Schmollerschule: Die Handschrift des Architekten Peter Paul Seeberger

Kostenpflichtiger Inhalt: Serie Nachkriegsarchitektur in der Region – Teil 8 : Die Handschrift des Architekten

Der Oberbaurat Peter Paul Seeberger (1906–1993) hat in Saarbrücken überall Spuren hinterlassen. Zwei seiner frühesten Bauten in der Landeshauptstadt sind die Schmollerschule und die zugehörige Turnhalle – letztere eine Perle der Nachkriegsmoderne.

Daniela Kruse beugt sich vor. Sie streckt den rechten Zeigefinger aus. Die Architektin fährt mit dem Finger am Rahmen eines der riesigen Fenster entlang, aus denen sich die Fassade der Turnhalle an der Schmollerschule im Saarbrücker Stadtteil St. Johann zusammensetzt.

Kruse arbeitet für das Bauamt des Regionalverbandes, sie hat die Schmollerschule, die heute Sozialpflegerisches Bildungszentrum (SBBZ) Saarbrücken heißt, für 1,2 Millionen Euro saniert. Ohne die Turnhalle, in der sie gerade steht. Um die kümmert sich die städtische GMS. Und doch ist Kruse diese schmale Rille im Fensterrahmen gleich aufgefallen – ein Strich, den sie wie eine Handschrift zu lesen weiß. An diesem Detail erkennt sie die Handschrift des Architekten Peter Paul Seeberger (1906–1993).

„Die Details hat er in Perfektion ausgeführt“, sagt Hans Mildenberger, lange Denkmalpfleger bei der Landeshauptstadt. Mit Seeberger kennt Mildenberger sich aus, denn der Architekt hat in Saarbrücken überall Spuren hinterlassen. Auch wenn sein Name den meisten Bewohnern unbekannt sein dürfte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stand Seeberger mehr als zwei Jahrzehnte im Dienst der Stadt, als Oberbaurat und Leiter des Hochbauamtes. Er entwarf das abgerissene Ludwigspark-Stadion, das Elefantenhaus im Saarbrücker Zoo und das Bertha-Bruch-Tierheim, die Einsegnungshalle auf dem Hauptfriedhof. Und er machte unzählige Kinder und Jugendliche mit der Nachkriegsmoderne vertraut. Denn Schulgebäude, so darf man wohl sagen, waren seine Spezialität.

„Ausgetobt hat er sich am Mügelsberg“, sagt Mildenberger. Die dortige Schule, zwischen 1953 und 1962 errichtet, gehört zu den auffälligsten Bauten der Nachkriegsmoderne im Saarland. Anders die Schmollerschule, die Seeberger in den ersten Nachkriegsjahren entwarf. „Hier war er gezwungen, relativ schnell zu bauen“, erklärt Mildenberger.

Den Grundriss des Gebäudes, eingeweiht 1953, gab der im Zweiten Weltkrieg zerstörte Vorgängerbau aus der Kaiserzeit vor, die Cecilienschule. Seeberger setzte beim Neubau auf eine moderne Formensprache, weißen Putz, klare Linien und Kanten, die Fassade gliederte er mit breiten Fensterbändern. „Das ist nett gebaut“, sagt Denkmalpfleger Mildenberger. Als Hingucker platzierte der Architekt einen halbkreisförmigen Pavillon am Eingang. „Das ist ein typischer Seeberger“, sagt Mildenberger.

Als Daniela Kruse beim Regionalverband vor fünf Jahren die Verantwortung für die Schmollerschule übernahm, ging es weniger um die Schönheit der Architektur. Die Dach-
kante war marode, sie zerbröckelte. „Es war wirklich schlimm, ich habe die Schule direkt sperren lassen“, erzählt sie. Seitdem hat sich nicht nur an der Fassade einiges getan, auch im Innern der Schmollerschule ließ Kruse vieles erneuern – abgestimmt mit Denkmalpflegern wie Mildenberger, der in der Renovierungszeit selbst Hand anlegte, behutsam Farbe abkratzte, um Proben zu nehmen. Bei den Farben hatte Seeberger genaue Ideen, auch Vorlieben, etwa für Rostrot. „Er hat auch Farben ausprobiert“, erklärt Mildenberger. Beraten ließ sich Seeberger von seiner Frau.

Die Schmollerschule mag nicht zu den herausragenden Bauten des Architekten zählen, die dahinterliegende Turnhalle tut das sehr wohl. Sie befindet sich weitgehend im Originalzustand. Der Sanierungsstau ist offensichtlich, die architektonische Qualität ebenso. Seeberger sparte nicht an Licht und Farbe, das Treppenhaus ist kolossal, schmale Stützen verleihen den Aufgängen eine große Leichtigkeit, aufgesetzte Kugeln nehmen den Handläufen ihre Strenge. „Zu der Zeit war das purer Luxus“, sagt Mildenberger über die Besonderheiten des Hallenbaus, den auch Daniela Kruse vom Regionalverband schätzt. Die Architektin blickt vom Fenster der Turnhalle auf. Dann führen sie und Dirk Wagner, der Hausmeister der Schmollerschule, uns nach draußen. Hier endet sie, die kleine Einführung in die Architektur von Peter Paul Seeberger.

Alle bisherigen Teile der Serie:
Teil 1: St. Albert, Saarbrücken
Teil 2: St. Hildegard, Sulzbach-Neuweiler
Teil 3: Mügelsbergschule, Saarbrücken
Teil 4: St. Ludwig, Saarlouis
Teil 5: St. Maximin, Boust
Teil 6: Rentenversicherung, Saarbrücken
Teil 7: Frauenwohnheim, Saarbrücken

Hier geht es zur Bilderstrecke: Serie Nachkriegsmoderne: Die Schmollerschule und die zugehörige Turnhalle

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