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Beruf
Experimentieren als Tagesgeschäft

Bei ihrer Ausbildung zum Physiklaboranten lernen Azubis wie Christian Klose (rechts) und Alita Tribus (Mitte) von Ausbilderin Antje Oelschläger zunächst die Grundlagen. Danach arbeiten sie aber auch auf eigene Faust. Zum Beispiel an diesem Elektronenmikroskop zur Mikrostrukturanalyse.
Bei ihrer Ausbildung zum Physiklaboranten lernen Azubis wie Christian Klose (rechts) und Alita Tribus (Mitte) von Ausbilderin Antje Oelschläger zunächst die Grundlagen. Danach arbeiten sie aber auch auf eigene Faust. Zum Beispiel an diesem Elektronenmikroskop zur Mikrostrukturanalyse. FOTO: dpa-tmn / Jens-Ulrich Koch
Jena. Wer sich für eine Ausbildung zum Physiklaboranten entscheidet, kann sich über gute Zukunftsaussichten freuen. Von Inga Dreyer

() Christian Klose und die Physik – das war eine Jugendliebe. Schon zur Schulzeit hatte er ein eigenes Teleskop, und nicht nur das: „Ich habe auch viel mit elektrischen Schaltungen herumgespielt und gelötet“, erzählt der 20-Jährige. Nach seinem Realschulabschluss und einem Praktikum entschied sich Klose für eine Ausbildung zum Physiklaboranten am Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik (IOF) in Jena. Physiklaboranten gibt es an Hochschulen, an Forschungsinstituten, aber auch in der Elektro-, Metall-, Chemie- und Keramikindustrie. Ihre Hauptaufgabe sind Experimente, vom ersten bis zum letzten Schritt, wie Stephanie Conein vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn erklärt. Sie bauen also Versuchsanlagen auf, führen Messungen und Experimente durch, sammeln Daten, werten diese aus und erstellen anschließend noch die Dokumentation.


Um diesen Job erledigen zu können, lernen die Azubis zunächst, wie man physikalische Größen und Zusammenhänge prüft beziehungsweise nachweist, erklärt Antje Oelschläger, Physiklaborantin und zuständig für die Ausbildung am Fraunhofer IOF. Sie bearbeiten auch Werkstoffe und lernen neben den elektrischen und elektrotechnischen Grundlagen auch Steuer- und Regelungstechnik kennen. „Es wird nie langweilig“, so die Ausbilderin.

„Im Labor führt man anfangs vor allem Grundlagenexperimente durch“, erzählt Alita Tribus, die wie Christian Klose kurz vor ihrer Abschlussprüfung steht. Auch Tribus hat sich in der Schule für naturwissenschaftliche Experimente interessiert. „Ich hatte Physik als Leistungsfach“, erzählt sie. Nach dem Abitur begann sie ein Studium, merkte aber bald, dass das nicht das Richtige war. „Ich habe mich dann auf das zurückbesonnen, was mir wirklich Spaß macht.“



Eine bestimmte Schulbildung ist nicht vorgeschrieben und auch nicht unbedingt gewünscht. Die mittlere Reife sollte es aber schon sein. „Wir haben Realschüler, Abiturienten und auch Studienerfahrene – die ganze Palette“, sagt die Ausbilderin. Gute Noten in naturwissenschaftlichen Fächern brauchen potenzielle Azubis immer. Wichtig sei auch, dass sie selbstständig arbeiten können und teamfähig sind. Und handwerkliches Geschick ist zum Beispiel beim Löten und beim Aufbau von Experimenten ein Vorteil. Mit deutschlandweit nur 123 neuen Auszubildenden im Jahr 2016 ist der Physiklaborant ein wenig verbreiteter Beruf.

Für die Azubis in Jena bedeutet das zum Beispiel, dass sie für den Blockunterricht an der Berufsschule regelmäßig ins gut 130 Kilometer entfernte Selb in Bayern pendeln müssen. Zum Vergleich: Der Chemielaborant hatte mehr als 1500 neue Auszubildende, berichtet Stephanie Conein. „Obwohl die Ausbildungszahlen gering sind, ist die Nachfrage aber stabil.“ 2016 seien beim Physiklaboranten keine Ausbildungsstellen unbesetzt geblieben, erklärt Paula Risius vom Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung am Institut der deutschen Wirtschaft Köln.

Kein Wunder, denn der Job gilt als sicher. Ausgebildete Physiklaboranten haben viele Karrieremöglichkeiten. „Überall in der Industrie werden Daten erfasst, überprüft und ausgewertet“, sagt Antje Oelschläger. Und oft muss man für den Berufsstart nicht einmal das Unternehmen wechseln: Nach ihren Abschlussprüfungen im Frühjahr haben Tribus und Klose gute Aussichten darauf, am Institut zu bleiben.