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SZ-Sommerserie „Am schönsten ist’s daheim!“: Zehn Kunstschätze

Sommerserie „Am schönsten ist’s daheim!“ : Die zehn grandiosesten Kunstschätze

Gold und Geschmeide, unbezahlbar wertvolle Bücher, teure Tapisserien und moderne Kunst. In der großen Sommerserie „Am schönsten ist’s daheim!“ stellen wir heute die zehn Kunstschätze (und -tempel) vor, die man in der Großregion in seinem Leben einmal bestaunt haben sollte.

1. Egbert-Codex: Dieses 165-seitige Buch ist wunderschön und extrem kostbar – Experten schätzten den Wert vor einigen Jahren auf 30 bis 50 Millionen Euro. Für die Weltgemeinschaft ist es allerdings ähnlich unbezahlbar wie die Pyramiden von Gizeh, die Porta Nigra oder die Völklinger Hütte. Der in der Schatzkammer der Stadtbibliothek Trier ausgestellte „Codex Egberti“ ist nämlich nicht nur eine der bekanntesten Handschriften der Welt, sondern auch geschütztes Weltdokumentenerbe der Unesco. Sein berühmter Bilderzyklus umfasst 60 Szenen und ist damit die älteste und größte Bildfolge zum Leben Jesu. Ausgestellt ist das Werk in der Schatzkammer der Trierer Bibliothek. Dort sind auch weitere kostbare Handschriften zu sehen, die den künstlerischen Höhepunkt der ottonischen und karolingischen Epoche markieren.

Infos: www.stadtbibliothek-weberbach.de

2. Schätze der Römer: Wer sich auch nur ansatzweise für das Leben der alten Römer interessiert, sollte das Rheinische Landesmuseum in Trier besuchen, das zu den bedeutendsten archäologischen Museen in Deutschland zählt. Kein Wunder. Trifft man rund um die einstige Kaiserstadt doch auf antike Schätze, sobald man zu baggern beginnt. So wurde 1993 bei Bauarbeiten in Trier der größte erhaltene römische Goldschatz der Welt entdeckt. Er umfasst 2650 Münzen aus purem Gold. Im Oktober 2019 brachen zwei Unbekannte in das Museum ein und versuchten (zum Glück vergeblich), den Schatz zu stehlen.

Weitere Highlights der Ausstellung sind die berühmten Grabdenkmäler aus Neumagen, darunter das römische Weinschiff oder das „Schulrelief“ und viele prachtvolle Mosaiken, die vom Glanz der antiken Metropole zeugen.

Infos: www.landesmuseum-trier.de

3. Paulinkirche Trier: Wer diese Kirche betritt, wähnt sich in Bayern und nicht im Norden Triers. Auch dass hier schon seit dem vierten Jahrhundert eine Kirche steht, ist nicht mehr zu erahnen. So üppig barock ist die päpstliche Basilika, die Baumeister Balthasar Neumann ganz nach seinen Vorstellungen schuf. Am besten setzt man sich einfach hin, um von der Wucht all der Goldgirlanden, Palmwedel und umherschwirrenden Engelchen nicht umgehauen zu werden. Und wenn man schon mal sitzt, richtet sich der Blick gen Himmel, wo ein ebenso gigantisches wie filigranes Deckengemälde – das größte des Rheinlandes – dem Betrachter die Geschichte des heiligen Paulinus erzählt.

Tipp: Fernglas mitbringen und gucken, was die Engelchen da zwischen blutigen Schlachten und dem Trierer Marktkreuz an der Decke so treiben.

4. Karl Marx: Der berühmteste Sohn Triers ist einer der umstrittensten Denker der Weltgeschichte – und so wurde er von seiner katholisch geprägten Heimat lange verschämt ignoriert. Bis dann 2018 sein 200. Geburtstag kam – und mit ihm eine große Ausstellung, 160 000 Besucher und die Erkenntnis, dass sich aus Marx Kapital schlagen lässt. Seit dem Jubiläum lockt Trier Kommunisten und Kapitalismuskritiker aus aller Welt mit neuen Attraktionen an. Darunter eine 5,50 Meter große Marx-Statue unweit der Porta Nigra, die auch deshalb für Wirbel sorgte, weil sie ein politisch brisantes Geschenk der Volksrepublik China war. Das Karl-Marx-Haus, wo der Philosoph zur Welt kam, bietet eine sehenswerte, erfrischend neue Dauerausstellung, die sich der Person Marx und der Wirkung seiner Ideen widmet.

Infos: www.fes.de/museum-karl-marx-haus

5. Mudam Luxemburg: Selbst diejenigen, die bei moderner Kunst manchmal denken „das da hätte meine Schwester auch hingekriegt“, sollten sich dieses Museum angucken. Reisende schwärmen von seiner atemberaubenden Architektur, den lichtdurchfluteten Räumen, den grandiosen Ausblicken. Das von Ieoh Ming Pei entworfene Musée d‘Art Moderne Grand-Duc Jean will ganz bewusst eine Brücke schlagen zwischen dem historischen Fort Thüngen, in dessen unmittelbarer Nachbarschaft es erbaut wurde, und dem modernen Europa-Stadtteil Kirchberg. Und dann wären da ja noch all die Videoinstallationen, Gemälde und Skulpturen, über deren tieferen Sinn man zwischen kühnen Glasdächern auf 4000 Quadratmetern Ausstellungsfläche wunderbar nachdenken kann.

