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SZ-Sommerserie: Zehn tolle Orte der Römer und Kelten in der Großregion

Sommerserie „Am schönsten ist’s daheim!“ : Zehn tolle Orte der Römer und Kelten

Menschen, die frenetisch jubelten, wenn Christen wilden Tieren vorgeworfen wurden, Menschen, die Götter mit Münzopfern gnädig stimmen wollten, Menschen, die ihre Städte mit allen Mitteln verteidigten. Die Großregion steckt voll abenteuerlicher Geschichte. In der Sommerserie „Am schönsten ist’s daheim!“ stellen wir heute die zehn spannendsten Orte vor, an denen Kelten und Römer wirkten.

1. Amphitheater Trier: Bis zu 18 000 Menschen konnten vor rund 1800 Jahren im Amphitheater verfolgen, wie morgens exotische Tiere aufeinander losgingen, mittags Christen unbewaffnet gegen Bären oder Löwen kämpfen mussten, ehe abends dann – wie aus dem Nichts – die Stars mit einer Hebebühne aus dem Untergrund in der Arena auftauchten: die Gladiatoren. Die Stimmung war wohl noch etwas aufgeheizter als heute bei spannenden Fußballspielen. Doch genau wie heute wurden massenweise Fanartikel und Souvenirs verkauft, die lange an das blutige Spektakel erinnern würden: Öllämpchen mit Kämpfern oder Tonstatuetten. Noch immer ist die im zweiten Jahrhundert fertiggestellte Arena sehr gut erhalten. Gänsehaut ist garantiert, wenn man sich beim Streifzug durch Keller, Tierkäfige und Tribünen vor Augen führt, wie viel Blut hier vergossen wurde.

Geheimtipp: Wer wissen will, wie Gladiatoren lebten, sollte die Erlebnisführung „Der Gladiator Valerius“ buchen.

Infos: www.trier-info.de

2. Archäologiepark Belginum: Tief in die Geschichte von Kelten und Römern eintauchen kann man im Archäologiepark Belginum bei Morbach. Er beleuchtet das Leben in einer keltisch-römischen Siedlung, die von 400 vor bis 400 nach Christus bewohnt war. Vor Ort fanden sich die Reste eines keltisch-römischen Gräberfelds mit 2500 Grabstätten, dessen Erforschung wertvolle Erkenntnisse über das Leben der Menschen in jener Zeit lieferte. Auch ein frührömerzeitliches Militärlager sowie keltische Kult- und römische Tempelbezirke gehörten zum „vicus belginum“. Eine Ausstellung im Museum erläutert, wie das Leben in der Siedlung aussah, die stark von der belebten Fernstraße zwischen Trier und  Mainz geprägt war. Auch Fragen wie: Was aßen die Römer oder wie funktionierte die Wasserversorgung werden anhand von Originalfunden erläutert.

Infos: www.belginum.de

3. Villa Echternach: Am Rande Echternachs liegt eine der größten römischen Landvillen nördlich der Alpen. 1975 wurden ihre Reste aus dem 3. Jahrhundert bei Ausgrabungsarbeiten für den benachbarten See entdeckt. Das rund 120 mal 60 Meter große Haupthaus verfügte allein im Erdgeschoss über 70 Räume, denen es mit Marmorwänden und Mosaikfußböden an keinem Luxus mangelte. Auch rund zehn Wirtschaftsgebäude, Keller, Innenhöfe und ein Wasserbecken gehörten zu dem riesigen Komplex,  über den ein Infozentrum anschaulich Auskunft gibt. Dort sind auch Szenen aus dem Alltag einer gallo-römischen Familie mit lebensechten Figuren dargestellt.

Tipp: Echternach ist mit seinen mittelalterlichen Gassen, der gut erhaltenen Stadtmauer, dem hübschen Marktplatz und der Basilika ein tolles Ausflugsziel! Wer ein Hüngerchen verspürt: Wie wäre es mit einer Paté Riesling?

Infos: www.visitluxembourg.com

4. Tempelbezirk Tawern: Man muss nicht nach Italien reisen, um richtige gallo-römische Tempel zu sehen. Ein Waldspaziergang in der Nähe von Tawern tut’s auch. 1986 und 1987 wurde die aus mehreren kleinen und größeren Tempeln bestehende Anlage unter Leitung des Rheinischen Landesmuseums ausgegraben und teils rekonstruiert. Vom  Metzenberg aus bietet und bot sich ein schöner Blick auf Trier – und Reisende, die aus Metz oder dem fernen Rom kamen, brachten hier dem Gott Merkur Opfer da. Er  galt als Führer auf Wegen und Straßen und war auch Schutzgott des Handels. Auch die keltische Pferdegöttin Epona wurde in Tawern verehrt.

Rund 1800 geopferte Münzen fand man im Tempelbezirk.  Nur relativ wenige davon – 30 bis 40 Prozent – wurden in der Region geprägt. Die ältesten stammen aus der Keltenzeit.

Die Anlage im Wald südlich des Ortes ist frei zugänglich.

Infos: www.roemisches-tawern.de

5. Kasematten Luxemburg: Stimmt! Weder die Kelten noch die Römer schufen die Luxemburger Kasematten, die die beeindruckend steilen Sandsteinfelsen, auf denen die Altstadt thront, durchlöchern wie ein Schweizer Käse. Sehenswert sind die in den Felsen gehauenen Höhlen und Gänge aber allemal. Und Unesco Weltkulturerbe obendrein. Ab 1644 wurden sie zu Verteidigungszwecken angelegt und später ließ der französische Festungsbauer Vauban sie weiter ausbauen. Insgesamt waren sie damals 23 Kilometer lang und erstreckten sich über mehrere Etagen. 1200 Soldaten mit 50 Kanonen waren alleine in den Bock-Kasematten stationiert. Ein gigantisches Festungswerk! Und eine der größten Sehenswürdigkeiten des Landes.

