„Herzliche und fürsorgliche Mutter“

„Herzliche und fürsorgliche Mutter“

Eva Maria Dittgen war immer für ihre Familie da



Schmelz. Eva Maria Margareta Dittgen wurde am 1. Oktober 1920 in Horst-Emscher, heute Gelsenkirchen, in einer großbürgerlichen katholischen Familie geboren. Der Vater Christoph Stöver war Realschullehrer, die Mutter Maria Franziska Stöver kümmerte sich um die kleine Eva, so ihr Rufname, und um ihre Schwester Renate, die 1925 geboren wurde. 1926 starb Maria Franziska Stöver. Der Witwer Christoph Stöver heiratete in Essen zum zweiten Mal. Ehefrau Emma gebar 1930, als Eva zehn Jahre alt war, ihre Halbschwester Christel. Die Familie lebte in Oer-Erkenschwick. Die kleine Eva "besuchte die Realschule, war ein fleißiges und auch sehr begabtes Mädchen, und war offenbar auch ein Sport-Talent", erzählen ihre beiden Töchter Helga Dittgen, Jahrgang 1943, und Renate Dittgen, Jahrgang 1947. Die Familie hat eine kleine Biografie mit vielen schönen Familienfotos und Urkunden, Briefen und Dokumenten anlässlich des Todes der Mutter herausgebracht.

Helga und Renate Dittgen und ich haben uns im Konferenzzimmer des Bauunternehmens Dittgen (230 Mitarbeiter) in Schmelz verabredet. Helga und Renate Dittgen erzählen, ihre Mutter habe 1937 nach der Mittleren Reife eine kaufmännische Lehre absolviert, dann als Buchhalterin gearbeitet, sei eine überzeugte Katholikin gewesen. 1940 habe sie bei einem Verwandtenbesuch in Hüttersdorf bei Schmelz ihren späteren Mann Emil Dittgen kennen gelernt, der das 1897 von seinem Vater Josef Carl Dittgen gegründete Bauunternehmen J. C. Dittgen KG zusammen mit seinem Bruder Carl in Schmelz leitete. Die standesamtliche Hochzeit war 1940 in Essen-Werden, kirchlich heirateten die beiden in Trier in der Kirche St. Paulin. Nach dem Krieg zog die junge Familie in das Firmengebäude am Bahnhof in Schmelz. 1951 wurde dann Sohn Carl geboren. Die beiden Schwestern beschreiben Eva Dittgen als herzliche und fürsorgliche Mutter: "Sie hat sich ihr Leben lang um ihre Kinder gesorgt. Es gab klare Regeln bei uns zu Hause, von beiden, von unserem Vater und unserer Mutter. Aber es gab nie Streit. Beide, unser Vater und unsere Mutter, sind ja im Sternzeichen Waage geboren. Da versucht man auszugleichen."

1951 wurde Sohn Carl geboren, 1955 zog die Familie um in die Trierstraße in Schmelz. Eine harmonische, glückliche Familie. Der Vater arbeitete. Das Bauunternehmen Dittgen entwickelte sich gut. Die Mutter kümmerte sich um die Kinder. Tochter Helga sagt: "Unsere Mutter hielt sich aus der Firma raus. Aber sie interessierte sich für die Mitarbeiter und versuchte auch zu helfen, wo sie konnte, wenn es Probleme gab. Sie engagierte sich im Frauenverein der St. Stephan-Kirche und gehörte zu der Frauengruppe, die Weihnachtsgeschenke bastelten und dann verkauften, um Geld in die Vereinskassen zu sammeln."

1969 der erste Schicksalsschlag für Eva Dittgen. Carl Dittgen, ihr Schwager, starb überraschend. 1970 erkrankte ihr Ehemann Emil Dittgen an Krebs. 1970 starb auch ihre Schwägerin Maria Dittgen. Und 1972 wurde Tochter Renate bei einem Unfall schwer verletzt: "Ich lag neun Monate im Krankenhaus", erzählt sie. 1974 starb dann ihr Ehemann an seinem Krebsleiden.

In der kleinen Biografie kann man nachlesen: "Gefestigt durch ihren christlichen Glauben fand sie die Kraft, ihr Leben nun allein zu meistern. An erster Stelle kam ihre Sorge um die Kinder und den Fortbestand des Bauunternehmens." Das Bauunternehmen Dittgen wurde inzwischen von Tochter Renate, die in Saarbrücken ihr Betriebswirtschaftslehre- Studium als Diplom-Kaufmann abgeschlossen hatte, weiter geführt. Tochter Helga war ebenfalls Kauffrau, hatte eine kaufmännische Lehre absolviert, ein Fachabitur bestanden und führte ein Textilgeschäft in Schmelz, in dem "meine Mutter immer half, wenn bei uns viel los war."

Ihr Sohn Carl war inzwischen Bauingenieur und Diplom-Kaufmann geworden und hatte sie zur Großmutter gemacht. Enkeltochter Carolin wurde 1983 und Enkel Christoph 1985 geboren. Eva Dittgen lebte in ihrem katholischen Glauben und für ihren Garten.

Und sie war gerne unterwegs, unternahm zusammen mit Tochter Helga "weite und schöne Reisen. Wir waren in Rom. In Mallorca, in Madeira, in Kalabrien, auch im Schwarzwald. Sie unternahm eine Seekreuzfahrt nach Russland." Der Höhepunkt war ganz sicher eine Reise nach Somalia. Da war sie 61 Jahre, als sie dort hinflog. Sie besuchte ihren Sohn Carl, der dort beruflich zu tun hatte, und seine Frau Birgit. Am 1. Dezember 2011 stürzte sie in ihrer Wohnung. Krankenhausaufenthalt. Kurz nach Weihnachten wurde sie in eine Reha-Klinik entlassen. Dann ein Rückfall. Wieder Einweisung ins Krankenhaus.

Erfolglose Notoperation. Eva Maria Margarete Dittgen wurde 91 Jahre alt.