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Experten für den perfekten Schliff

Der angehende Graveur Nick Dräger (rechts) im Gespräch mit seinem Ausbilder Niclas Gottfried. Foto: Judith Michaelis/dpa
Der angehende Graveur Nick Dräger (rechts) im Gespräch mit seinem Ausbilder Niclas Gottfried. Foto: Judith Michaelis/dpa FOTO: Judith Michaelis/dpa
Solingen/Hilden. Graveur ist ein alter Handwerksberuf. Viele denken, die Fachleute kümmern sich vor allem um Widmungen in Eheringen. Tatsächlich machen sie aber viel mehr. Sie fertigen etwa Firmenschilder oder Druckvorlagen für Geldscheine. Nun wurde die Ausbildung überarbeitet. dpa-Mitarbeiterin Sabine Meuter

Mit seiner Arbeit setzt er Zeichen. Nick Dräger ist im zweiten Ausbildungsjahr als Graveur. Sein Handwerk lernt er in dem Graviertechnik-Betrieb GSV Gottfried in Solingen in Nordrhein-Westfalen. Er schneidet etwa Schilder zu und graviert dort Bezeichnungen, Kennziffern oder Bildmotive ein. Anschließend werden die Schilder farblich bedruckt.



Graveure arbeiten ganz klassisch mit Hammer, Meißel und dem spitzen Stichel. Daneben gehören computergestützte Programme und Laser zum Alltag. Ganz am Anfang steht das Gespräch mit dem Kunden. Der äußert Wünsche, der Graveur zeigt die Möglichkeiten auf. "Dabei kann sich ein Graveur mit eigenen Ideen einbringen", erzählt der 22-jährige Dräger.

Danach beginnt die eigentliche Arbeit. Ein Unternehmen braucht zum Beispiel neue Firmenschilder mit dem jeweiligen Firmenlogo sowie Name und Adresse des Inhabers. Zunächst scannt der Graveur ein Foto des Logos ein.

Im nächsten Schritt greift der Graveur dann zu Stichel und Meißel und stellt auf Messing ein Relief mit dem Motiv her. "Um diese Arbeit ausführen zu können, sind eine sichere Hand und eine hohe Konzentrationsfähigkeit unerlässlich", erklärt Christoph Matheis vom Zentralverband Oberflächentechnik (ZVO) mit Sitz in Hilden. Er ist auch für den Bundesinnungsverband der Galvaniseure, Graveure und der Metallbildner (BIV) zuständig.

Sobald das Relief fertig ist, programmieren die Fachkräfte eine Graviermaschine. Sie überträgt das jeweilige Motiv spiegelverkehrt auf ein Stahlgesenk. Das Gesenk wird anschließend per Hand nachbearbeitet. Um die Informationen auf dem Firmenschild einzugravieren, nutzen die Fachkräfte etwa Stanzwerkzeuge



Angehende Graveure lernen ihren Beruf drei Jahre. Zum 1. August 2016 wurde die Ausbildungsordnung von 1998 überarbeitet. "Das war nötig, weil sich die Tätigkeiten von Graveuren verändert haben", sagt Margareta Pfeifer vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. Die Materialien sind vielfältiger geworden, die Fachkräfte programmieren Graviermaschinen inzwischen mit dem Computer.

Von angehenden Azubis werden mindestens ein Hauptschulabschluss sowie ein Grundverständnis für technische Zusammenhänge erwartet. Um Entwürfe für Gravierarbeiten anzufertigen, brauchen Bewerber zeichnerische Fähigkeiten. Die Ausbildung machen Jugendliche entweder bei industriellen Werkzeugherstellern oder in handwerklichen Gravierbetrieben. Das Aufgabenspektrum in dem Beruf ist vielseitig: Es reicht von Gravuren auf Medaillen und Pokalen über die Fertigung von Stempeln bis hin zu Druckvorlagen für Geldscheine.

Wer nach der Ausbildung weiterkommen will, kann studieren, zum Beispiel Bildende Künste. Und natürlich können Gesellen sich zum Graveurmeister fortbilden.

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Auf einen Blick Graveure fertigen Stempel, Plaketten und Schilder an, verzieren Gebrauchs- und Dekorationsartikel und gravieren Schmuckstücke oder Pokale. Die Ausbildung dauert drei Jahre, die Ausbildungsvergütung beläuft sich nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit auf 680 bis 760 Euro, je nach Ausbildungsjahr. Das spätere tarifliche Einstiegsgehalt liegt nach Angaben des Zentralverbandes Oberflächentechnik bei 2385 Euro, in Firmen ohne Tarifbindung ist das Gehalt aber oft deutlich niedriger. Weitere Infos im Internet unter www.biv.org , www.bghm.de , www.metallhandwerk.de und www.aegraflex.org . hei