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Fachkraft für Agrarservice verbindet Technik und Natur

Ausbildungsberuf : Arbeiten im Rhythmus der Natur

Fachkräfte für Agrarservice pflegen Pflanzen von der Saat bis zur Ernte. Sie bedienen und warten zudem Maschinen.

Fast jeder hat eine ungefähre Vorstellung davon, wie der Alltag eines Landwirts aussieht. Aber das ist nicht die einzige Ausbildung in der Branche. Was aber Fachkräfte Agrarservice lernen, wissen die wenigsten. Sie pflegen Pflanzen von der Saat bis zur Ernte, behalten Felder und Wiesen im Blick, dazu das Wetter und Umweltbedingungen. Der Arbeitsalltag ist im Sommer anders als im Winter, wie Lars Averbeck sagt. „Im Frühjahr und im Sommer bin ich meist draußen unterwegs, im Winter stehe ich in der Werkstatt und kümmere mich um die Maschinen.“ Gemeint sind Traktoren, Mähdrescher oder Häcksler, PS-starke Großfahrzeuge, die der 17-Jährige im Laufe seiner Ausbildung zu steuern lernt. Averbeck wird beigebracht, die tonnenschweren Landwirtschaftsmaschinen geschickt auf empfindlichen Böden zu manövrieren und lernt, wie sie möglichst wirtschaftlich und umweltverträglich eingesetzt werden können.

Fachkräfte für Agrarservice arbeiten meist im Auftrag von Landwirten, angestellt bei sogenannten landwirtschaftlichen Lohnunternehmen, die Dienstleistungen im ländlichen Raum übernehmen. Averbeck findet die Kombination aus grünen und technischen Elementen gut. Zum einen will er die biologischen Zusammenhänge verstehen, zum anderen begeistert er sich für Maschinen und Technik.

Der 17-Jährige hat gleich nach seinem Realschulabschluss im vergangenen Jahr die dreijährige duale Ausbildung am Standort Dülmen (NRW) der Firma Kemming, einem Fachbetrieb für Agrardienstleistungen, begonnen. Das mittelständische Unternehmen unterstützt Landwirte im Pflanzenbau von der Aussaat bis zur Ernte.

Die Aussaat, die Düngung und die Ernte von Rüben, Kartoffeln, Getreide und Mais verlangt Umsicht von allen Beschäftigten – vom Auszubildenden bis zum Vorgesetzten. Denn ihre Arbeit hat großen Einfluss auf das Ernteergebnis. Da geht es etwa um die Frage nach der richtigen Menge von Nährstoffen, also wie viel und welchen Dünger ein Pflanzenbestand auf einem bestimmten Acker benötigt. „Und wir schauen auch, ob Schädlinge oder Krankheiten auftreten“, erzählt der Azubi. Fachkräfte für Agrarservice lernen grundsätzlich die Bedürfnisse unterschiedlicher Nutzpflanzen kennen und betreuen die Bestände im Einvernehmen mit den Kunden.

Je nach Alter und Geschicklichkeit starten die Azubis mit verhältnismäßig einfachen Arbeiten. Dann werden sie an die Saat von Getreide herangeführt, nach etwa der Hälfte der Ausbildungszeit geht es an die Aussaat von Mais oder Zuckerrüben. Die Ernte, zum Beispiel von Mais oder Getreide, steht erst im dritten Ausbildungsjahr an.

Averbeck muss in Kauf nehmen, dass mancher Arbeitstag im Frühjahr und Sommer länger ausfällt als geplant. Für ihn gehört das zum Beruf: „Wir sind eben trotz der ganzen Technik der Natur ausgesetzt, und die hat ihren eigenen Rhythmus.“ Firmeninhaber Thomas Kemming wünscht sich von den Auszubildenden neben dem Interesse an der Natur und einer Affinität zur Technik auch eine offene Art im Umgang mit Menschen. „Neben der Arbeit auf dem Feld geht es auch darum, kompetent und freundlich mit den Kunden umzugehen“, sagt er.

Der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen zufolge sind die Zukunftsaussichten der Fachkräfte für Agrarservice sehr gut.

(dpa)