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Ausbildung
Für Leseratten mit Technik-Verständnis

In der Bibliothek der Johann Wolfgang Goethe-Universität beschäftigt sich Nathalie Wright, Auszubildende als Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste, unter anderem mit der Pflege von Bibliotheksbeständen.
In der Bibliothek der Johann Wolfgang Goethe-Universität beschäftigt sich Nathalie Wright, Auszubildende als Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste, unter anderem mit der Pflege von Bibliotheksbeständen. FOTO: dpa-tmn / Frank Rumpenhorst
Frankfurt. In Bibliotheken gibt es klassische Druckerzeugnisse genauso wie E-Books. Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste sollten daher in jedem Fall auch technisch begabt sein.

() Bücher zu mögen, das schade nicht, wenn man in einer Bibliothek arbeiten will, sagt Nathalie Wright. „Aber da gibt es noch weitaus mehr, für das man sich interessieren sollte.“ Die 23-Jährige ist in ihrem dritten Ausbildungsjahr zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste (FaMI) an der Bibliothek der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Sie liebt Gedrucktes, begeistert sich aber auch für Technik. „Früher habe ich immer PCs auseinandergebaut“, erzählt sie.


Die Arbeit in Bibliotheken ist vielfältig, junge Leute hätten aber leider oft veraltete Vorstellungen, sagt Barbara Lison, Bundesvorsitzende des Deutschen Bibliotheksverbands und Leiterin der Stadtbibliothek Bremen. „Manche sagen, sie lesen gerne, und denken, dass sei genug, um in einer Bibliothek zu arbeiten.“ Dies sei aber nicht die Hauptvoraussetzung. „Bei uns wird gelesen“, erklärt sie. Wichtig seien deshalb Offenheit und Kontaktfreudigkeit. Denn Bibliotheken sprechen ganz unterschiedliche Zielgruppen an, von Leseanfängern bis hin zu Senioren.

Wichtig seien zudem Freude am Organisieren und Gestalten. Auch Ordnungssinn sei gefragt. „Es geht immer wieder darum, Bücher zu suchen und zu finden“, sagt Petra Schneider, die an der Bibliothek der Goethe-Universität die Ausbildung koordiniert. Hier gebe es kein „ungefähr“. Die Bände müssen dort einsortiert werden, wo sie hingehören.



Bei der dreijährigen Ausbildung gibt es Schwerpunkte wie Bildagentur, Archiv, Information und Dokumentation. In der Fachrichtung Bibliothek lernen Azubis, wie sie Bücher und andere Medien beschaffen, erfassen und systematisieren. Zudem beraten sie Nutzer, recherchieren Literatur, verleihen Medien und organisieren Veranstaltungen. Bibliotheken digitalisieren auch Sammlungen. „Damit wir sie auch online zur Verfügung stellen können“, erzählt Schneider.

Wer die Ausbildung im Bereich Bibliothek absolviert hat, findet Jobs in Gemeinde-, Stadt- und Universitätsbibliotheken sowie in der Verwaltung, in Verlagen, aber auch bei Wissenschaftsorganisationen oder Betrieben mit eigenen Bibliotheken. Die meisten Berufsanfänger arbeiten im öffentlichen Dienst, sagt Kristina Lippold vom Berufsverband Information Bibliothek (BIB). Das Einstiegsgehalt lag laut Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder im Jahr 2017 bei knapp 2240 Euro.

Wer bereits Berufspraxis hat, kann sich zum Informationsfachwirt weiterbilden. Einige Fachangestellte nutzen die Ausbildung auch als Grundlage für ein Studium. In den kommenden Jahren erreichen viele Beschäftigte von Bibliotheken landesweit das Rentenalter. Deshalb schätzt Barbara Lison die Berufsaussichten als sehr gut ein.

Nathalie Wright will nach ihrer Ausbildung ihr Abitur an einer Fachoberschule nachholen und dann studieren. Was genau, weiß sie noch nicht. Sie interessiert sich aber vor allem für Medieninformatik und andere Fächer an der Schnittstelle zwischen Geisteswissenschaften und der Digitalwelt. Ihr Ziel: sich im technischen Bereich weiterzubilden, um später wieder in einer Bibliothek zu arbeiten.

(dpa)