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Ausbildung zum Geomatiker
Die Nachfolger der Kartographen

Diese Radwegekarte hat Michael Böhme, Auszubildender zum Geomatiker beim Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation Rheinland-Pfalz, im Rahmen seiner Ausbildung selbst erstellt.
Diese Radwegekarte hat Michael Böhme, Auszubildender zum Geomatiker beim Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation Rheinland-Pfalz, im Rahmen seiner Ausbildung selbst erstellt. FOTO: dpa-tmn / Thomas Frey
Koblenz. Geomatiker verarbeiten geografische Daten zu Karten. Ein mathematisches Verständnis ist dabei unerlässlich. Von Sabine Meuter

(dpa) Dass er später als Geomatiker arbeiten würde, das war Michael Böhme bereits in der Schule klar. Die Fächer Erdkunde und Mathematik hatten es ihm schließlich schon immer angetan. Inzwischen ist der 24-Jährige im dritten Ausbildungsjahr beim Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation Rheinland-Pfalz in Koblenz. Er sammelt und beschafft geografische Daten, die er am PC visualisiert und zu einem Ganzen zusammenführt – als Karte, Plan oder Grafik. „Das Tolle ist, dass man das Erlernte auch privat nutzen kann“, erzählt Böhme. Eine komplizierte Anfahrtsskizze zur Party an einer Grillhütte zu erstellen, das ist für ihn ein Kinderspiel.


Das Berufsbild des Geomatikers ist 2010 entstanden, aus der Neuordnung der bisherigen Ausbildungsberufe Vermessungstechniker und Kartograph. „Das Aufgabengebiet ist vielseitig“, sagt Monika Przybilla. Sie ist Leiterin des Arbeitskreises Beruf in der Gesellschaft für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement (DVW). Im Freien arbeiten Geomatiker aber nur selten, in der Regel sitzen sie im Büro am Computer. Im ersten Ausbildungsjahr gehen die Azubis auch mal vor die Tür, um mit Messinstrumenten etwa die Ausmaße von Straßen oder Baustellen zu bestimmen.

Die bei solchen Messungen gewonnenen Geodaten werten sie dann am Computer aus. Was aktuell nicht gebraucht wird, landet in einer Datenbank – für später: Um etwa eine Straßenkarte zu erstellen, verwenden Geomatiker neben den Vermessungsergebnissen auch Luft- und Satellitenaufnahmen. Wenn die Fachleute nicht selbst vor Ort sind, beschaffen sie sich die nötigen Informationen aus einem Geoportal im Internet.



Die von Geomatikern erstellten Karten und Pläne kommen im Straßenbau und in der Landwirtschaft zum Einsatz, aber auch bei der Feuerwehr. „Auch die Polizei greift etwa bei Ermittlungsverfahren auf die Arbeitsergebnisse von Geomatikern zurück“, erklärt Böhme.

Einen bestimmten Schulabschluss benötigen angehende Geomatiker für die duale Ausbildung nicht. Ein Großteil der Azubis hat nach Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) von 2016 aber mindestens das Fachabitur. Darüber hinaus sollten Bewerber ein Grundverständnis für Geometrie mitbringen, gerne mit moderner Technik arbeiten und eine gute Note in Mathematik haben. „Sorgfalt und Genauigkeit bei der Arbeit sind unabdingbare Voraussetzungen“, betont Przybilla.

Während der dreijährigen Ausbildung lernen angehende Geomatiker unter anderem, welche Daten für Karten und Pläne überhaupt nötig sind, und wie man daraus räumliche Darstellungen erzeugt. Dann muss jede Karte zu den Kundenwünschen passen. Eine Wanderkarte etwa braucht Hinweise auf Einkehrmöglichkeiten. Und Geomatiker befassen sich auch damit, wie sie die passende Schrift für eine Karte auswählen und Abbildungen aufeinander abstimmen. Zur Ausbildung gehört zudem die Pflege von Datenbanken und die Beratung von Kunden.

Später arbeiten Geomatiker beispielsweise in Behörden für Vermessung, in Unternehmen oder in Verlagen für Kartographie. Wer sich beruflich entwickeln möchte, kann sich zum Ingenieur in der Fachrichtung Geodäsie weiterbilden, auch andere Studienfächer wie Kartographie oder Geoinformatik sind denkbar. Der Hochschulabschluss ist Voraussetzung für eine Führungsposition.