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Raumfahrt
Aus der Traum vom Weltraum-Taxi

Er sieht aus wie ein Space Shuttle, ist aber deutlich kleiner. Neun Meter lang ist der Dream Chaser, die von der US-Firma Sierra Nevada Corporation gebaute Mini-Raumfähre. Sie wurde eigentlich für den Transport von Astronauten entwickelt und soll jetzt als Lastentransporter genutzt werden.
Er sieht aus wie ein Space Shuttle, ist aber deutlich kleiner. Neun Meter lang ist der Dream Chaser, die von der US-Firma Sierra Nevada Corporation gebaute Mini-Raumfähre. Sie wurde eigentlich für den Transport von Astronauten entwickelt und soll jetzt als Lastentransporter genutzt werden. FOTO: SNC
Sparks. Die Nasa will die neue Mini-Raumfähre „Dream Chaser“ trotz eines erfolgreichen Tests nur als Lastentransporter nutzen. Von Uwe Seidenfaden

Das kurze Video, das die US-Raumfahrtfirma Sierra Nevada Corporation (SNC) vor kurzem  veröffentlicht hat, erinnert an die Zeit des Space Shuttles. Der Raumgleiter Dream Chaser (zu Deutsch etwa „Traumjäger“) segelt vom Himmel wie eine Raumfähre herab und setzt sicher auf der Rollbahn 22L des Armstrong-Forschungszentrums der Nasa in der kalifornischen Mojave-Wüste auf. Damit enden aber auch die Ähnlichkeiten. Denn im Dream Chaser saß  kein Astronaut. Der Autopilot führte bei der Landung das Steuer. Und die Mini-Raumfähre kehrte auch nicht aus dem All zurück, sondern absolvierte ihren rasanten Sinkflug aus nur 3750 Metern Höhe, wo sie von einem Hubschrauber ausgeklinkt worden war. Immerhin: Das Mini-Shuttle habe bei diesem Versuchsflug alle Erwartungen erfüllt, erklärte Testleiter Mark Sirangelo.


Seit über einem Jahrzehnt sind die USA nun abhängig von Russland bei der Beförderung von Astronauten ins All, und so bald wird sich daran auch nichts ändern. Nach zwei katastrophalen Unfällen hat die Nasa im Jahr 2011 alle Flüge mit ihren Space Shuttles eingestellt. Seither sucht sie  Ersatz. Unter den Optionen war  auch eine Miniatur-Raumfähre, an der sie und die US-Luftwaffe bereits seit den 1960er Jahren arbeiteten. Mit einer Länge von fast neun Metern und mit Stummelflügeln von nur sieben Metern ähnelt der Dream Chaser jedoch eher einer Fliege als einem Albatros. Die ursprünglichen Pläne sahen den wiederverwendbaren Raumgleiter als eine Art Weltraum-Taxi oder als Rettungsraumschiff für maximal sieben Astronauten vor. Die Flugeigenschaften des alsbald Dream Chaser getauften Fluggeräts wurden erstmals am 26. Oktober 2013 über der Mojave-Wüste getestet.

Ein riesiger Chinook-Transporthubschrauber hievte die  zehn Tonnen schwere Raumfähre in drei Kilometer Höhe. Mit einer Geschwindigkeit von über 500 km/h segelte sie zu Boden und setzte auch präzise auf der Rollbahn auf. Doch dann geschah etwas, womit niemand gerechnet hatte. Das linke Fahrwerk, das von einem F-5E Kampfjet stammt, knickte ein. Im November 2014 stoppte die Nasa die Finanzierung des Dream Chaser als Astronautentransporter. Sie setzt seither wieder auf den Bau bemannter Raumkapseln. Als unbemannten, wiederverwendbaren Raumtransporter will die Nasa die weitere Entwicklung des Dream Chaser allerdings bis zum Jahr 2024 weiter fördern. Eine Milliarde US-Dollar seien dafür vorgesehen, berichtete jüngst die Fachzeitschrift „Aviation Week and Space Technology“.



Der erste von mindestens sechs Weltraumeinsätzen ist ab dem Jahr 2020 geplant. Dann soll der Transporter an der Spitze einer Atlas-V-Trägerrakete in Cape Canaveral abheben. Die ersten beiden Start­aufträge haben SNC und die United Launch Alliance bereits unterzeichnet. Durch den Verzicht auf Lebenserhaltungssysteme und Passagierkabine gewinnt der  Dream Chaser Transportkapazität. Er soll über fünf Tonnen Nutzlast zur Internationalen Raumstation bringen können und mit fast drei Tonnen Forschungsgütern zur Erde zurückkehren. Landen kann er auf dem ehemaligen Shuttle-Flughafen in Cape Canaveral. Im Notfall könnte ein Dream Chaser aber auch auf jedem anderen Flughafen der Erde automatisch niedergehen, der aus dem Erdorbit erreichbar ist und eine mindestens drei Kilometer lange Rollbahn besitzt.

Praktisch unbekannt ist, dass dieses Mini-Shuttle einen kleinen Bruder  hat, der bereits im All unterwegs ist. Im Auftrag der US-Luftwaffe entwickelte das Unternehmen Boeing Ende der 1990er Jahre eine unbemannte Mini-Raumfähre unter der Bezeichnung X-37B. Davon gibt es heute zwei Exemplare, die bereits viermal im All waren. Die jüngste Mission begann im vergangenen September und dauert noch an. Während die Missionen der  X-37B-Raumfähren strengster Geheimhaltung unterliegen, wirbt das Unternehmen SNC um kommerzielle Partner für den Dream Chaser. Dazu gehörte in der Vergangenheit Europas Weltraumorganisation Esa. Sie hat  aber hauptsächlich Interesse an einer Raumfähre für Astronauten. SNC schließt für die Zukunft eine bemannte Version des Traumjägers nicht aus. Doch dafür  würden Entwicklungskosten von mehreren Milliarden US-Dollar anfallen.

Der Dream Chaser wird von einem Autopiloten gesteuert. Dieses Foto zeigt das Fluggerät nach seinem erfolgreichen Testflug bei der Landung.
Der Dream Chaser wird von einem Autopiloten gesteuert. Dieses Foto zeigt das Fluggerät nach seinem erfolgreichen Testflug bei der Landung. FOTO: NASA/Ken Ulbrich