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Lorenz Weyrich starb im Alter von nur 69 Jahren.

Serie Lebenswege : Er war ein Genießer, der hart arbeitete

Wie ist das, von einem geliebten Menschen Abschied nehmen zu müssen? Die SZ spricht mit Angehörigen und Freunden und stellt in einer Serie Lebenswege Verstorbener vor. Heute: Lorenz Weyrich.

Lorenz Weyrich liebte das Leben und genoss es so gut wie möglich. Auch eine schwere Krankheit konnte ihn anfangs nicht aus der Bahn werfen. Er starb relativ früh im Alter von 69 Jahren. Wie alles im Leben, so hatte er auch die Zeit nach seinem Tode geplant: „Wenn ihr an mich denkt, seid nicht traurig. Erzählt lieber von mir“, heißt es in seiner Todesanzeige. Seine Schwester Regine Guß erfüllt diesen letzten Wunsch und erzählt über ihn.

Lorenz Weyrich kam am 2. September 1947 in Diefflen als erstes Kind von Nikolaus und Maria Weyrich zur Welt, 1959 wurde seine Schwester Regine geboren. Die Eltern besaßen in Diefflen seit 1947 ein Tapeten- und Anstreichergeschäft, das über 50 Jahre bestand. Vor allem in den Anfangsjahren investierten sie sehr viel Zeit und Arbeit in ihr Geschäft. Dennoch sollte Lorenz eine gute Bildung erhalten und wurde nach Gerolstein in ein Internat geschickt.

Hier ist Lorenz Weyrich ist er mit seiner Mutter Maria und einer Wildkatze im Jahr 1955 zu sehen. Foto: unbekannt/Familienalbum

 Er machte dort seinen Hauptschulabschluss, kehrte in den elterlichen Betrieb zurück, absolvierte in Dillingen eine Ausbildung zum Maler und Lackierer und arbeitete im elterlichen Betrieb mit. Doch er hatte den Ehrgeiz, beruflich weiterzukommen, besuchte im württembergischen Lahr die Meisterschule, schloss sie mit Erfolg ab und durfte sich nach seiner Rückkehr „jüngster saarländischer Malermeister“ nennen.

Mit 20 Jahren heiratete Lorenz Weyrich. Seine Ehefrau Regina war 17, und Tochter Jeannette war unterwegs. Zwei Jahre später kam Sohn Georg zur Welt. Als Lorenz 22 war, ging er mit der Familie für ein paar Jahre ins hessische Neu-Isenburg, machte sich dort selbstständig und arbeitete als Subunternehmer im Hochbau. „Er sammelte dort viel Erfahrung als Kaufmann und Geschäftsmann im positiven wie negativem Sinne“, sagt Regine Guß. Anfang der 1970er kehrte Lorenz Weyrich mit Ehefrau Regine nach Diefflen zurück.

Beruflich verschlug es ihn dann nach Luxemburg, wo er den Familien- und Meisterbetrieb Royal Facades Weyrich gründete, eine Firma mit mittlerweile 29 Angestellten, die nun seit über 30 Jahren eine Referenz in der Fassadenrenovierung und -neuerstellung ist und von seinem Sohn Georg weitergeleitet wird.

 Seine Ehe scheiterte, und er war bis zu seinem Tode mit seiner Lebensgefährtin Hanne zusammen. „Lorenz arbeitete bis acht Wochen vor seinem Tode in dieser Firma“, sagt Regine Guß. Doch nicht nur die Arbeit dominierte sein Leben, er war auch weltlichen Genüssen alles andere als abgeneigt. Zudem liebte Lorenz Weyrich Autos – vor allem Oldtimer sowie schnelle und teure Wagen. Sein erstes Prunkstück war ein Triumph Spitfire. Seine größte Leidenschaft jedoch galt dem Westernreiten. „Dafür hat er gebrannt“, betont Schwester Regine. Seine erste Ranch baute er in Diefflen im Lehnfeld. In Nalbach schuf er die Litermont Ranch, mit Saloon, Westernutensilien, Kutschen, Koppeln und etlichen Pferden. Er wohnte dort in seinem herrschaftlichen Anwesen und verbrachte seine Freizeit mit den Pferden. Lorenz Weyrich rief das weithin bekannte Litermont Rancherfestival ins Leben, führte gemeinsam mit Sohn Georg Westernshows und Rodeos vor und ließ Westernbands auftreten. Sein erstes eigenes Pferd – Sandokan – war ein Wildpferd, das er selbst zähmte.

Doch im Alter von 65 Jahren erhielt Lorenz Weyrich einen Nackenschlag, als bei ihm Knochenkrebs diagnostiziert wurde. Zuvor hatte er einen schweren Herzinfarkt und bekam mehrere Bypässe gelegt. Westernreiten war nun nur noch begrenzt möglich, Lorenz Weyrich musste sein Leben ändern. „Er verbrachte seinen Urlaub nun in Spanien, wo er ein Haus und ein Boot besaß, und er wandte sich wieder mehr seiner Familie zu, pflegte Kontakte, die er zuvor lange vernachlässigt hatte“ erzählt Schwester Regine.

Sein Haus in Spanien verkaufte er 2015, das Boot ließ er auf die Mosel, nach Mehring, bringen. Im gleichen Jahr starb seine Mutter Maria. Lorenz Weyrich suchte den Grabstein für sie aus und verfügte, dass er nach seinem Tode im Grabe seiner Mutter bestattet werden solle. Lorenz Weyrich gestattete nicht gerne Einblicke in seine Gemütslage, zeigte sich weiter optimistisch, kämpfte gegen seine Krankheit an und unterzog sich einer Chemotherapie. Im September 2016 feierte er sein letztes Westernfest auf der Litermont Ranch. „Er brachte dort noch einmal alles auf Vordermann, leistete einen großen Kraftakt, doch bei der Vorbereitung des Festes haben wir bemerkt, dass seine Kräfte am Ende waren. Er sagte nichts, aber jeder spürte, dass das sein letztes Fest sein würde, sein Abschiedsfest“, erinnert sich Schwester Regine.

An Weihnachten 2016 kam die Familie im engen Kreise zu ihm, wenig später wurde er mit multiplem Organversagen in die Uniklinik Homburg eingeliefert und operiert. Doch er wollte nicht im Krankenhaus sterben, sondern zurück auf seine Ranch. „Dorthin lud er mich und seine Kinder am 8. April 2017 ein“ erzählt Regine Guß. Bei diesem Gespräch regelte Lorenz Weyrich all die Dinge, die er noch auf dem Herzen hatte und verabschiedete sich von seiner Familie. Einen Tag später war er tot. „Wir wussten bei unserem letzten Gespräch zwar, dass es nicht mehr lange dauern könne, aber dass es so schnell gehen sollte, kam für uns doch völlig unerwartet“, erzählt Regine Guß. Am 21. April 2017 wurde Lorenz Weyrich auf dem Dieffler Friedhof im Grabe seiner Mutter bestattet. „Mit ,Take me home, Country Roads’, gesungen von einer befreundeten Sängerin, wurde er als ein beliebter Mensch von sehr vielen Menschen verabschiedet“, sagt Regine Guß.

Auf der Seite „Momente“ stellt die SZ im Wechsel Kirchen und Lebenswege Verstorbener vor. Online unter saarbruecker-­zeitung.de/lebenswege