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Arbeitsplatz der Zukunft?
Mit diesen Fragen müssen Bewerber rechnen

Damit Bewerbungsgespräche nicht zur Nervenprobe werden, ist eine gute Vorbereitung wichtig.
Damit Bewerbungsgespräche nicht zur Nervenprobe werden, ist eine gute Vorbereitung wichtig. FOTO: dpa-tmn / WeWork
Berlin. Alte Fragen, neue Methoden: Heute müssen Bewerber in Vorstellungsgesprächen viele unterschiedliche Anforderungen erfüllen.

() „Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?“ und „Was sind Ihre größten Stärken und Schwächen?“ – so gut wie jeder hat diese Fragen schon einmal im Vorstellungsgespräch gehört. Sind die Klassiker überhaupt noch aktuell? Auf jeden Fall, sagen Experten. Allerdings sollten sich Bewerber auch auf neue Fragen gefasst machen. Und auf einen ganz neuen Umgangston.


„Heute wird lockerer geplaudert“, sagt Bewerbungs- und Karrierecoach Jürgen Hesse. Statt standardisierter Fragen lautet der Gesprächseinstieg gerne auch mal: „Wer sind Sie?“ oder „Erzählen Sie doch mal etwas von sich“. Personaler wollen so die Spontanität der Bewerber und ihre Fähigkeit zur Selbsteinschätzung testen.

Auf ihre Schlagfertigkeit allein sollten die sich allerdings nicht verlassen. Denn die Klassiker gibt es noch immer. „Um eine bessere Vergleichbarkeit zu gewährleisten und eine objektive Auswahl treffen zu können, werden den Bewerbern für eine bestimmte Position dieselben Fragen gestellt“, erklärt Bernd Blessin vom Bundesverband der Personalmanager. Eine beliebte Frage lautet zum Beispiel: „Welche Erfahrungen haben Sie in der Vergangenheit in Ihrem Job gemacht?“



Bewerber stehen im Vorstellungsgespräch damit zunehmend vor einer Doppelaufgabe. Auf der einen Seite müssen sie sich den klassischen Fragen, auf die sie sich präzise vorbereiten, stellen. Auf der anderen Seite sollen die potenziellen Mitarbeiter möglichst spontan und authentisch rüberkommen. Der Tipp von Bewerbungscoach Hesse lautet deshalb: Vorbereiten ja, auswendig lernen nein. Stattdessen empfiehlt der Experte ein anderes System. „Man muss ein Skript haben, ein Drehbuch“, sagt er. Wenn man weiß, welche Rolle man einnehmen und welches Bild man vermitteln will, sei es einfacher, auch mal spontan auf Fragen zu reagieren. Dafür reiche es, grobe Stichworte im Kopf zu haben.

Egal, ob bei einem lockeren Gespräch oder beim Abarbeiten eines Themenkatalogs: In beiden Fällen gibt es Fragen, die für den Personaler tabu sind.  „Fragen zur Familienplanung, zur gesundheitlichen Situation, zur Gewerkschaftszugehörigkeit und privaten Ansichten sind unzulässig“, erklärt Personalberater Jörg Knoblauch. Das gelte auch für die sexuelle Orientierung. Sollten diese Themen dennoch zur Sprache kommen, dürfen Bewerber sogar ungestraft lügen. Kommt die Flunkerei später ans Licht, kann der Arbeitgeber den Arbeitsvertrag deshalb nicht anfechten.

Ein Vorstellungsgespräch ist kein ein-, sondern ein gegenseitiges Kennenlernen. Auch Bewerber sollten die Gelegenheit nutzen, den potenziellen Arbeitgeber auf Herz und Nieren zu prüfen, rät der Karriereberater Martin Wehrle. Wer sich dabei geschickt anstellt, könne sogar Probleme wie ein schlechtes Betriebsklima oder einen tyrannischen Chef erkennen. Das geht zum einen über gezielte Fragen wie „Was sind die größten Schwierigkeiten in meinem Job?“. Aber auch mit einem offenen Ohr für Zwischentöne.Bei allen Veränderungen: Ein guter Indikator für das Betriebsklima könne zum Beispiel der Umgang der Gesprächspartner untereinander sein, so der Experte. Fallen sie sich gegenseitig ins Wort oder sogar in den Rücken? Oder geht es eher harmonisch zu? Auch der Umgang mit dem Bewerber spricht oft Bände: Ein „Danke“ fürs Kommen sollte bei einem guten Arbeitgeber zum Beispiel schon dazugehören, ein angebotenes Getränk ebenfalls.

Auch bei Bewerbungsgesprächen über den Online-Videodienst Skype oder per Telefon müssen einige Dinge beachtet werden. „Weil man zu Hause in seiner gewohnten Umgebung ist, besteht die Gefahr, dass man das Gespräch nicht ernst genug nimmt“, warnt Bewerbungscoach Hans-Georg Willmann. Das sei seiner Erfahrung nach der häufigste und schwerwiegendste Fehler der Bewerber.

„Business-Kleidung ist ein Muss“, erklärt Diplom-Psychologe Willmann. Bewerber sollten in der Lage sein, Fragen über Persönlichkeit, Motivation und Qualifikation angemessen zu beantworten. Ebenfalls sollten sie gefasst darauf sein, dass der Arbeitgeber schon Konditionen und Gehaltsvorstellungen besprechen möchte. Für den Bewerber habe das Telefon- oder Skype-Interview dahingehend Vorteile: Notizen könnten vorbereitet und so platziert werden, dass sie nicht im Bild sind. Kleine Merzkezttel sind übrigens auch bei persönlichen Vorstellungsgesprächen kein Problem mehr, sagt Jürgen Hesse. Vielmehr zeige es, dass man sich Gedanken gemacht habe.

„Der Computer-Akku muss geladen und die Kamera positioniert sein. Leuchten Sie zudem das Bild gut aus“, rät der Experte. Es sei zudem sinnvoll, den Blick in die Kamera vorher zu üben – so verhindert man, dass die Augen ständig auf das eigene Bild wandern, das in der Videokonferenz eingeblendet ist. Als letzten Punkt betont der Coach: „Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber in der Praxis sehr häufig ein Problem: Seien Sie pünktlich erreichbar.“ Wer in der Bewerbung angibt, zuverlässig zu sein, aber nicht auf den Punkt zu der vereinbarten Zeit erreichbar ist, mache sich unglaubwürdig.

Nicht schön und doch kein Beinbruch: Karriere mit schlechten Noten Zum Themendienst-Bericht "Beruf/Bildung/Hochschulen/KORR/" von Verena Wolff vom 30. Juli: Sind die Zeugnisnoten mies, sollten Bewerber im Vorstellungsgespräch eine Erklärung parat haben. Ehrlichkeit hilft dann oft weiter. (Archivbild vom 03.05.2006/Die Veröffentlichung ist für dpa-Themendienst-Bezieher honorarfrei). +++ +++
Nicht schön und doch kein Beinbruch: Karriere mit schlechten Noten Zum Themendienst-Bericht "Beruf/Bildung/Hochschulen/KORR/" von Verena Wolff vom 30. Juli: Sind die Zeugnisnoten mies, sollten Bewerber im Vorstellungsgespräch eine Erklärung parat haben. Ehrlichkeit hilft dann oft weiter. (Archivbild vom 03.05.2006/Die Veröffentlichung ist für dpa-Themendienst-Bezieher honorarfrei). +++ +++ FOTO: gms / A3500 Fotoreport monster.de
(dpa)