzen kann. Nach ihrer Ausbildung will sie ein Jahr in die Praxis gehen und dann die zweijährige Fachschule für Landwirtschaft in Schleswig Holstein besuchen. Mit dieser Weiterbildung darf sie später selbst ausbilden. Vielleicht setzt sie noch ein Studium obendrauf. Was Langreder schon weiß: Sie möchte irgendwann den elterlichen Betrieb weiterführen. Bisher wird dort vor allem Ackerbau betrieben, doch sie möchte später am liebsten auch ein paar Kühe halten.

(dpa)
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