Beruflicher Aufstieg: Eine geradlinige Karriereplanung ist nicht mehr zeitgemäß

Beruflicher Aufstieg : Eine geradlinige Karriereplanung ist nicht mehr zeitgemäß

Master mit 23, Führungsrolle mit 30 und Geschäftsführer mit 35: Karriere-Berater halten wenig von solchen Vorhaben und sagen, worauf es ankommt.

(dpa) Ein geradliniger Aufstieg durch die Bildungs- und Führungsebenen ist oft Teil der klassischen Vorstellung von Karriere. Doch lässt sich diese immer nach den eigenen Vorstellungen meißeln? Experten raten beim Berufsweg von rigider Planung ab. Dabei spielten Veränderungen in den Unternehmenskulturen der heutigen Arbeitswelt eine wichtige Rolle. Berufstätige müssten sich bewusst machen, dass Karriere sehr unterschiedlich aufgefasst werden könne und dass der direkte Weg in die Führungsetage nicht das einzige Modell sei, sagt zum Beispiel die Berufsberaterin Stephanie Borgert.

Diese Vorstellung vom linearen Aufstieg werde immer unwahrscheinlicher, da sich auf der Seite der Unternehmen zunehmend neue Formen von Zusammenarbeit und Organisation entwickelten. Auf gemeinsame Wertschöpfung und agile Strukturen werde inzwischen mehr Wert gelegt als auf Einzelerfolge und Hierarchien. Karrierepläne seien eher als Schleifen zu denken, nicht als konstanter Aufstieg.

Für Wirtschaftspsychologin und Business-Coach Eva Schulte-Austum ist Karriere eher der Weg zu einem Ziel, weniger eine Abfolge von festen Stationen. Dieses Ziel müssten Beschäftigte so konkret wie möglich formulieren: Viel Geld zu verdienen – das reiche nicht aus. Vielmehr müsse man sich klar machen: Warum existiert das Ziel? Und welches Motiv verbirgt sich dahinter? Finanzielle Sicherheit, Selbstverwirklichung oder einfach nur die Erfüllung gesellschaftlicher Erwartungshaltungen? Sind es überhaupt die eigenen Motive, die man verfolgt? Aus dem geklärten Warum könne sich dann das Wie ergeben. Dann falle der weitere Weg leichter.

„Vielen wird das Fehlen eines derartigen Ziels aber erst spät in ihrer Laufbahn bewusst“, sagt Schulte-Austum. Oft passiere das, nachdem Ereignisse einen Strich durch die Karriereplanung machen: Enttäuschung über ausbleibende Erfolge oder Beförderungen, schwierige Chefs und Kollegen, Krankheit oder Entfremdung vom Arbeitsplatz, aber auch Veränderungen im familiären Umfeld wie Nachwuchs oder plötzliche Todesfälle. Wie geht es dann weiter?

Schulte-Austum versucht in der Arbeit mit ihren Kunden Ziele und Motive zu konkretisieren und zu stärken. Es bedarf einer tiefgehenden Selbstreflektion, da sind sich die Experten einig, um klare Ziele zu formulieren und Vertrauen in deren Gelingen zu entwickeln.

Der Karriereberater Dieter Krautwald empfiehlt, sich frühzeitig an einem klaren Profil zu orientieren. Für alles offen zu sein, führe bei der Karriereplanung eher selten zum Glück. Bei der Profilierung hilft er darum mit einer Typologie der Karrierekonzepte, die sich an individuellen Präferenzen orientiert.

Während die Einen klassische Karrierevorstellungen von Aufstieg, Einfluss, Macht oder Expertise bevorzugten, fänden sich in anderen Karrierekonzepten öfter die Wünsche jüngerer Leute nach Abwechslung, Selbstverwirklichung, Vernetzung und kurzfristigen Verweildauern wieder, so Krautwald. Wer sich bewusst mache, dass es verschiedene Karrieretypen gebe, der profitiere davon. Am Ende komme es darauf an, ob ein Unternehmen zu den eigenen Vorstellungen passe.

(dpa)
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