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Mit kleinen Tricks zufriedener im Job

Dresden. Wer unzufrieden am Arbeitsplatz ist, muss nicht gleich den Beruf wechseln. Oft helfen schon kleine Veränderungen. Maria Fiedler

(dpa) Es kann die Krankenschwester sein, die ihre Schichten mit denen ihrer Lieblingskollegen zusammenlegt und nun wieder gerne zur Arbeit geht. Oder auch der Koch, der sich als Künstler sieht, seitdem er die Gerichte kreativ auf dem Teller anrichtet. Diese Personen wissen es vielleicht nicht: Doch sie alle wenden dieselbe Technik an. "Job Crafting" oder "aktive Arbeitsplatzgestaltung" nennt es sich, wenn Menschen kleine Änderungen an ihrem Job vornehmen.

"Die Wirkung kann erheblich sein: Wer die Spielräume innerhalb seiner Tätigkeit erkennt, bekommt ein stärkeres Gefühl der Selbstbestimmung", sagt Psychologin Ilona Bürgel. "Das kann Stress reduzieren und Burn-out vorbeugen." Und: Wer mehr Spaß an der Arbeit hat, ist automatisch engagierter und oft erfolgreicher.

So glauben manche sogar, dass sich Job Crafting zu einem Wirtschaftsfaktor entwickelt. "Die Arbeitnehmer der Zukunft suchen nicht nach einem perfekt designten Job. Sie möchten ihn anhand ihrer persönlichen Stärken und Interessen mitgestalten", sagt Eva B. Müller. Sie war viele Jahre als Führungskraft in internationalen Unternehmen tätig und arbeitet nun als Trainerin. Die Veränderungen, die Job Crafter an ihrer Tätigkeit vornehmen, müssen nicht groß sein. Experten teilen die möglichen Stellschrauben in vier Gruppen ein: "Erstens: Was arbeite ich? Damit sind die Aufgaben gemeint. Zweitens: Mit wem arbeite ich? Das können Kollegen oder Kunden sein. Und drittens: Wie sehe ich meinen Job? Dabei geht es um die innere Haltung", zählt Organisationsberaterin Frauke Schmid-Peter auf. Als eine vierte Stellschraube sieht sie die Frage: "Wo und wann arbeite ich?". Arbeitsplatz und Arbeitszeiten wären Beispiele.

Um strukturiert Job Crafting zu betreiben, rät Schmid-Peter dazu, sich über einen längeren Zeitraum hinweg alle Aufgaben aufzuschreiben, die im Arbeitsalltag anfallen. Dann kann man darüber nachdenken, welche einem Freude bereiten und welche eher Energie rauben. "Bei unliebsamen Tätigkeiten sollten Arbeitnehmer versuchen, diese zu reduzieren oder schauen, ob es Kollegen gibt, denen diese Aufgaben mehr liegen", erklärt Schmid-Peter.

Wenn Arbeitnehmer die innere Haltung verändern, mit der sie an ihren Job herangehen, spricht Beraterin Müller von einer mentalen Verschiebung. Dabei werde dem Beruf oder einzelnen Aufgaben ein ganz besonderer Sinn zugeschrieben. Arbeitnehmer sollten jedoch immer beachten: Wenn die Veränderungen, die sie vornehmen wollen, auch andere betreffen, ist es klug, sich vorher mit Kollegen und Vorgesetzten abzusprechen.