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Das Leben von Werner Ebert aus Merzig

Serie Lebenswege : Werner Ebert war immer sportbegeistert

Wie ist das, von einem geliebten Menschen Abschied nehmen zu müssen? Die SZ spricht mit Angehörigen und Freunden und stellt in einer Serie Lebenswege Verstorbener vor. Heute: Werner Ebert.

 Werner Ebert – ein Merziger Sportidol, das bis heute unvergessen ist – erfährt jetzt eine posthume Ehrung: Bei den 20. saarländischen Schullaufmeisterschaften am 12. Juni in Merzig wird erstmals der „Werner-Ebert-Gedächtnispreis“ verliehen. Wir sitzen mit Eberts Sohn Dennis Werner junior zusammen – besser bekannt unter seinem Künstlernamen Eddi Zauberfinger – und sprechen über einen Menschen, der Menschen begeisterte.

Werner Ebert kam am 25. Januar 1931 in Merzig als zweites Kind von Nikolaus Ebert und Anna Maria Ebert, geborene Leikam, zur Welt. Er hatte einen älteren Bruder (Hans, geboren 1929) und zwei jüngere Geschwister (Klaus, geboren 1934) und Ursula (geboren 1942), die heute alle nicht mehr leben. 1937 wurde Werner Ebert eingeschult. Die Lebensplanung sah vor, dass er nach der Volksschule das Gymnasium in St. Wendel besuchen und Abitur machen sollte. Doch der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im September 1939 mit einer Evakuierung ins fränkische Kulmbach und der frühe Tod des Vaters machten alle Pläne zunichte. Der junge Werner musste – wie seine beiden Brüder – die Mutter unterstützen, brach seine Zeit auf dem Wendalinusgymnasium ab, absolvierte eine Ausbildung zum Autoschlosser bei einem Hilbringer Unternehmen und arbeitete danach in Merzig bei Villeroy & Boch in der Produktion. Dort lernte er auf einem Betriebsfest die zwei Jahre jüngere Margareta Faust kennen. Am 20. Februar 1953 wurde geheiratet. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Gerlinde kam 1953 zur Welt, Dennis Werner junior 1956 und Ulrich 1963.

Sport begeisterte Werner Ebert von Jugend an. Seine ersten Schritte machte er beim Handball-Sportverein (HSV) Merzig, der 1975 mit dem HSV Hilbringen zum HSV Merzig-Hilbringen fusionierte, ehe er als Leichtathlet für Furore sorgte. Von 1954 bis 1962 gewann Werner Ebert 147 Saarlandmeistertitel über 800 Meter, 1500 Meter, mit den 4-mal-400-Meter-, 4-mal-800-Meter-, 3-mal-1000-Meter-Staffeln und im Mehrkampf. Seine 800-Meterbestzeit von 1:55:01 Minuten war damals Saarlandrekord und würde heute noch in den Jahresbestenlisten weit vorne stehen.

Einmal lief Ebert in Auersmacher mit der 4-mal-800-Meter-Staffel sogar Weltrekord, der jedoch keine Gültigkeit hatte, weil bei einer Nachkontrolle durch den Leichtathletikverband festgestellt wurde, dass die Laufbahn in Auersmacher zwölf Meter zu kurz war. Auch der ehemalige 100-Meter-Weltrekordler und Olympiasieger Armin Hary lief als knapp 18-Jähriger mit Ebert in der 4 mal 400-Meterstaffel des SV Saar 05 Saarbrücken. Angeblich ist Werner Ebert der Grund dafür gewesen, weshalb Hary später zu einem der besten 100-Meter-Läufer der Welt wurde. So erzählt man sich, dass Hary auch in Eberts 800-Meterstaffel mitrennen sollte. Doch die 800 Meter waren Hary zu lang, sogar die 400 Meter empfand er als Qual und wollte deshalb alles hinschmeißen. Da soll Ebert zu dem jungen Hary gesagt haben: „Dann lauf doch wenigstens die 100 Meter!“, und Hary soll seinem Rat gefolgt sein.

Ebert war im Saarland auf den Mittelstrecken die absolute Nummer Eins. 1956 gewann er bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in Frankfurt als Dritter über 1500 Meter die Bronzemedaille und war damit der erste saarländische Medaillengewinner nach dem Zweiten Weltkrieg. Zudem bestritt er rund 30 Länder- und Repräsentativkämpfe für das damals selbstständige Saarland, unter anderem in Marokko und Algerien. Dem nicht genug: Werner Ebert war viermaliger Landesturnfestsieger, DLRG-Meister, Leichtathletiktrainer, Fußballtrainer und Schwimmer. So trainierte er nach seiner Zeit bei Saar 05 von 1961 bis 1969 die Leichtathleten des 1. FC Saarbrücken, war Fußballtrainer bei der SpVgg Merzig, beim FSV Hilbringen und SV Weiskirchen. Mit Hilbringen holte er 1969/70 ungeschlagen die Meisterschaft in der C-Klasse Merzig und stieg mit Weiskirchen als Vizemeister in die höchste saarländische Amateurliga auf. Als Schwimmer dominierte Ebert für den TV Saarlouis in den 90er-Jahren den Seniorenbereich, gewann bis 2007 zahlreiche Medaillen bei saarländischen und deutschen Meisterschaften und heimste zudem rund 30 internationale Titel in Frankreich, Holland, der Schweiz, Österreich und Tschechien ein.

Für seine Leistungen und Verdienste wurde er mit Ehrennadeln des Deutschen und saarländischen Leichtathletikverbandes, des Handballsportverbandes und der Vereine 1. FC Saarbrücken, Saar 05 Saarbrücken und der SpVgg Merzig ausgezeichnet. Bis heute gilt Werner Ebert als der vielseitigste Sportler der Stadt Merzig. Als Schwimmmeister im Merziger Hallenbad hatte er vielen Kindern das Schwimmen beigebracht und war für unzählige Jugendliche ein absolutes Vorbild. Auch für seinen Sohn Dennis: „Ohne Papa wäre ich nie zum Sport gekommen“, sagt Dennis Ebert, der als junger Mann ebenfalls begeisterter Leichtathlet war, später sein Sportlehrerdiplom machte und beim Saarländischen Rundfunk in der Sportredaktion mitarbeitete. „Mein ganzes Studium basierte auf dem, was mein Vater mir mit auf den Weg gegeben hat: die Körpererfahrung, das Leistenwollen, Sport als charakterbildend und wertevermittelnd, den Körper als System erkennen“, sagt Dennis Ebert.

Am 16. Dezember 2007 wurde das Sportidol Werner Ebert nach kurzer Krankheit unerwartet jäh aus dem Leben gerissen. Er starb im Merziger Krankenhaus im Beisein seiner Familie.

Auf der Seite „Momente“ stellt die SZ im Wechsel Kirchen und Lebenswege Verstorbener vor. Online unter saarbruecker-­zeitung.de/lebenswege