Infos: www.mudam.com

6. Saarlandmuseum Saarbrücken: Selbst ein Debakel kann noch zum Erfolg werden. Schlagzeilen machte das wichtigste Kunstmuseum des Saarlandes über Jahre vor allem wegen Pleiten, Pech und Pannen rund um seinen Erweiterungsbau. Passé – aber eben doch noch gut sichtbar. Teile der hitzigen Debatte um das Kunsthaus nämlich kann man auf seiner Außenhaut nachlesen. Dank der Wort- und Fassadenkunst von Michael Riedel; weltweit einzigartig. Aber auch drinnen in den drei alten und dem vierten neuen Pavillon beweist die Moderne Galerie des Saarlandmuseums internationale Klasse mit Werken des deutschen Expressionismus, aus der École de Paris und von Informel-Größen.

Tipp: An die Moderne Galerie schließt sich ein Skulpturengarten an, just an heißen Sommertagen eine grüne Oase nahe des Saarufers. Das Museum lädt dort ab und an auch zum Kunstpicknick ein – ein Augen- und Gaumenschmaus.

Infos: www.kulturbesitz.de

7. Jean-Lurçat-Museum Eppelborn: Was das UN-Gebäude in New York mit Eppelborn gemeinsam hat? Die Wandbehänge des wohl einflussreichsten Tapisserie-Künstlers des 20. Jahrhunderts finden sich in diversen Metropolen, aber eben auch in einem 17 000-Einwohner-Ort mitten im Saarland. Dort locken in der einstigen Mädchen-Berufsschule auf 250 Quadratmetern Keramiken, Gemälde und natürlich die farbenprächtigen Wandteppiche von Jean Lurçat (1892 – 1966). Wie sowas kommt? Durch göttliche Fügung. Zwei Geistliche in Eppelborn waren in den 1990ern so vom Lurçat-Fieber infiziert, dass bald auch viele Eppelborner angesteckt waren. Dank Geldern aus Erbschaften trug man peu à peu eine stolze Sammlung zusammen. Nach wie vor aber wird das Museum ehrenamtlich geführt – und öffnet deshalb nur mittwochs- und sonntagnachmittags (jeweils 14.30 Uhr bis 18 Uhr).

Infos: www.jean-lurcat.de

8. Centre Pompidou Metz: Zirkuszelt oder Sommerhut einer Riesin? Schon der Kunsttempel selbst ist eine Wucht und hat Metz seit 2010 zur Topadresse für Kulturtouristen gemacht. Busse aus halb Europa steuern die Mosel-Stadt an, und zig Millionen staunten bereits darüber, was die Architekten Shigeru Ban und Jean de Gastines aus Holz und Glasfaserhaut geschaffen haben. Unter dem luftig-kühnen Zeltdach werden meist mehrere Ausstellungen gezeigt, gespeist aus dem schier unerschöpflichen Magazin für zeitgenössische Kunst der Pariser Centre-Pompidou-Zentrale. Doch mehr noch: Das Centre war in Metz auch Zündfunke für die Entwicklung eines neuen Stadtquartiers. Von wegen Barcelona-Effekt, Metz-Effekt müsste die Kunst-als-Katalysator-Wirkung eigentlich heißen.

Tipp: Metz samt lothringischem Umland waren lange Zankapfel zwischen Deutschen und Franzosen. Mit dem Metzer Bahnhof, nur ein paar Gehminuten vom Centre Pompidou entfernt, meißelte Preußen 1908 auch seinen Herrschaftsanspruch im annektierten Lothringen in Stein. Für den Berliner Architekten Jürgen Kröger war der Vorzeigebau trotzdem kein Vergnügen. Seine Majestät, Kaiser Wilhelm II., mischte sich ständig höchstpersönlich ein – und wollte es besonders protzig neo-romanisch.

Infos: www.centrepompidou-metz.fr , www.tourisme-metz.com

9. Kathedrale Metz: „La lanterne du bon Dieu“, die Laterne des lieben Gottes wird sie auch genannt. Der Grund dafür sind 6500 Quadratmeter bunt schimmernden Glases. Mehr Glasmalerei hat keine von Frankreichs Kathedralen zu bieten. Stolz thront Saint-Étienne über der Stadt; besonders erhaben ist ihr Anblick von der kleinen Moselinsel aus. Für Menschen früherer Zeiten, als viele nicht lesen und schreiben konnten, waren die Glasfenster (zum Teil noch aus dem 14. Jahrhundert) auch wie Bilder-Bücher, die ihnen die biblischen Geschichten erzählten. Aber auch einer der großen Künstler des 20. Jahrhunderts, Marc Chagall, hat Fenster für die Metzer Kathedrale gestaltet.

Für Kinder: Jouy-aux-Arches, knapp zehn Kilometer vom Metzer Zentrum weg, verdankt seinen Namen einem imposanten Aquädukt. An der altrömischen Wasserleitung entlang kann man auch auf spannende Geocaching-Tour gehen.

Infos: www.tourisme-metz.com

10. Cinémathèque Luxemburg: Spätestens seit Andy Bauschs verschroben-galligen, eben ganz und gar besonderen (Heimat)-Filmen weiß man: Das kleine Großherzogtum ist auch ein echtes Kinoland. Die Cinémathèque in Luxemburg City ist Museum, beherbergt ein Archiv mit 10 000 Kopien, agiert als Mitveranstalter von Filmfestivals, und ist nicht zuletzt ein quicklebendiges Programm-Kino. Im Kinosaal (an der place du théâtre) zeigt man vor allem Retrospektiven. Cineasten kommen da voll auf ihre Kosten. Und im Sommer flimmert bei einer Open-Air-Reihe die Lichtspielkunst im Innenhof des Kapuzinertheaters unterm Sternenhimmel.

Infos: www.cinematheque.lu

Die Tipps stammen von Katharina de Mos und Oliver Schwambach.

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