1. SZ-Serien
  2. Sommerserie: Am schönsten ist’s daheim

SZ-Sommerserie: Die zehn schönsten Kirchen und Kapellen der Großregion

Sommerserie „Am schönsten ist’s daheim!“ : Die zehn schönsten Kirchen und Kapellen

Sie wurden von Star-Architekten erbaut für Könige, heilige Sandalen und Fliesenfabrikanten. Mal dramatisch am Fels, mal idyllisch am See. Und jede einzelne ist eine Reise Wert. In unserer großen Sommerserie „Am schönsten ist’s daheim!“ stellen wir zehn Kirchen und Kapellen vor, die man gesehen haben muss.

1. Trierer Dom und Liebfrauenkirche: Um dem Trubel Triers mal kurz zu entkommen, gibt es keinen besseren Ort als den Dom. Die mächtigen Mauern der ältesten Bischofs-Kirche Deutschlands schließen die Hektik des Alltags aus. Und so lassen sich auch Trierer immer wieder gerne überwältigen von den Dimensionen und der Geschichte ihres Gotteshauses, das auf den Resten eines römischen Palastes erbaut wurde und wo Christen schon seit 1700 Jahren beten. Alle Epochen der Kunstgeschichte sind auf engstem Raum vereint. Genau wie die Liebfrauenkirche nebenan – die älteste gotische Kirche in Deutschland – ist der Dom Unesco-Weltkulturerbe.

Für Kinder: Erst über den legendären Domstein rutschen, dann im Dom nach Tieren suchen. Füchse, Vögel, Pferde, Drachen und Schlangen sind hier versteckt. Im Kreuzgang auch Mäuse (darunter an einem Kapitell eine winzige Computermaus).

Für Pilger: Der Trierer Dom hortet nicht nur einen heiligen Nagel und den Kopf der Heiligen Helena, sondern auch den Heiligen Rock.

Geheimtipp: Wer eintauchen möchte in das Leben der ersten Christen, die sich im römischen Trier zunächst heimlich treffen mussten, sollte die Ausgrabung unter der Dominformation besuchen.

Infos: www.dominformation.de

2. Wallfahrtskirche Klausen: Um diesen wunderlichen Ort voll spitzenumwickelter Märtyrerknochen und riesiger Pilgerkerzen ranken sich viele Sagen. Eine Hauptrolle spielt dabei der Tagelöhner Eberhard. Nachdem er eine Vision hatte, baute er 1442 eine Klause und wie das damals so war, geschahen dort allerlei Wunder. Das sprach sich rum. Eine größere Kapelle musste her, ehe der Trierer Erzbischof in Klausen dann ein Kloster gründete. Bis heute ist die Wallfahrtskirche „Mariä Heimsuchung“ jährlich das Ziel von 100 000 Pilgern. Mehr als 800 Wunder sollen in Klausen geschehen sein.

Geheimtipp: Frauen, die den Mann fürs Leben suchen, holen sich in der Kirche seit Jahrhunderten Hilfe beim Kommholmich. Einfach an die Pluderhose greifen. Und zwar sieben Mal. Das soll helfen. Man findet ihn auf einer Grabplatte, die gleich neben dem Hauptportal hängt.

Infos: www.klausen.de

3. Klause Kastel: Wer schon die Kirche von Kastel-Stadt außergewöhnlich schön fand, das römische Theater sowie den Ausblick und sich fragt: Soll ich jetzt wirklich Eintritt zahlen, um die Klause zu sehen – die Antwort lautet: Unbedingt! Dort, wo das bewaldete Sandsteinplateau steil zur Saar abfällt, wartet eine überraschende Entdeckungstour. Im frühen 17. Jahrhundert baute ein Mönch hier eine Kapelle in den Fels. Später wurde der berühmte Architekt Karl Friedrich Schinkel beauftragt, eine Grabkapelle für den böhmischen König Johann den Blinden zu bauen.

Nach einem kleinen Waldspaziergang stößt der Besucher auf mittelalterliche Felsenkammern und eine Nachbildung des „Heiligen Grabes“, ehe er zur Kapelle gelangt, die wie ein Adlerhorst dramatisch am Felsen klebt. Das Ensemble zwischen Wald, Felsen und Himmel ist ein Höhepunkt deutscher Romantik.

Tipp für Sportliche und Felsenfans: Der rund neun Kilometer lange Kasteler Felsenpfad lädt auf dem Altfels zu einer kleinen Kletterpartie ein.

