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Regina Waller starb mit 72 Jahren plötzlich an einer Lungenembolie.

Serie Lebenswege : Regina starb in den Armen ihres Mannes

Wie ist das, von einem geliebten Menschen Abschied nehmen zu müssen? Die SZ spricht mit Angehörigen und Freunden und stellt in einer Serie Lebenswege Verstorbener vor. Heute: Regina Waller.

„Meine Frau Regina war der Mittelpunkt, der ruhende Pol und der Kitt in unserer Familie, der alles zusammenhielt. Sie fehlt uns so sehr“, sagt Gerhard Waller über seine Frau, die am 26. September vorigen Jahres wenige Monate vor ihrem 72. Geburtstag plötzlich und unerwartet starb.

Regina Waller kam am 14. Dezember 1948 im oberschlesischen Gleiwitz als zweites Kind von Fritz und Helene Jarosch zur Welt. Sie hat noch eine sieben Jahre ältere Schwester, Irene. Die Familie war in Polen nicht glücklich. Weil sie Verwandte im Saarland hatte, entschloss sie sich 1957 auszuwandern. Zunächst kam sie im Übergangslager Friedland unter, von dort ging es nach Lebach. Helene Jaroschs Bruder lebte damals in Nalbach, und die Familie zog ihm nach. Fritz Jarosch fand Arbeit bei der Dilllinger Hütte, die ihm am Hüttenberg ein Häuschen zur Verfügung stellte. Tochter Regina ging in Nalbach zur Volksschule, wo Lehrer Sinnwell sie besonders förderte. Nach der Schule absolvierte sie eine Lehre als Groß- und Außenhandelskauffrau beim Lebensmittelgroßhandel Alfons Lang in Dillingen, die sie 1967 abschloss. Danach arbeitete sie als Bürokauffrau im Lebensmittelgroßhandel Distributa in Saarlouis.

Mit 14 Jahren hatte sie den gleichaltrigen Gerhard Waller aus Nalbach kennengelernt, der wie viele andere damals seinen Feierabend in der Wirtschaft Hahn verbrachte. „Wir mochten uns, aber es wurde noch nichts Festes“, erzählt Gerhard Waller. Erst drei Jahre später funkte es. „Und so heirateten wir am 31. Dezember 1968 mit 20 Jahren standesamtlich und am 9. Januar 1969 kirchlich“, berichtet Gerhard Waller. Sie bekamen zwei Kinder: Michael wurde am 14. Juli 1969 geboren, Eva am 1. November 1983. Nach Michaels Geburt hatte Regina Waller zunächst mit der Arbeit aufgehört, stieg aber später bei Distributa erneut ein. „Als Distributa die ersten Supermärkte – die X-Märkte – aufmachte, waren meine Frau und ihre Schwägerin Marianne für die Verbreitung der Werbezettel im ganzen Saarland zuständig. Das machte meine Frau bis 1996“, sagt Gerhard Waller. Parallel dazu betrieb sie in einem alten Bauernhaus in Lebach-Knorscheid die Weinscheune „La cave française“, in der sie Rot- und Weißweine sowie Rosé aus französischen Anbaugebieten vertrieb. Zehn Jahre lang hatte der Weinkeller seinen Sitz in Knorscheid, zog dann in Lebach in die Saarbrücker Straße gegenüber dem Autohaus Kartes um. Ein riesiges Weinfass war der Blickfang. „Das hat Regina sehr viel Spaß gemacht“, erzählt ihr Mann. Doch als es Gerhards Mutter Maria gesundheitlich sehr schlecht ging, hörte Regina Waller mit der Arbeit auf und kümmerte sich intensiv um die Pflege der Schwiegermutter. Bis zu deren Tod 2008.

Es gab nicht nur Arbeit im Leben von Regina Waller. Sie war sportlich und liebte Tiere. Deshalb war sie von der Idee ihres Mannes und ihres Schwagers Josef Waller sehr angetan, als diese vorschlugen, in Körprich einen Pferdestall mit Reitplatz und Koppeln zu bauen. Sie schafften sich ein Pferd (Aspirant) und ein Pony (Tommy) für die Kinder Michael und Christoph an, lernten reiten. Gerhard Waller nahm an Springreitturnieren teil, Regina machte Dressurreiten, wo sie es bis zur M-Klasse schaffte. 1992 stiegen Gerhard und Regina Waller wieder aus dem Reit­sport aus, um endlich all die Urlaube nachholen, für die sie die Jahre davor keine Zeit hatten. Ihre Urlaubsziele waren unter anderem die USA und Afrika. Und im Winter liefen sie Ski in der Schweiz und in Österreich.

 Das Ehepaar Waller 2015 beim Reitturnier in Honzrath
Das Ehepaar Waller 2015 beim Reitturnier in Honzrath Foto: Karl-Heinz Raubuch

Auch dem Tanzsport widmete sich das Ehepaar Waller in seiner Freizeit in der Tanzschule Pittendörfer in Saarlouis. Es war ein ausgefülltes und meist glückliches Familienleben, das 2018 mit einer Feier zur Goldenen Hochzeit gekrönt wurde. Zwei Jahre später, am 26. September 2020, geschah dann das Unerwartete und Schreckliche. Gerhard Waller ist Jäger, wollte ein Jägertreffen an einem Fischweiher in Köllerbach besuchen. „Eigentlich hatte Regina gar keine richtige Lust mitzukommen, aber sie fuhr trotzdem mit“, erinnert er sich. Als die abendliche Kühle einsetzte, entschloss sich das Ehepaar, nach Hause zu fahren. „Ich ging noch in das Vereinsheim, um die Zeche zu zahlen, und als ich rauskam, war meine Frau nicht mehr da“, erzählt Gerhard Waller. Regina Waller war schon vorausgegangen, wollte zu ihrem Auto. Doch unterwegs brach sie auf einem Feldweg zusammen. Als Gerhard Waller davon erfuhr, rannte er hin, kümmerte sich um seine Frau, doch sie starb in seinen Armen. Schnell herbeigerufene Rettungssanitäter und ein Notarzt hatten zwei Stunden lang eine Reanimation versucht. Vergeblich.

Für Familie Waller brach eine Welt zusammen. „Nichts hatte darauf hingedeutet, Regina hatte keine Vorerkrankungen, wir waren total geschockt“, erzählt Gerhard Waller. Todesursache war eine Lungenembolie. Am 12. Oktober wurde Regina Waller unter großer Anteilnahme von Familienmitgliedern, Freunden und Bekannten auf dem Nalbacher Friedhof zu Grabe getragen. „Es war ein würdiger Abschied trotz Corona, mindestens 150 Leute waren unter strenger Einhaltung der Coronamaßnahmen da. Das hat uns ein wenig getröstet“, erzählt der Witwer.

Auf der Seite „Momente“ stellt die SZ im Wechsel Kirchen und Lebenswege Verstorbener vor. Online unter saarbruecker-­zeitung.de/lebenswege