Experten für Hopfen und Malz

Experten für Hopfen und Malz

Bier brauen ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Biochemische Prozesse müssen kontrolliert und komplexe Anlagen bedient werden. Für ausgebildete Brauer bieten sich überraschend viele berufliche Perspektiven.

Sein Kölsch kennt Dennis Willsch genau. Ein leichtes, süffiges Bier sei es. Für die zart-blumige Note sorge ein geringer Anteil Weizenmalz im Zusammenspiel mit der obergärigen Hefe. Sechs Wochen dauert es, ehe aus den Zutaten Wasser, Hefe, Gersten- und Weizenmalz sowie Hopfen das Kölsch wird.

Willsch lernt den Beruf des Brauers und Mälzers bei der Brauerei Gebrüder Sünner. Die sitzt in Köln-Kalk und braut Lager-, Weizen- und Malzbier. Und natürlich Kölsch, dieses helle, obergärige Gebräu, das unter dieser Bezeichnung nur in Köln hergestellt werden darf.

Zum Bierbrauen ist Wissen im naturwissenschaftlichen und technischen Bereich nötig. Das seien Schwerpunkte der Ausbildung, sagt Boris von Schaewen. Er unterrichtet am Schulzentrum Rübekamp in Bremen, einer von acht Berufsfachschulen in Deutschland mit Klassen für Brauer. Im Sudhaus, wo die Würze für das Bier produziert wird, sei viel Kontrolle am Bildschirm nötig, erklärt von Schaewen. Parameter wie die Temperatur müssen richtig eingestellt sein, damit die biochemischen Prozesse wie gewünscht ablaufen. Technisches Wissen braucht es etwa im Gärkeller. Dort müssen Schläuche korrekt verbunden und Pumpen bedient werden.

Brauer müssen außerdem viel saubermachen, sagt von Schaewen. Bier ist ein Lebensmittel und Hygiene bei der Produktion deshalb von großer Bedeutung. "Putzen ist fast die wichtigste Aufgabe", betont Willsch. In der Ausbildung steht zunächst die Herstellung von Malz im Fokus. Dann geht es Schritt für Schritt weiter: Maische herstellen, Würze kochen, Gärung steuern, Bier filtrieren, Abfüllung und Verpackung. Die Kenntnisse zu Prozessen wie der Gärung und dem Maischen sind entscheidend, sagt Achim Nieroda vom Deutschen Brauer-Bund. "Man muss zum Beispiel wissen, wie Hefe unter bestimmten Bedingungen reagiert, damit letztlich ein gescheites Bier rauskommt", erklärt der Experte. Das Produkt Bier sei schließlich hochkomplex.

Drei Jahre dauert die Ausbildung. Nach der Lehre können Brauer auch außerhalb der Brauerei arbeiten. Dazu bietet sich etwa eine Weiterbildung zum Lebensmitteltechniker oder Getränketechnologen an. Auch etwas Kaufmännisches kann sinnvoll sein, sagt von Schaewen. "Das bietet sich an, wenn man eine eigene Brauerei eröffnen will." Da ein Großteil der weltweiten Brauereien von deutschen Firmen gebaut wird, seien auch Jobs im Maschinenbau möglich, ergänzt Achim Nieroda. Auch in verwandten Branchen wie der Pharmaindustrie könne man nach der Lehre Fuß fassen.

Noch einmal zurück nach Köln-Kalk mit einer Frage, die Dennis Willsch wahrscheinlich kaum mehr hören kann: Trinken Brauer den ganzen Tag Bier ? Die Antwort lautet natürlich nein. "Bei uns in der Brauerei gilt 0,0 Promille", erklärt der Auszubildende. Das Feierabendbier trinkt Willsch zu Hause. Kaufen muss er es nicht. Jeder Mitarbeiter der Brauerei bekommt monatlich 50 Liter gratis: den Haustrunk.

Zum Thema:

Auf einen Blick Brauer und Mälzer gewinnen aus Getreide Malz und verarbeiten es zusammen mit Wasser, Hopfen und Hefe zu verschiedenen Biersorten. Daneben stellen sie Biermischgetränke und alkoholfreie Erfrischungsgetränke her. Die Ausbildung zum Bierbrauer dauert drei Jahre. Sie findet im Betrieb und in Blöcken in der Berufsschule statt. Die Ausbildungsvergütung liegt nach Angaben der Bundesagentur für Arbei zwischen 400 und 1160 Euro brutto pro Monat, je nach Ausbildungsjahr und Region. Das spätere monatliche Bruttogehalt wird mit 3250 Euro beziffert. Weitere Infos im Internet unter www.brauer-bund.de , www.ang-online.com , www.bgn.de und www.ngg.net hei