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Bewerbungsfoto
Auf den ersten Eindruck kommt es an

Ohne Bewerbungsfoto geht es nicht, sagen Experten – auch wenn es rechtlich gesehen keine Pflicht ist.
Ohne Bewerbungsfoto geht es nicht, sagen Experten – auch wenn es rechtlich gesehen keine Pflicht ist. FOTO: Christin Klose / dpa-tmn
Berlin/Reichenbach. Das Bewerbungsfoto kann die Eintrittskarte für das Vorstellungsgespräch sein. Was gibt es bei der Wahl des passenden Fotos zu beachten?

Beim Bewerbungsfoto scheiden sich die Geister – und manch einer mag bei der Wahl eines passenden Fotos gar verzweifeln. Wie präsentieren sich Jobsuchende am besten? Was kommt überhaupt nicht gut an? Muss das Foto von einem Profi geschossen werden oder kann es auch ein Freund machen?


Was bei Bewerbungsfotos für manche Unternehmen durchaus angemessen ist, wirkt bei anderen schnell übertrieben. Der Hosenanzug oder das Hemd mit Krawatte sind nicht immer das passende Outfit. Wer sich zum Beispiel bei einer Werbeagentur oder um andere Jobs in der Kreativbranche bewirbt, der könne neben einem lässigen Outfit ruhig auch einen ungewöhnlichen Bildausschnitt wählen, erklärt die Buchautorin Judith Engst, die einen Ratgeber zum Thema geschrieben hat. Bei Banken hingegen sei nach wie vor konservative Kleidung gefragt.

Kann das Bewerbungsfoto nicht einfach weggelassen werden? Rechtlich gesehen sind Bewerbungsfotos inzwischen nicht mehr erforderlich. Denn seit 2006 gilt in Deutschland das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Es soll verhindern, dass Menschen bei der Einstellung diskriminiert werden – beispielsweise aufgrund ihrer Herkunft, ihres Geschlechts oder ihres Alters. „Die gesetzliche Lage sieht vor, dass die Auswahl nur auf fachlicher Qualifikation beruhen darf“, erklärt Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht und Sozialrecht. Ein Foto ist daher kein Muss.

In der Praxis sei es allerdings schwierig, eine Diskriminierung aufgrund eines Fotos nachzuweisen. „Dazu gibt es bisher keinerlei Rechtsprechung“, sagt die Anwältin. Und die meisten Personalarbeiter wollen noch immer ein Foto sehen – weil sie wissen wollen, mit wem sie es zu tun haben, wie Judith Engst erklärt.

Zumindest ist das in Deutschland so. In den USA hingegen werden schon länger anonyme Bewerbungsverfahren verwendet, erklärt Bernd Blessin aus dem Präsidium des Bundesverbands der Personalmanager (BPM). Große Unternehmen, die international agieren, wenden diese Methoden zunehmend auch in Deutschland an. Dabei geht es vor allem darum, Klagen wegen Diskriminierung zu vermeiden. „Aber ich glaube nicht, dass der Trend in dieser Breite auch hier ankommen wird.“



Der Bewerbungs- und Karriereberater Jürgen Hesse bezeichnet das Foto sogar als den wichtigsten Teil einer schriftlichen Bewerbung – auch wenn das vielen nicht bewusst sei. Dabei könne ein sympathisches Bild den Ausschlag für die Einladung zum Gespräch geben, wenn man dadurch aus der Reihe der vielen qualifizierten Bewerber hervorsticht.

Bernd Blessin kennt das aus der Praxis: Er hat unter anderem bei Coca-Cola und Gerling als Personaler gearbeitet und leitet nun das Personalmanagement bei der Vereinigten Postversicherung (VPV). Wenn jemand mit Tirolerhut auf einem Urlaubsbild posiere, sei es schwer, sich von einem solchen Eindruck freizumachen. „Ich habe deswegen schon ganz früh die Entscheidung getroffen, dass ich mir das Bewerbungsfoto als Allerletztes anschaue.“ Trotzdem gehöre für ihn ein Foto zu einer Bewerbung einfach dazu – um den Gesamteindruck abzurunden.

Dafür gibt es auch sachliche Gründe: Unternehmen erwarten von Bewerbern, dass sie sich mit dem Arbeitgeber und der Stelle beschäftigt haben. Ob sie das getan haben, zeigt sich auch in einem passenden Foto. Ein breites Grinsen sei bei Bestattungsunternehmen beispielsweise fehl am Platz, erklärt der Karriereberater Jürgen Hesse. Er rät dazu, immer mehrere Fotos zu schießen und Freunde oder Familie zu fragen, welches sie am besten fänden. Vor allem Schwarz-Weiß-Fotos hätten eine gute Wirkung.

Solche Bilder könne auch ein talentierter Laie aufnehmen, findet Hesse. Die Wirtschafts- und Finanzexpertin Judith Engst hingegen rät zum Besuch beim Profi – schon allein wegen der Beleuchtung: „Bei einem Fotografen kommen einfach die besten Bilder heraus.“ Vom Format her sollte das Foto etwas größer als ein Passbild sein – und gerne auch quer oder quadratisch. Ein weiterer Trend sei, dass auch etwas vom Hintergrund auf dem Bild erkennbar ist. Die Fotos könnten in einer Umgebung aufgenommen werden, die etwas über den Bewerber aussagt: am Fenster, im Büro, in der Werkstatt, im Labor oder in der Natur. Wichtig sei aber, das Bild in hoher Qualität auszudrucken, empfiehlt Judith Engst.

Bei E-Mail-Bewerbungen ist zudem wichtig, keine zu großen Dateien zu versenden, erklärt Engst. Sie rät, keine Anhänge zu verschicken, die größer als fünf oder sechs Megabyte sind. Jürgen Hesse empfiehlt außerdem, auf jeden Fall ein aktuelles Bild zu schicken. Auch wenn man sich selbst vor zehn Jahren noch hübscher fand: „Man sollte beim Bewerbungsgespräch keine Enttäuschung provozieren.“