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Im Kriechgang durch die brennende Wohnung

Im Kriechgang durch die brennende Wohnung

Lisa-Katharina Röck geht in Häuser, aus denen andere schreiend rausrennen: Die 28-Jährige ist eine von wenigen Frauen in der Berufsfeuerwehr – und liebt ihren Job.

Wenn Lisa-Katharina Röck in eine brennende Wohnung geht, kriecht sie vorwärts, immer mit einer Hand an der Wand, um sich nicht zu verirren. Dichter Rauch vernebele dann die Sicht, erzählt die 28-Jährige von der Mannheimer Feuerwehr. Ihre Atemschutzmaske schütze sie vor dem beißenden Qualm, der für Feuerwehrleute das Gefährlichste sei. In einer Brandwohnung könne man nicht einfach so laufen wie durch eine normale Wohnung, sagt sie. "Man muss im Kriechgang durch, weil die Hitze nach oben steigt. Es sei viel zu heiß, aufrecht zu gehen. Eine Wärmebildkamera helfe, den Brandherd aufzuspüren. Wie aufgeregt sie vor einem Einsatz sei, hänge auch von der Uhrzeit der Alarmierung ab. "Nachts hat man mehr Adrenalin im Blut, als wenn es mittags um zwölf Uhr ist", sagt Röck. Nachts gebe es vor allem die Sorge, ob Schlafende bei einem Feuer rechtzeitig aufwachten.

Feuerwehrfrauen sind selten. Nur 1,3 Prozent der Berufsfeuerwehrleute in Deutschland seien weiblich, sagt eine Sprecherin des Deutschen Feuerwehrverbandes. Vielen Frauen sei gar nicht bewusst, dass ihnen die Feuerwehr offenstehe. Die Zahl der Frauen steige nur langsam. Bei der Freiwilligen Feuerwehr liege der Frauenanteil immerhin bei 8,5 Prozent.

Auch Röck ist auf ihrer Schicht die einzige Frau. Die 28-Jährige kam dank des Tipps eines Freundes zu dem Beruf. Sie arbeitete bereits ehrenamtlich für das Technische Hilfswerk und er schlug vor, doch das Hobby zum Beruf zu machen. Der Vorschlag gefiel ihr. Der frühere Job im Landschaftsbau war der jungen Frau zu eintönig. Nur an die Schichtarbeit bei der Feuerwehr musste sie sich erst gewöhnen.

Bei Einsätzen sei es wichtig, Ruhe zu bewahren und nicht leichtsinnig zu sein, sagt Röck. "Sonst macht man Fehler." Mut gehöre natürlich dazu, wenn man in ein brennendes Haus gehe. "So eine gewisse Angst, was jetzt passieren wird, hat man immer im Hinterkopf", erzählt sie. "Das kann man nicht ausschalten. Aber man muss einfach den Blick fürs Ganze haben." Sie und ihre Kollegen stürmten ja nicht einfach in ein Feuer hinein.

"Helden braucht die Feuerwehr nicht", sagt der Präsident des Landesfeuerwehrverbands in Baden-Württemberg, Frank Knödler. Es gehe schließlich um eine gesicherte Rettung. "Wenn man eine gute Ausbildung hat, wird alles kalkulierbar." Ungefährlich ist der Beruf dennoch nicht. Baden-Württembergs Branddirektor Karsten Homrighausen drückt es drastischer aus: "Wir erwarten von unseren Einsatzkräften, dass sie im Zweifelsfall ihr Leben und ihre Gesundheit riskieren, um Menschen zu retten." Feuerwehrleute brauchten Mut, Kraft, Ausdauer und starke Nerven. "Sie sehen unendlich viel Leid." Wer etwa ein totes Kind aus einer Wohnung geborgen habe, müsse das erst einmal verarbeiten. "Das geht an die Substanz." Psychisch müssten Feuerwehrleute sehr stabil sein und erste Anzeichen einer Belastungsstörung erkennen.

Solche Horroreinsätze hat Lisa-Katharina Röck in ihren viereinhalb Jahren als Feuerwehrfrau noch nicht erleben müssen. "Bisher wurde ich verschont", sagt sie.

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Auf einen Blick Je nach Laufbahn dauert die Ausbildung bei der Berufsfeuerwehr 18 bis 24 Monate. Sie gliedert sich in drei Teile: Der grundlegende Truppmannlehrgang vermittelt fachliches, technisches, rettungsdienstliches und taktisches Basiswissen. Eine technische Spezialausbildung qualifiziert unter anderem zum Sprechfunker oder Atemschutzgeräteträger. Gruppen- und Zugführer durchlaufen eine zusätzliche Führungsausbildung. Das Einkommen ist nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit abhängig von der Ausbildung, der ausgeübten Funktion und vom Arbeitgeber, bei dem die Tätigkeit ausgeübt wird. hei