Infos: www.visitluxembourg.com

6. Ringwall Otzenhausen: Früher sollte der keltische Ringwall in Otzenhausen abschrecken, heute wirkt er anziehend. 2,5 Kilometer Länge, eine Höhe von bis zu zehn Metern und eine Basisbreite von mehr als 40 Metern machen das Bollwerk am Hang des Dollbergs zu einem der größten keltischen Bodendenkmäler überhaupt.

Kurios: Der im Volksmund „Hunnenring“ genannte, gigantische Geröllheimer sollte mitnichten Attilas wilde Horden fernhalten. Der Name leitet sich vielmehr von Hunnich (keltisch für König) oder Hüne ab – oder von der Lage am Tor zum Hunsrück.

Für Kinder: Welten der Kelten! Am Fuße des Rings entsteht der Keltenpark, wo ein authentisch rekonstruiertes Dorf auf kleine Eroberer wartet; auch ein Skulpturenpfad will entdeckt werden.

Infos: www.keltenpark-otzenhausen.de

7. Fürstinnengrab Reinheim: Wie Frau sich bettet, so liegt sie – in einem monumentalen Hügelgrab, mit kostbaren Beigaben wie meisterlichem Goldschmuck, einer filigran verzierten Bronzekanne und weiteren Kleinodien. Das Fürstinnengrab in Reinheim wurde in den 1950er Jahren entdeckt. Heute gilt die in die Frühlatène-Zeit um 370 vor Christus datierte Entdeckung als einer der bedeutendsten Grabfunde aus keltischer Zeit in Mitteleuropa.

Geheimtipp: Der 1999 rekonstruierte Buckel ist begehbar und erlaubt einen Blick in die Grabkammer. Drumherum wächst ein Archäologiepark ohne Grenzen, wo auf deutscher Seite Überbleibsel einer römischen Villa zu bewundern sind und auf französischer eine gallo-römische Siedlung inklusive Thermen freigeschaufelt wird.

Für Kinder: Trotz Grabesruhe – dank Mosaiken-Legen, römischen Spielen und einer Kelten- und Römerrallye dürfte hier niemandem sterbenslangweilig werden!

Infos: www.europaeischer-kulturpark.de

8. Mosaik von Vichten: Bei landwirtschaftlichen Terrassierungsarbeiten in Vichten wurde 1994 eine große, gallo-römische Villa ausgebuddelt. Deren Foyer zierte auf stattlichen 61,3 Quadratmetern ein prachtvolles, vorzüglich erhaltenes polychromes Mosaik. Bei genauerem Hinsehen im Luxemburger Nationalmuseum für Geschichte und Kunst erkennt man, dass der philosophisch und literarisch bewanderte Auftraggeber im wahrsten Sinne des Wortes von mehr als nur einer Muse geküsst worden sein muss. Zu sehen ist der griechische Dichter Homer mit den neun Musen, exakt in der Reihenfolge, die der griechische Dichter Hesiod um 700 vor Christus festgelegt hatte.

Für Kinder: Die lachen sich ins Fäustchen, wenn ihre Eltern bei Fragen nach Klio, Euterpe, Thalia, Melpomene, Terpsichore, Erato, Polyhymnia, Urania und Kalliope ins Schwitzen geraten.

Infos: www.collections.mnha.lu

 61,3 Quadratmeter groß und vorzüglich erhalten: das Mosaik von Vichten.
61,3 Quadratmeter groß und vorzüglich erhalten: das Mosaik von Vichten. Foto: Tom Lucas

9. Römische Villa Perl-Borg: Wie mag privilegiertes Leben in der SaarLorLux-Region vor 2000 Jahren ausgesehen haben? In der Römischen Villa in Perl-Borg kann man sich einen Geschmack davon holen – und das nicht nur in der Taverne, die ihre Gäste mit lukullischen Gaumenfreuden nach Rezepten des Gourmets Apicius und appetitlichen Wandbemalungen verwöhnt. Das prächtige Herrenhaus birgt archäologische Schätze, in der luxuriösen Villentherme wird exklusive Badekultur erlebbar, und in den gepflegten Gärten lässt es sich nach all den Sinnenfreuden herrlich lustwandeln.

Für Kinder: Kater Romulus ist ratlos – alleine wird er der dreisten Nagerbande nicht Herr in der Villa. Kannst du Romulus bei der Mäusejagd helfen? Am Ende der Familientour winkt eine Belohnung!

Infos: www.villa-borg.de

10. Amphitheater Grand: Das gallo-römische Amphitheater im Département Vogesen ist ein Mekka für Geschichtskundler und Dramenqueens! Es liegt in Grand, nur 23 Kilometer von Jeanne d‘Arcs Heimatörtchen Domrémy-la-Pucelle entfernt. Seine 148 Meter lange Hauptachse machte das Amphitheater seinerzeit zu einem der imposantesten Unterhaltungsdenkmäler des Römischen Reiches. Das zugehörige Museum der einst 70 Hektar großen Siedlung birgt ein 232 Quadratmeter großes Mosaik. Es zierte den Mittelteil einer antiken Basilika, deren Fundamente nebst Resten der Stadtmauer noch zu sehen sind.

Für Kinder: Entlang der verwunschenen Süntelbuchen in Sionne geht’s nach Domrémy. Dort kann man verfolgen, wie ein kleines Mädchen zur Märtyrerin wurde – eine eher zweifelhafte Karriere.

Infos: www.tourismus-lothringen.de

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