Ausgebildete Fachleute gesucht: Fitnessbranche sucht gut ausgebildete Trainer

Ausgebildete Fachleute gesucht : Fitnessbranche sucht gut ausgebildete Trainer

Eine Lizenz für die Arbeit im Fitnessstudio lässt sich in wenigen Tagen erwerben. Fachkräfte haben in diesem Bereich gut Jobaussichten.

(dpa) Ohne Trainer geht es nicht. Denn die Fitnessbranche hat zwar immer neue Ideen, wie digitale Technik Freizeitsportlern beim Training helfen kann. Menschliche Unterstützung haben die Sensoren und Computer bisher aber nicht verdrängt. Das zeigen Zahlen des Arbeitgeberverbands deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (DSSV): Die gut 9300 Betriebe der Branche beschäftigen demnach rund 212 400 Menschen, mit im Schnitt mehr als 22 Beschäftigten pro Anlage – Tendenz steigend.

Entsprechend groß ist der Bedarf: „Die Fitnessstudios suchen im Grunde ständig Mitarbeiter, einfach weil die Fluktuation sehr hoch ist“, sagt Susanne Anger von der Stellenbörse Fitnessjobs.de. Ein Grund für diese hohe Fluktuation ist, dass die Branche wächst. Deshalb gibt es immer neue Ketten und Anbieter, die immer neue Studios eröffnen, die dann Mitarbeiter brauchen oder anderswo Kräfte abziehen. „Gesucht werden alle, von der reinen Servicekraft über den Trainer bis zum Management“, sagt Anger.

Wer in die Arbeit der Fitnesswelt nur hineinschnuppern will, findet in vielen Studios Aushilfs- oder Minijobs, für Studierende etwa. Wer den Freizeitsport wirklich zum Beruf machen will, startet in der Regel als Trainer. Mindestvoraussetzung dafür ist die sogenannte B-Lizenz. Die dazugehörigen Aus- und Weiterbildungskurse dauern oft nur wenige Tage, hinzu kommen dann – je nach Arbeitgeber und Interesse – verschiedene andere Lizenzen, für einzelne Sportarten oder Trainingsformen zum Beispiel.

Fast die Hälfte der Beschäftigten in der Branche sind nach Angaben des DSSV reine Trainer, haben also keine höhere Qualifikation. Die Reise geht aber in Richtung Professionalisierung, wie eine Umfrage des Verbands unter seinen Mitgliedern zeigt: Wichtigster Trend für das Jahr 2019 ist demnach die Suche nach qualifizierten Trainern mit einem hohen Ausbildungsstandard.

An Möglichkeiten dafür mangelt es nicht: Inzwischen gibt es gleich mehrere Aus- und Weiterbildungen, die den Trainerberuf auf solidere Füße stellen sollen. „Der Markt ist noch unübersichtlich, mit einer Vielzahl von Ausbildungsanbietern“, sagt Anke Brendt von Reed Exhibitions, Veranstalter der Branchenmesse Fibo und Kooperationspartner von Fitnessjobs.de.

Der Grund für das breite und etwas chaotische Angebot: Eine staatlich anerkannte, duale Ausbildung zum Fitnesstrainer existiert noch nicht. Es gibt zwar den Sport- und Fitnesskaufmann. Bei dem steht allerdings eher das Betriebswirtschaftliche und Organisatorische im Mittelpunkt und weniger der Sport an sich. Hinzu kommt der Sportfachmann, der aber wenig mit der Fitnessbranche zu tun hat.

Die Lücke füllen private Bildungsträger wie die Internationale Fitness Akademie (IFAA) und das IST-Studieninstitut. Beim IST gibt es zum Beispiel die betriebliche Ausbildung zum Sport- und Gesundheitstrainer sowie Sport- und Fitnessbetriebswirt. Das Prinzip ist das gleiche wie bei der regulären dualen Ausbildung: Mitarbeit im Betrieb wechselt sich mit der Theorie im Seminar ab. Die Ausbildungsgebühren zahlt in der Regel der Betrieb, und Azubis bekommen für ihren Einsatz eine Vergütung.

Als Teil der Ausbildung erwerben Azubis die B-Lizenz und verschiedene andere Trainerscheine. Im Lauf der drei Jahre werden die Teilnehmer zudem auf die Prüfung zum Sport- und Fitnesskaufmann bei der örtlichen IHK vorbereitet und können so am Ende der privaten Ausbildung noch einen anerkannten Abschluss ergattern. Voraussetzung ist, dass sie die Prüfung schaffen und überhaupt zugelassen werden. Die Entscheidung darüber ist Sache der IHK vor Ort, wie das IST auf seiner Webseite selbst erklärt.

Ausbildungen wie diese sind begehrt – bei Betrieben und Azubis gleichermaßen. So haben laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) knapp 1600 Azubis im Jahr 2018 eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann aufgenommen. Und auch die privaten Anbieter freuen sich über hohe Nachfrage: „In Düsseldorf starten wir jetzt im Oktober mit neun Klassen à 30 Schülern“, sagt Graziella Sivarajah vom Fachbereich Fitness beim IST. Dazu kommen fünf weitere Seminarorte in ganz Deutschland, ebenfalls mit mehreren Klassen.

Ein Hauen und Stechen um die Ausbildungsplätze gibt es deswegen aber nicht, der Bedarf der Branche ist offenbar groß genug. „Umkämpft sind die Plätze eher bei den großen Ketten in den großen Städten, nicht bei den kleinen Privatstudios auf dem Land“, sagt Sivarajah. „Wer also unbedingt einen Ausbildungsplatz will, der findet auch einen.“

Fitness studieren – das funktioniert ebenfalls. Ähnlich wie bei den dualen Ausbildungen gibt es inzwischen verschiedene duale Studiengänge diverser Hochschulen mit vergleichbaren Inhalten wie in der Ausbildung, aber mit einem zusätzlichen Fokus auf Führungs- und Managementaufgaben. Laut DSSV sind knapp 20 Prozent der Branchenmitarbeiter inzwischen Akademiker.

Und gerade die arbeiten natürlich nicht ihr Leben lang als Trainer. Denn die Gesellschaft wird zwar älter und damit auch die Kundschaft der Freizeitsport-Anbieter. Der Trainerjob bleibt aber trotzdem eher etwas für die Jüngeren, sagt Susanne Anger. „Im kaufmännischen Bereich gehen die Leute aber durchaus auch in Rente.“ Und zumindest für die Trainer mit betrieblicher oder akademischer Ausbildung sollte der Wechsel von der Trainingsfläche ins Büro kein Problem sein – die Befähigung dafür haben sie in ihrer Ausbildung schon eingesammelt.

Ein weiterer möglicher Karriereweg ist der Wechsel vom Studio zu den Herstellern – sei es von Geräten, von Sportausrüstung oder von anderem Zubehör. „Da gibt es einen Austausch mit der Praxis“, sagt Anger. „Denn wenn jemand weiß, wovon er redet, hat das durchaus einen Mehrwert für die Unternehmen.“

Wer sein eigener Chef sein will, kann vielleicht irgendwann ein eigenes Studio haben. Entweder ganz auf eigene Faust, oder alternativ als Franchise-Nehmer der großen Ketten. Denn da ist der Bedarf so groß wie überall in der Branche, sagt Anke Brendt. „Da braucht die Branche junge, gut ausgebildete Leute, die sich was trauen.“

(dpa)
Mehr von Saarbrücker Zeitung