Häufige Jobwechsel können Arbeitnehmer als Nachteil ausgelegt werden

Karrieretipps : Jobhopping kommt meist nicht gut an

Von ständigen Wechseln des Arbeitgebers raten Experten ab. Im Beruf ist eher Beständigkeit erwünscht. Häufige Wechsel wecken Misstrauen. Mit guten Begründungen bergen sie aber auch Chancen.

() Ein Leben lang im gleichen Unternehmen zu arbeiten, ist heutzutage nicht mehr üblich. Ein Jahr hier, ein paar Monate dort und ein knappes Jahr wieder woanders: So sollte der Lebenslauf aber möglichst auch nicht aussehen. Was manch ein Arbeitnehmer als vielseitige Erfahrung verkaufen will, ist in Personalabteilungen nämlich nicht gerne gesehen. Nicht immer kann der Arbeitnehmer etwas für eine lange Liste an Arbeitgebern im Lebenslauf: „Die Arbeitswelt hat sich drastisch geändert“, sagt Karriereberaterin Ute Bölke. „Befristete Verträge, freie Mitarbeit, Praktika, Zeitarbeit – all das spiegelt sich in den Lebensläufen wider.“ Für wen es aus solchen Gründen unfreiwillig von einem Arbeitgeber zum nächsten geht, der sollte das unbedingt in seinem Lebenslauf unter dem Punkt „Wechselmotivation“ erläutern.

Denn betreibt ein Bewerber von sich aus das, was Experten auch Jobhopping nennen, ist der erste Eindruck oft eher mäßig. „Wer innerhalb der beruflichen Biografie häufig wechselt, ruft beim Personaler die Interpretation hervor, dass es ihm an Beharrlichkeit oder Loyalität mangelt oder ein Mangel an Leistung oder Teamfähigkeit dahintersteckt“, erklärt Psychologe und Coach Hans-Georg Willmann.

Wie viele Jobwechsel dieses Misstrauen wecken, lässt sich pauschal nicht sagen. „Zwei Wechsel in 20 Jahren sind natürlich nicht häufig. Zwei in zwei Jahren schon“, sagt Autor Jochen Mai, der das Portal Karrierebibel betreibt. Im Schnitt sei es üblich, sich alle fünf bis sieben Jahre beruflich zu verändern. Gerade unter Einsteigern sei es aber legitim, häufiger zu wechseln. „Da sucht man sich selbst, seinen Beruf und seine Berufung und natürlich den passenden Arbeitgeber.“

Aber selbst am Anfang sollte die Liste an Arbeitgebern nicht zu lang werden. „Natürlich gibt es Ausnahmen, aber der dritte Job sollte sitzen“, sagt Karriereberaterin Ute Bölke. Sitzen bedeutet in diesem Fall, dass man mindestens drei Jahre bleibt.

Was aber, wenn ein Arbeitnehmer schon häufiger gewechselt hat und der aktuelle Job wieder nichts ist? „Man sollte sich die Frage stellen: Inwieweit ist die Gesundheit in Mitleidenschaft gezogen?“, rät Willmann. „Das Leben geht vor Arbeit.“ Bringe der Job keine gesundheitlichen Probleme mit sich, solle man versuchen ihn noch weiterzumachen. Das sei besser, als sich aus der Arbeitslosigkeit heraus zu bewerben.

Wer im Bewerbungsgespräch auf seine lange Liste an Arbeitgebern angesprochen wird, dem rät Mai zur Ehrlichkeit. „Die Personaler haben ohnehin so gut wie jede Erklärung schon gehört.“ Bei wem die häufigen Wechsel zum Beispiel an einem Mangel an Durchsetzungsvermögen gelegen haben, „der kann das im Gespräch durchaus so zugeben: Ich war früher nicht so durchsetzungsstark, das ist aber heute anders, weil ich durch die mehrfachen Jobwechsel viel dazugelernt habe“, sagt Mai.

Manchmal hat man auch einfach noch nicht den richtigen Job für sich gefunden. In dem Fall rät Bölke zu folgendem Vorgehen: Man stelle sich vor, zehm Millionen Euro auf dem Konto zu haben. Die Herzenswünsche sind erfüllt und man kommt aus dem Urlaub zurück. Was würden sie arbeiten? „Der Antwort auf die Frage sollte man nachgehen und schauen, ob man das realisieren kann.“

Wer schon oft gewechselt hat, sich aber sicher ist, mit dem nächsten Job den Richtigen zu finden, der sollte sich auf das Positive fokussieren: Viele Arbeitgeber können eben tatsächlich vielfältigere Erfahrungen, ein größeres Netzwerk und ein breiter gefächertes Wissen bedeuten, wie Willmann betont. Außerdem können ihm zufolge häufige Wechsel von Anpassungsfähigkeit und Flexibilität zeugen.

(dpa)
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