Das frühere LVA-Gebäude in Saarbrücken: Hier erscheint die Rente sicher

Kostenpflichtiger Inhalt: Serie Nachkriegsmoderne in der Region – Teil 6 : Hier erscheint die Rente sicher

Die frühere Landesversicherungsanstalt ist ein Behördenpalast. Und war lange das Zuhause von Fritz Berg.

Der Hochofen reicht bis in den dritten Stock. So wie die Schlote aus lila Glas. Am Treppenhaus der Deutschen Rentenversicherung in Saarbrücken erzählt eine riesenhafte Glasmalerei über mehrere Etagen von der harten Arbeitswelt im Saarland.

Die bunten Scheiben bilden den lichten Kontrast zur Backsteinfassade des wuchtigen Hauses im Stadtteil St. Johann. Die Ziegelreihen aus den frühen Fünfzigerjahren vermitteln die Solidität von Bergmannshäusern, gepaart mit der Ordnungsliebe deutschen Beamtentums. Hier erscheint die Rente sicher.

Am Haupteingang der ehemaligen Landesversicherungsanstalt (LVA) an der Martin-Luther-Straße erwartet Besucher das nächste Kunstwerk: Auf einem historischen Wandbild von Fritz Zolnhofer, gefertigt aus Stiftmosaik von Villeroy & Boch, drängen sich die typischen Versicherten der Nachkriegszeit: ein Hüttenarbeiter im Vordergrund, dahinter ein Handwerker, ein Bauer, eine Büroangestellte.

Der Verwaltungsbau der Rentenversicherung, errichtet in den Jahren 1951 und 1952, steht heute unter Denkmalschutz. Demnächst beginnt eine großangelegte Sanierung. Dann wird im Hof ein anderes Gebäude weichen müssen: ein Hinterhaus mit Garagen und mittlerweile leerstehenden Wohnungen.

An einem Klingelschild steht noch „Fa. Berg F.“. Fritz Berg und seine Frau zogen hier Weihnachten 1956 ein. Anfang 2019 haben Bergs die Dienstwohnung bei der Rentenversicherung verlassen, nach mehr als sechs Jahrzehnten. Seitdem lebt das Ehepaar ein paar Straßen weiter in einer ruhigen Siedlung.

Berg hat sich im neuen Zuhause auf einen beigen Sessel fallen lassen. Er ist 90 Jahre alt, lange in Rente. Auf dem Wohnzimmertisch liegt ein rotes Fotoalbum. Sein Arbeitsleben in Bildern. Berg hatte von 1947 bis 1990 einen Beruf, den man auf dem Mosaik im Versicherungsgebäude vergeblich sucht. Der gelernte Autoschlosser und -elektriker war Chauffeur bei der LVA. Berg steuerte die Direktoren der Behörde durch Deutschland und Europa. Unfallfrei.

Als der gebürtige Saarbrücker eingestellt wurde, befand sich an der Stelle des heutigen Baudenkmals an der Martin-Luther-Straße noch eine Kohlenhandlung. Deren Besitzer wusste zu verhandeln. Den Bauplatz räumte der Mann erst, als die LVA zwei Lieferverträge mit ihm abschloss. „Die erste LVA, das waren ja nur zwei, drei Räume“, erinnert sich Fritz Berg. „Dann sind wir in das große Haus gekommen.“ Der Neubau war dagegen ein Behördenpalast.

Der Saarbrücker Architekt Karl Kremer hatte 1950 die Ausschreibung dafür gewonnen. Das heutige Bauwerk entwarf Kremer mit den Kollegen Jacob Quirin und Hans Bert Baur. Ende 1952 bezog die LVA ihr neues Domizil. Damals war die heutige Rentenversicherung eine Superbehörde, nach französischem Vorbild fasste sie die Sozialversicherung unter ihrem Dach zusammen. Auch die meisten Krankenkassen.

Fritz Berg organisierte das fahrende Chefbüro der LVA. „Am Anfang hatte ich einen Mercedes, einen kleinen“, berichtet er. Insgesamt waren es zwölf Modelle. Zum Schluss lenkte Berg einen Opel Senator. Ohne jeden Luxus. „Das waren die günstigsten Verkaufsschlager“, sagt Berg. „Aber die 100 000 Kilometer haben wir immer geschafft.“ Die langen Wege bedeuteten überlange Arbeitstage. Trotzdem sagt Berg: „Ich hätte noch bis siebzig weitermachen können.“ Doch auch er musste in Pension. Und blieb noch dreißig Jahre als Mieter.

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Alle bisherigen Teile der Serie:
Teil 1: St. Albert, Saarbrücken
Teil 2: St. Hildegard, Sulzbach-Neuweiler
Teil 3: Mügelsbergschule, Saarbrücken
Teil 4: St. Ludwig, Saarlouis
Teil 5: St. Maximin, Boust

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das frühere LVA-Gebäude in Saarbrücken

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