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Saarländerin lebt mit bipolarer Störung: Zwischen Depression und Manie

Serie Psychische Krankheiten – Teil 5: Bipolare Störung : Auf dem schmalen Grat zwischen Depression und Manie

Eine Saarländerin berichtet, wie der ständige Wechsel zwischen großer Euphorie und tiefer Depression sie beinahe in den Suizid getrieben hätte. Ihre Diagnose: bipolare Störung.

Beschwingt schreitet Ariane Schwarz (Name von der Redaktion geändert) über die Klinikflure, sie lacht, scheint vor Energie zu strotzen, immer wieder winkt sie fröhlich Pflegern und Ärztinnen zu. Ganz offen erzählt sie, erzählt viel, spricht schnell, sehr schnell, manchmal zu schnell. „Entschuldigung“, unterbricht sie sich selbst, „ich bin eben doch noch etwas manisch“. Denn was auf den ersten Blick wie ein aufgeweckter, extrovertierter Charakter wirkt, ist ein Teil ihres Problems: Schwarz leidet an einer bipolaren Störung.

„Geschwätzig“, das sei schon in ihren Grundschul-Zeugnissen vermerkt gewesen, erinnert sich Schwarz. Während ihre Mutter sie ermahnte, sich nicht immer in den Vordergrund zu drängen, haben die Lehrer gefragt: „Musst du wieder weinen?“. „Im Nachhinein ist das dann natürlich aufgefallen“, sagt Schwarz. Doch für Schwarz kam die Diagnose bipolare Störung, der Faktor, mit dem so vieles endlich Sinn machte – und vor allem auch behandelt werden konnte – erst spät. Ariane Schwarz ist heute Mitte 50. Zum ersten Mal auf eine bipolare Störung wurde sie erst 2017 behandelt.

Damals kam sie, wie bei ihrem jetzigen Aufenthalt, in einem „absolut manischen Zustand“, wie Schwarz heute erkennen kann, in die Psychiatrie der SHG-Kliniken Sonnenberg. „Ich habe viel gearbeitet, sehr viel, dabei wenig oder gar nicht geschlafen, war gereizt, unausgeglichen, bin überall angeeckt“, erzählt sie. „Ständig gerät man in Streit, denkt ‚Jeder ist mir im Weg‘“, ergänzt sie. „Man hat eine total gestörte Wahrnehmung, aber in dem Moment kann man das ja gar nicht begreifen“. Hinzu kommen die depressiven Einbrüche: „Dann kann ich wieder nur liegen, gar nichts tun, nicht mal den Haushalt“, sagt Schwarz. Ein Chaos, in dem auch die Betroffenen irgendwann nicht mehr durchblicken, „die Stimmung geht so rasend schnell hoch und runter“, sagt Schwarz. Zuletzt, bevor sie Hilfe in der Klinik suchte, haben vor allem die Tiefs überwogen. Sie habe sich „gedrängelt“, „gefangen im eigenen Körper“ gefühlt. Und ja, aus dieser Unfähigkeit endlich Ruhe zu finden, seien auch Suizidgedanken erwachsen. „Gemein“, so bezeichnet Schwarz das Krankheitsbild immer wieder.

Wie schon 2017 wurde Schwarz auch jetzt wieder auf Lithium, den Stimmungsstabilisator erster Wahl bei einer bipolaren Störung, eingestellt. Sie hat Glück, verträgt das Medikament sehr gut. Und doch hat sie es nach dem ersten Anlauf eigenhändig abgesetzt. „Ich dachte, dass es mir wieder gut geht“, gibt sie zu. „Das wird mir nicht mehr passieren“. Heute sei sie sich bewusst, dass sie das Medikament für sehr lange Zeit, wenn nicht sogar ihr ganzes Leben nehmen muss. Neben der medikamentösen Therapie lernt Schwarz während ihres Aufenthaltes auf dem Sonnenberg auch besser mit ihrer Krankheit zu leben, sich Strukturen und klare Abläufe im Alltag zu schaffen, um die Gefahr für neue Krisen zu minimieren. Auf das Angehörigengespräch ist sie besonders gespannt, ihre Ehe sei wegen ihrer Krankheit immer schwieriger geworden. Auch ihre Kinder haben die Mama nicht mehr verstehen können, erzählt Schwarz. „Es ist sehr wichtig, dass die Angehörigen auch aus ärztlicher, sachlicher Sicht erklärt bekommen, dass man eben krank ist“, sagt Schwarz.

Bipolare Störung, das sei sowieso für die meisten Menschen noch ein großes Mysterium, sagt Schwarz. Sie gehe stets offen mit ihrer Erkrankung um, auch am Arbeitsplatz wisse jeder Bescheid. „Aber was das genau bedeutet, das wissen die nicht“, sagt Schwarz. „Viele mögen mich oder finden mich lustig“, erzählt sie, „gerade auch in manischen Phasen, schließlich kann ich da viel leisten, bin hilfsbereit“. Sie senkt den Blick: „Die wissen nicht, wie anstrengend das ist“. Es sei aber auch schon immer ein schmaler Grat zwischen ihrem eher extrovertierten Charakter und der Manie gewesen, gibt Schwarz zu. „Durch das Medikament bin ich allerdings endlich wieder der Mensch, der ich bin“, sagt sie. Auch der Behandlung in einer Psychiatrischen Klinik steht sie sehr positiv entgegen. „Man wartet meistens viel zu lange, bis man sich Hilfe sucht“, betont sie. „Abstand vom Chaos, das ich verursacht habe, zur Ruhe kommen“, sagt Schwarz, „das bedeutet Psychiatrie für mich“

Alle Teile der Serie „Psychische Krankheiten“ hier nachlesen.