 Hoch überm Saartal thront die Klause Kastel.
Hoch überm Saartal thront die Klause Kastel. Foto: TV/Foto: Katharina de Mos

4. Sankt-Salvator-Basilika Prüm: Lange, bevor das Bistum Trier sich rühmte, den Rock Christi zu besitzen, hatte Prüm die Sandalen des Erlösers. Oder genauer: die Überreste eines reich verzierten Pantoffels aus der Merowingerzeit, in den Teile der Sandalen Christi eingearbeitet worden sein sollen. Wie auch immer: eine der bedeutendsten Reliquien des Mittelalters, die der Abtei Prüm eine herausragende Bedeutung verlieh. Kein Geringerer als Karl der Große ließ die erste Salvatorkirche für die Reliquie erbauen. So kostbar ausgestattet, dass sie „Goldene Kirche“ genannt wurde. Nachdem diese mehrfach zerstört wurde, gab der Trierer Kurfürst (inzwischen hatte der Rock den Sandalen den Rang abgelaufen) im Jahre 1721 den Wiederaufbau der Salvatorkirche in Auftrag. Sehenswert sind der barocke Hochaltar, das Kaisergrab Kaiser Lothars, des Enkels von Karl dem Großen und natürlich die Sandalen.

5. Maria Laach: Die zwischen 1093 und 1216 erbaute Abtei Maria Laach gilt als eines der vollkommensten Bauwerke der deutschen Romanik. Weiße Steine, unterbrochen von ebenmäßigen Reihen schwarzer Steine, Bögen, Türme, Symmetrie. Schlichtes Ebenmaß und nirgends ein Anbau aus späterer Zeit. Nur im Kleinen gibt sich die Kirche verspielt: Von den Kapitellen des Kreuzgangs blicken fantastische Kreaturen auf die Besucher herab. Und in der Apsis funkelt das Antlitz Jesu in tausenden vergoldeten Mosaiksteinchen. Als wäre diese Abtei nicht schon genug Grund für eine Reise, liegt sie auch noch idyllisch am Laacher See. Einem wassergefüllten Einbruchskrater, der in der Uferzone noch immer vulkanisch blubbert.

Geheimtipp: Nordwestlich von Mayen liegt das hübsche Schloss Bürresheim. Genau wie Burg Eltz ist es nie zerstört worden.

Infos: www.maria-laach.de

 Maria Laach.
Maria Laach. Foto: hammermann katharina

6. Stiftskirche St. Arnual: Die Saarbrücker Kirche mit dem Grab Elisabeths von Lothringen ist eines der bedeutendsten Baudenkmäler im Südwesten. 1456 bestimmte die literarisch ambitionierte Gräfin die gotische Stiftskirche St. Arnual als Grablege für sich und die gräfliche Familie von Nassau-Saarbrücken. Weniger gruselig ist die barocke Turmhaube, die Friedrich Joachim Stengel der dreischiffigen Basilika 1746 überstülpte.

Geheimtipp: Seit Jahren bietet die Stiftskirche den Saarbücker „BACHkantaten“ ein Zuhause, und gelegentlich schwingt sich Kantor Jörg Abbing auch zur Live-Begleitung alter Stummfilme an Orgelregister und Tasten. Während sein Musikhochschul-Kollege Georg Grün die Chorkonzerte des altehrwürdigen Gemäuers kuratiert.

Für Kinder: Wie wär‘s mit Stehpaddeln oder Kanufahren auf der Saar, einem Abstecher zur heiligen Mithras-Grotte am Halberg oder einem Besuch im höchst lebendigen Theater Überzwerg?

Infos: www.urlaub.saarland

7. St. Joseph Mettlach: Die Privatkapelle der Familie Boch-Galhau wurde ursprünglich 1864 von Céphalie Thierry als Gedächtniskapelle für ihren Mann in Auftrag gegeben. Doch das in Wallerfangen nach dem Vorbild der gotischen Sainte-Chapelle in Paris errichtete Gotteshaus diente auch den borromäischen Ordensschwestern der nahen Krankenanstalt. Dann wurde das Spital verlegt – und Ernest Villeroy, der Erbe des Sakralbaus, überredete Onkel und Tante (Ernst und Octavie von Boch, geborene Villeroy), St. Joseph 1879 ebenfalls zu verlagern – nach Mettlach, wo es als Familienkapelle neu errichtet und – Ehrensache! – mit kostbaren Mosaiken, Fliesen und Terrakotten verziert wurde.

