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Horst Remark aus Ludweiler war immer gut gelaunt und freundlich.

Serie Lebenswege : Er entschuldigte sich bei den Sanitätern

Wie ist das, von einem geliebten Menschen Abschied nehmen zu müssen? Die SZ spricht mit Angehörigen und Freunden und stellt in einer Serie Lebenswege Verstorbener vor. Heute: Horst Remark.

„Nie schlecht gelaunt und immer gut drauf?“ Ja, gibt es das denn überhaupt? Rosel Hoffmann (71) aus Ludweiler nickt energisch: „Doch, genau so war mein Schwager Horst Remark. Immer hilfsbereit, immer freundlich und höflich mit einer sympathischen Ausstrahlung. Er hat nie einfach nur ,guten Tag’ gesagt, er hat den Menschen immer einen ,wunderschönen guten Tag’ gewünscht. Und zwar aus ganzem Herzen.“ Es habe ihm auch Freude gemacht, etwas für andere zu tun. „Er hat beispielsweise immer im Winter für die Nachbarn Schnee geschippt.“ Oder er hat auch gerne Dinge repariert: „Da hat er nicht nachgelassen, wenn etwas nicht funktioniert hat.“

Im April 2017 ist Horst Remark mit noch nicht ganz 65 Jahren gestorben, ganz plötzlich und unerwartet an den Folgen eines Hirnschlags. Ehefrau Karin Remark kann es bis heute nicht fassen. „Er hat sich noch bei den Sanitätern, die wir gerufen hatten, entschuldigt, weil Samstag war“, sagt sie. Drei Wochen lag er noch im Krankenhaus. „Er hat gewartet, bis ich ihm gesagt habe: ,Du darfst gehen’, erst dann ist er gestorben“, sagt Karin Remark. Kennengelernt haben sich Horst und Karin Remark 1981 beim Fußball. Denn Horst hat in derselben Mannschaft gespielt wie Karins Brüder. 1983 sind beide ins obere Stockwerk des Elternhauses von Horst Remark in der Ludweiler St. Barbarastraße gezogen, 1984 hat das Paar geheiratet.

Der gelernte Elektriker hat bis zu seiner Frühpensionierung mit 53 Jahren als Magazinverwalter in der Göttelborner Grube gearbeitet. Und zwar gerne und mit Leidenschaft. „Der letzte Tag dort war ein schlimmer Tag für ihn“, sagt Karin Remark. „Er hätte gerne weitergemacht.“

So hat er sich dann aufs Ehrenamt verlegt. Seit 2006 hat das Ehepaar Remark mitgeholfen, die Völklinger Tafel aufzubauen. Viele Jahre lang sei Horst Remark täglich mit dem Tafel-Bus unterwegs gewesen und habe die Geschäfte abgeklappert. „Er hat dort im wahrsten Sinne des Wortes die Lebensmittel erbettelt“, sagt Schwägerin Rosel Hoffmann. Ein Knochenjob, denn das Auto muss von Hand eingeladen und wieder abgeladen werden. Später hat Horst Remark das Ehrenamt gewechselt und hat sich in der Saarbrücker Bahnhofsmission engagiert. Damit hat er auch einen kleinen Traum von sich wahr gemacht, denn eine seiner Leidenschaften gehörte der Bahn und dem Zugfahren. „23 Jahre lang haben wir gemeinsam mit drei anderen Ehepaaren jedes Jahr einen anderen Weihnachtsmarkt besucht“, erinnert sich Karin Remark, „und zwar immer mit dem Zug, denn er hat ja Züge geliebt.“ Ein übers andere Jahr planten sie diesen Ausflug als zweitägige Tour mit Übernachtung. Auch sonst ist das Ehepaar viel gereist. „Wir waren in Paris, und wir haben uns in Hamburg den König der Löwen angesehen.“ Denn auch Musicals hat Horst Remark geliebt und war begeisterter Fan von Marianne Rosenberg und Helene Fischer. Die Karten, die er zu Helene Fischers Tour 2017 gekauft hatte, konnte er leider selbst nicht mehr nutzen. Karin Remark hat sie verschenkt.

Hier winkt Horst Remark fröhlich, wie er immer war. Das war 2011 mit seiner Frau Karin Remark im Heimatort in Ludweiler. Foto: Gerhard Grosse, Karin Remark/Gerhard Grosse

Außerdem wird sich der eine oder andere unserer Leser an Horst Remark erinnern. Denn Karin Remark hat viele Jahre lang als Springerin unsere Zeitung in und um Völklingen und im Warndt ausgetragen. Und Ehemann Horst war immer dabei. „Er hat mich nie alleine gehen lassen“, sagt Karin Remark. „Ja, er war fit, ging viel wandern, hat sich gesund ernährt und auf sich geachtet“, sagt sie weiter. So hat das Ehepaar regelmäßig Wanderurlaube gemacht. „2016 waren wir in Wanderurlaub am Trifels.“ Und er liebte die Weinfeste in der Pfalz, auch als Nichtraucher und Nichttrinker. „Er mochte einfach die Atmosphäre dort gerne“, erinnert sich Karin Remark.

„Er hatte noch so viel vor“, sagt sie. An seinem 70. Geburtstag wollte er eigentlich ein großes Fest mit allen Freunden feiern, dafür hatte er bereits mit der Planung begonnen. Traurigerweise wurde nichts daraus.

Auf der Seite „Momente“ stellt die SZ im Wechsel Kirchen und Lebenswege Verstorbener vor. Online unter saarbruecker-­zeitung.de/lebenswege