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Der Püttlinger Peter Hell tourte mit Frank Zappa durch Saarbrückens Kneipen

Peter Hell : Seine Mama kochte für Frank Zappa

Wie ist das, von einem geliebten Menschen Abschied nehmen zu müssen? Die SZ spricht mit Angehörigen und Freunden und stellt in einer Serie Lebenswege Verstorbener vor. Heute: Peter Hell.

„Sein Leben war Rock ’n’ Roll“, sagen seine Freunde über Peter „Hepee“ Hell, Gastronom, Musiker und Szenekenner aus Püttlingen. Wir sitzen mit Hells Tochter Samira Kraft, seinen Freunden Wolfgang Reeb, Werner „WW“ Mailänder, Markus Schönborn, Stefan „Funky-T“ und Klaus „Youngmeat“ Jungfleisch im Saarbrücker Kulturtreff „Die Winzer“ und sprechen über einen Menschen, dessen Lebensgeschichte ein Buch füllen könnte.

Peter Hell kam an 31. August 1949 in Germersheim zur Welt, zog ein paar Jahre später mit seinen Eltern Johann und Maria Hell, geborene Albert, nach Burbach, dann nach Püttlingen. Er besuchte ein Gymnasium in Saarbrücken, machte dort seine Mittlere Reife und absolvierte danach eine kaufmännische Ausbildung, ehe er zur Bundeswehr ging. Die Grundausbildung leistete er in Koblenz, seinen Wehrdienst in der Mörserkompagnie Bexbach. Kompanieführer war Herbert Biewer, mit dem Hell eine lebenslange Freundschaft verband.

Längst hatte Hell in der Musikszene Fuß gefasst: Mitte der 60er als Leadsänger der Band „The New Bag“ und als Geschäftsführer der Püttlinger „Bagatella“-Bar. Danach war er unter anderem Leadsänger der „Mastermen“ und von „Fox Blues“, bei denen Toni Schäfer, Gerd Schneider und der spätere „Scorpions“-Drummer Hermann Rarebell spielten. Mit Herbert Biewer hatte Hell 1978 die „Grottenschenke“ in der Saarbrücker Fröschengasse übernommen, dann das „Jerry’s“, das nach seiner Renovierung erst „Pinguin“ und dann „24“ hieß. Nebenbei machte Peter Hell bei den „Scorpions“ den Roadmanager, zog mit ihnen durch die Welt, lernte viele Rockgrößen kennen. Unter anderem den amerikanischen Sänger, Komponisten und Regisseur Frank Zappa, der Ende der 70er zu einem Konzert nach Saarbrücken kam.

Hell zog nach dem Konzert mit Zappa durch die Saarbrücker Kneipen und nahm ihn dann mit nach Hause, wo Mama Maria den Starmusiker mit Sauerbraten und Schneebällchen bewirtete. Überliefert ist der Spruch von Mama Maria: „Herr Zappa, schmeckt’s Ihnen?“ Es schmeckte „Herrn Zappa“ nicht nur sehr gut, er fühlte sich im Hause Hell pudelwohl.

Hell überließ Mitte der 80er seinem Freund Herbert das „Pinguin“, betrieb aber weiterhin die „Grottenschenke“ und die „Bagatella“-Bar. Mitte der 80er begann sich Hell auch um das Saarbrücker „Sog.-Theater“ in der Grünstraße zu kümmern, eine Szene-Kneipe für Theater- und Literaturfreunde. Hell betrieb das „Sog.Theater“ als letzter Geschäftsführer und wurde dort von Sängern und Bands aus der ganzen Welt besucht: etwa von der „Zeltinger“-Band, von „Steppenwolf“, Peter Green, Steve Marriott von „Humble Pie“ oder der Saarbrücker Jazz-Legende Fritz Maldener. „Hepee“ Hell kannte in der Szene fast jeden, war bestens vernetzt mit Rockstars wie Michael Sadler (“Saga“), Roger Chapman, Eric Burdon, Toni Sheridan oder Johnny Guitar Watson.

Im Jahr 2000 führte Hell seinen Freund Wolfgang Reeb in die Saarbrücker Kulturszene ein. „Ich habe Peter sehr viel zu verdanken, auch dass ich später ,Die Winzer’ in der Martin-Luther-Straße übernehmen konnte“, erzählt Wolfgang Reeb. Doch nicht nur er hatte Peter Hell viel zu verdanken, auch vielen anderen half er: „Peter war ein herzensguter Mensch, der jedem, den er kannte, half. Ohne dafür eine Gegenleistung zu verlangen. Und er war der erste moderne Networker, denn er hat Menschen zusammengeführt“, erzählt Reeb.

Peter Hell war auch ein Schlitzohr und Spaßvogel. Unvergessen seine Idee, Saarbrücken 2004 als Veranstaltungsort für die Olympischen Sommerspiele ins Gespräch zu bringen. „Als es damals hieß, Athen soll der Austragungsort werden, sagte Peter, da müssen wir doch mal was machen“, erinnert sich WW Mailänder. Mit seinen Kumpels machte Hell etwas: Sie entwarfen T-Shirts, Aufkleber und Flyer mit dem Slogan „Ich bin dabei“ und gründeten einen Verein. Man trat in der Öffentlichkeit auf, gab Interviews und vermittelte den Eindruck, alles sei ernst gemeint.

Eine große Rolle in seinem Leben spielten die Frauen. Verheiratet war Peter Hell zwar nie, doch er hatte mehrere Beziehungen, denen drei Töchter entsprangen: Die erste, Tatjana, kam 1973 zur Welt. Es folgten Samira (1983) und Megan (2014), die ihm in seinen letzten Jahren neuen Lebensmut gab. Sehr getroffen hatte ihn jedoch der Tod seiner Mutter am 28. Januar 2002, zu der er ein sehr inniges Verhältnis hatte. Ob Peter Hells erster Herzinfarkt im gleichen Jahr eine Folge dieses Verlustes war, ist Spekulation. 2004 starb auch Vater Johann, und Peter Hell ließ sein Leben nun etwas ruhiger angehen. Dennoch musste er sich 2015 einer Herz-Operation unterziehen, die ihn weiter schwächte.

Am 16. Januar dieses Jahres brachte Samira ihren Vater in seinem Haus in Püttlingen spät nachts ins Bett. „Er sagte noch, dass er am Morgen um 10.30 Uhr einen Termin beim Arzt habe und schlief dann ein. Er wurde nicht mehr wach“, schildert Samira Kraft. Am 8. Februar wurde Peter Hell auf dem Riegelsberger Waldfriedhof zu Grabe getragen. Es war es eine Feier der besonderen Art: „Das war keine Trauerfeier, das war Rock ’n’ Roll“, betont Stefan „Funky-T“. Und Samira Kraft erklärt: „Papa hat immer gesagt: Wenn ich mal sterbe, wird nicht getrauert, sondern gefeiert.“

Auf der Seite „Momente“ stellt die SZ im Wechsel Kirchen und Lebenswege Verstorbener vor. Online unter saarbruecker-­zeitung.de/lebenswege