Stimmtraining für Berufsalltag: Damit die Stimme im Berufsalltag nicht versagt

Stimmtraining für Berufsalltag : Damit die Stimme im Berufsalltag nicht versagt

Mit einfachen Übungen kann jeder seine Stimme trainieren. Das geht auch ohne großen Zeitaufwand, etwa beim Duschen oder Autofahren.

Damit die Stimme im Berufsalltag und auch über viele Jahre hinweg voll und wohltönend bleibt, ist es sinnvoll, sie regelmäßig zu trainieren. Das Wichtigste ist jedoch, seine Stimme überhaupt zu nutzen. „Heutzutage sprechen die Menschen immer weniger miteinander. Stattdessen schicken sie sich Textnachrichten via Smartphone oder PC“, sagt Prof. Bernhard Richter vom Freiburger Institut für Musikermedizin. Wer seine Stimme wenig einsetze, müsse sich nicht wundern, wenn sie in wichtigen Situationen brüchig und matt klinge.

„Statt sich Nachrichten zu schreiben, sollten man wieder mehr miteinander reden“, meint Richter. So könnten die Beteiligten auch besser aufeinander eingehen. Denn die Stimme sei auch Träger von Emotionen. Permanentes Sprechen sei allerdings auch nicht gut, denn das strapaziere die Stimmlippen sehr stark. Wer berufsbedingt viel spreche, müsse regelmäßig kurze Ruhepausen einlegen.

Singen hat ebenfalls eine positive Wirkung auf die Stimme. „Das Gleiche gilt für das Vor-sich-her-summen“, sagt Richter. Eine praktische Übung bestehe darin, einen tiefen Ton zu summen, ihn dann mehrmals stufenlos über etwa fünf Töne aufwärts und dann abwärts führen. Dies beruhige die Stimme zudem und helle sie auf.

„Die Stimme ist sehr komplex und hat mehrere Funktionen“, sagt die Kölner Logopädin Wiltrud Föcking. „Und je besser wir unsere Stimme kennen, desto besser können wir sie in den verschiedenen Sprechsituationen flexibel einsetzen.“ Eine weitere Übung bestehe darin, einen Ton leise zu beginnen und kräftig werden zu lassen. „Wer seine Stimme modulieren möchte, kann Sirenentöne nachahmen“, erklärt Föcking. Dabei lässt der Übende einen Ton wie eine Sirene im fließenden Wechsel von tief nach hoch gleiten. Indem man beim Sprechen eines gedehnten „F“ zu einem „W“ überleitet, bringt man seine Stimme zum Schwingen. Seine Stimme trainieren kann jeder immer wieder zwischendurch – etwa beim Duschen oder Autofahren.

Häufig ist der Kiefer beim Sprechen sehr angespannt und verhindert, dass die Stimme locker schwingen kann. „Viele haben sogar Schmerzen im Kiefer“, sagt Föcking. Daher öfter mal mit den Händen den Kiefer locker nach unten ausstreichen. „Gut für die Stimme ist, sich zwischendurch immer mal wieder zu strecken, zu gähnen und dabei laut zu seufzen“, sagt die Logopädin.

Ausreichendes Trinken trägt dazu bei, dass die aus Schleimhaut bestehende Oberfläche der Stimmlippen feucht bleibt. Oft heißt es, dass jeder zwei bis drei Liter täglich an Flüssigkeit trinken sollte. „Eine solche Empfehlung kann nicht allgemeingültig sein“, sagt René Gräber, Heilpraktiker in Preetz in Schleswig-Holstein. Er empfiehlt, täglich 15 Milliliter Flüssigkeit pro Kilogramm Körpergewicht zu trinken. „Diese Menge kann dann langsam auf 25 bis 30 Milliliter pro Kilo Körpergewicht gesteigert werden“, sagt Gräber. Gut für die Stimme seien kohlensäurearmes Wasser und Früchtetees – ganz im Gegensatz zu starkem Nikotin- und Alkoholkonsum. Generell gelte: „Wer länger als drei Wochen ununterbrochen heiser ist oder eine brüchige Stimme hat, sollte die Ursache unbedingt durch einen Facharzt abklären lassen“, erklärt Richter. Eine Therapie bei einem Logopäden könne helfen, der Stimme wieder mehr Volumen zu verleihen.

(dpa)
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