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Auswirkungen von Corona auf den Arbeitsmarkt

Ausbildungsplatzsuche : Flexibilität ist stärker gefragt denn je

Die Prognosen für den Arbeitsmarkt sind wenig optimistisch. Gewerkschaften fürchten für den Ausbildungsmarkt einen Einbruch.

() Kurzarbeit, eingeschränkter Betrieb, Einsparungen: Die Corona-Krise trifft den Arbeitsmarkt hart. Sorgen bereitet das auch Schülern, die kurz vor dem Abschluss stehen. Wie sieht es mit ihren Ausbildungsplätzen aus? Wie beeinflusst die Krise die Stellensuche? Müssen sich Jugendliche Sorgen um ihren Ausbildungsplatz 2020 machen?

Für das Ausbildungsjahr, das klassischerweise im September beginnt, haben schon viele Jugendliche einen Ausbildungsvertrag unterschrieben. Der kann sowohl vom Betrieb als auch vom Azubi vorzeitig gelöst werden. „Wenn man das große Ganze betrachtet, ist der Ausbildungsmarkt aber erstmal relativ stabil“, sagt Steffen Hell vom Arbeitgeberservice der Bundesagentur für Arbeit in der Region Berlin-Brandenburg. Hell geht davon aus, dass insbesondere zum Start ins neue Ausbildungsjahr im September der Großteil der Betriebe wieder im Normalbetrieb laufen kann. Es gebe aber durchaus Unterschiede zwischen den Branchen.

Laut Daniel Gimpel von der Jugend des Deutschen Gewerkschaft-Bundes ist es aktuell noch schwer abzuschätzen, wie sich der Ausbildungsmarkt entwickeln wird. „Die Gefahr ist aber durchaus groß, dass es zu einem Einbruch des Angebots und auch Entlassungen kommt“, sagt der Referent für Berufsausbildung. Gegenmaßnahmen seien jetzt gefragt.

In den besonders betroffenen Branchen kann die Ausbildungsplatzsuche entsprechend schwieriger werden. Hell zufolge geben einige Unternehmen der Gastronomie-, Hotel- und Tourismusbranche derzeit an, dass sie ihre Ausbildungstätigkeiten für ein Jahr aussetzen müssen. „Das Stellenangebot für angehende Hotelfachleute etwa ist also durchaus verkleinert.“ Gleiches gelte für die Veranstaltungs- und Kreativbranche.

Auch wenn der Großteil des Ausbildungsmarkts relativ stabil dasteht, gebe es Fälle, in denen Verträge gelöst werden, bestätigt Daniela Wilke, Berufsberaterin bei der Bundesagentur für Arbeit in der Region Berlin-Brandenburg. „Die Jugendlichen können sich in einem solchen Fall bei der zuständigen Jugendberufsagentur melden und zusammen mit den Berufsberatern nach anderen offenen Stellen oder alternativen Berufsbildern suchen.“ Sie rät allen, die bereits einen Vertrag mit einem Ausbildungsbetrieb abgeschlossen haben und besorgt sind, in Kontakt mit dem Unternehmen zu treten. „Man kann ruhig fragen: Bleibt es bei dem, was wir vereinbart haben?“

Ohnehin fragen sich viele Jugendliche, ob sie dieses Jahr überhaupt noch einen Ausbildungsplatz finden. Hell ist da zuversichtlich. Nach seinen Angaben suchen viele kleinere Unternehmen erst im Juni oder Juli aktiv nach Auszubildenden. Aber auch große Unternehmen, etwa Einzelhandelsketten, zeigten sich verstärkt flexibel. „Spätestens jetzt sollte man aber mit der Suche beginnen.“ Generell gelte: Je früher man mit der Suche anfängt, desto besser. „Wir raten den Jugendlichen eigentlich immer, sich spätestens ein Jahr bevor sie aus der Schule kommen, intensiv mit ihren Ausbildungswünschen zu beschäftigen“, betont Wilke.Auch Daniel Gimpel geht davon aus, dass „Ausbildungen wie geplant durchgeführt werden, wo sie angeboten werden“. Es werde zudem viel daran gesetzt, dass aktuell laufende Ausbildungen fortgesetzt werden – auch wenn dafür zum Beispiel Ausbildungspartnerschaften zwischen Betrieben nötig seien.

Doch wie sieht die Situation für Jugendliche mit schlechten Noten aus? „Die Chancen sind nicht radikal schlechter geworden“, lautet Hells Einschätzung. Gerade im Handwek seien bislang auch weiterhin viele Ausbildungsplätze offen. Eine Verknappung des Angebots sieht er etwa in der Tourismusbranche oder auch in der Hotellerie. „Viele Jugendliche, die ein Auslandsjahr geplant hatten, streben jetzt ebenfalls in den Ausbildungsmarkt und interessieren sich auch für diese Bereiche.“ Da hätten Schüler mit Abitur oft bessere Chancen. Die Zensuren seien aber für viele Arbeitgeber gar nicht mehr allein entscheidend, sagt Wilke. Gerade in den Berufen, in denen Azubis stark nachgefragt sind, seien die Unternehmen auch offen, Schüler mit schwächeren Abschlüssen einzustellen.

Etwas kritischer ist Daniel Gimpel: Sollte sich in Zukunft ein Rückgang des Ausbildungsangebots geben, werde es für diejenigen noch schwerer, die einen Hauptschulabschluss haben. Er rät, sich in jedem Fall bei der Bundesagentur für Arbeit zu melden und die Berufsberatung in Anspruch zu nehmen.

Wenn es mit der Wunschausbildung erstmal nicht klappt, müssen Jugendliche nicht aufgeben. „Es gibt immer parallele Wege“, sagt Hell. So können Jugendliche es zunächst mit einer anderen Ausbildung versuchen. „Und wenn ich merke: 2020 wird das alles gar nichts mehr, dann kann ich mir auch das Jahr für einen Zeitpuffer geben.“ Nutzen lasse sich der etwa für ein Freiwilliges Soziales oder Ökologisches Jahr sowie für einen Bundesfreiwilligendienst. Sein Rat: Flexibel agieren und nicht auf eine Option versteifen.

Außerdem biete die Bundesagentur verschiedene berufsvorbereitende Maßnahmen an. „Da können sich Jugendliche dann zum Beispiel erstmal in verschiedenen Branchen ausprobieren“, erklärt Wilke. Der Beraterin zufolge sollten sich Jugendliche auch immer vor Augen führen: „Eine Ausbildung ist nicht der Beruf, den ich die nächsten 40 Jahre ausüben muss.“

(dpa)