Für Kinder: Der Park der Alten Abtei mit V&B-Erlebniszentrum bietet eine Zeitreise vom Barock bis heute. Und die Clœuf mit Baumwipfelpfad ist gleich um die nächste Saarschleife!

Infos: www.villeroyboch-group.com

8. St. Agatha Brotdorf und Maria Magdalena Merchingen: Nicht genug, dass Clemens Holzmeister in Salzburg neben dem „Haus für Mozart“ noch ein zweites (und größeres!) Opern- und Konzerthaus errichtete. Nein, der äußerst langlebige Österreicher (1886–1983) baute im Saarland gleich zwei Gotteshäuser: Der nach ihm benannte, 16,5 Kilometer lange „Clemens-Holzmeister-Weg“ verbindet die beiden Kirchen „Maria Magdalena“ in Brotdorf und „St. Agatha“ in Merchingen. Wenn das Wolferl das wüsst‘, er würde glatt die Nockerln kriegen!

Geheimtipp: Nach dem Start in Brotdorf geht es durch Wälder, Felder und Wiesen hoch zum Galgenberg und hinab nach Merchingen. Die dort zu besichtigende Pfarrkirche St. Agatha gilt als richtungsweisend für die modernere Kirchenarchitektur im deutschsprachigen Raum.

Für Kinder: Wer noch keine Blasen an den Füßen hat, kann sich im Stadtgebiet Merzig auf 25 weiteren Rundwanderwegen auspowern – oder im Wolfspark Freund Isegrim besuchen.

Infos: www.merzig.de

9. Schinkelkirche Bischmisheim: Originelle Geometrie erfreut sich auch unter den Architekten von Sakralbauten großer Beliebtheit. Was dem einen die Rotunde, ist dem anderen das Oktagon: Für Bischmisheim kreierte kein Geringerer als Karl Friedrich Schinkel, Liebling des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm IV. und wohl bedeutendster deutscher Baumeister des 19. Jahrhunderts, eine achteckige Kirche. Es sollte jedoch mehr als 100 Jahre dauern, bis die Gemeinde dieses herausragende und denkmalgeschützte Werk des südwestlichen Neo-Klassizismus zu schätzen wusste.

Geheimtipp: Der als Idealbild einer evangelischen Dorfkirche 1822 bis 1824 errichtete Sandsteinbau gehört seit Jahrzehnten zu den Stamm-Spielstätten der „Saarbrücker Sommermusik“ – die famose Akustik ist ebenso bemerkenswert wie die ästhetisch wohltemperierte Architektur. Visuell besonders spektakulär wird’s, wenn die Fenster farblich illuminiert werden.

Infos: www.bischmisheim.de

 Aufgrund ihrer wunderbaren Akustik wird die kleine Kirche in Bischmisheim auch für Konzerte genutzt.
Aufgrund ihrer wunderbaren Akustik wird die kleine Kirche in Bischmisheim auch für Konzerte genutzt. Foto: Werner Johann

10. St. Maximin Boust: An die 1940 im Krieg beschädigte Kirche im lothringischen Boust erinnert nur ein romanischer Turm. 700 Meter weiter baute Architekt Georges-Henri Pingusson mit seinem Kollegen Paul Aynes von 1958 bis 1963 einen spektakulären Ersatz: ein denkmalgeschütztes Gebäude aus Stahlbeton mit einem kreisförmigen Zentralraum, einem Terrassendach und einem unabhängigen Glockenturm. Die Christusstatue sowie das Bronze-Kruzifix stammen von Bildhauer Jean Lambert-Rucki; das Glasfenster der Taufkapelle entwarf Glasmaler Henri Martin-Granel, das Glasfenster des Tympanons der Maler Pierre Bozzolini. Von außen betrachtet, ähnelt die futuristische Rotunden-Architektur irgendwie dem guten alten Raumschiff Enterprise. Beam me up, Scotty!

Für Kinder: Nach dem Besuch guckt der Nachwuchs Loriots „Weihnachten bei Hoppenstedts“ und baut mit Opa statt eines Atomkraftwerks St. Maximin aus Lego-Bausteinen nach.

Infos: www.tourismus-lothringen.de

Die zehn Tipps stammen von Katharina de Mos und Kerstin Krämer.

Alle unsere Ausflugstipps, Wander- und Radtouren der Serie „Am schönsten ist´s daheim!“ finden Sie hier.