1. SZ-Serien
  2. Lebenswege

Claus und Agnes Schmidt führten eine gute Ehe

Lebenswege Claus Schmidt : Sie sagten sich immer, dass sie sich lieben

Wie ist das, von einem geliebten Menschen Abschied nehmen zu müssen? Die SZ spricht mit Angehörigen und Freunden und stellt in einer Serie Lebenswege Verstorbener vor. Heute: Claus Schmidt.

 Claus Schmidt wäre stolz gewesen auf seinen Enkel Benjamin, der sich am 26. Mai anschicken will, Bürgermeister von Riegelsberg zu werden. „Mein Opa hat mich politisch geprägt. Er hat nie Fraktionspolitik, sondern immer Gewissenspolitik gemacht, das hat mich schwer beeindruckt“, erzählt Benjamin Schmidt.

Claus Schmidt kam am 6. Dezember 1933 in Püttlingen als erstes Kind des Hüttenarbeiters Philipp Schmidt und dessen Frau Maria Magdalena, geborene Comtesse, zur Welt. Eigentlich hieß er mit Vornamen Nikolaus Horst, doch von klein auf wurde er nur „Claus“ genannt. Sein jüngerer Bruder Harald (geboren 1942) lebt immer noch in Püttlingen. Der junge Claus besuchte dort die Volksschule, begann mit 15 auf der Grube Luisenthal eine Lehre unter Tage, die er mit dem Knappenbrief und dem Hauerschein abschloss. Ab 1955 arbeitete er zuerst als Rangierer, danach im Stellwerk der Röchling’schen Eisenwerke in Völklingen.

Claus Schmidt hatte sich von seinem ersten Gehalt eine Geige gekauft und sich das Geigenspiel selbst beigebracht. Er beherrschte sein Instrument so gut, dass er Mitglied einer Tanzmusikgruppe wurde und auf Tanzveranstaltungen in den örtlichen Gasthäusern spielte. Bei einer dieser Veranstaltungen lernte er 1953 im Walpershofer Sängerheim Agnes Klein kennen und lieben – eine lebenslange Liebe übrigens. „Sie haben nie gestritten, gingen immer sehr liebevoll miteinander um, gaben sich Gute-Nacht-Küsse und sagten selbst im hohen Alter noch, dass sie sich lieben“, erinnert sich Benjamin Schmidt.

Am 6. April 1955 hatten Claus und Agnes standesamtlich, und am 20. April kirchlich geheiratet. Sie bekamen vier Söhne: Franz-Rudolf (1956), Armin (1960), Hans (1963) und Martin (1968). Auf dem Poss in Walpershofen bauten sie sich ein Haus. Mit 50 kam Claus Schmidt in ein Vorruhestandsprogramm, doch von Ruhestand konnte keine Rede sein. „Er hat sämtlichen Nachbarn und Freunden beim Hausbau geholfen“, erzählt sein Enkel.

Auch politisch wurde Claus Schmidt jetzt aktiv, trat 1986 in die CDU ein und vertrat die Walpershofer Christdemokraten zwölf Jahre lang im Ortsrat. Claus Schmidt galt als Frohnatur, schrieb Büttenreden und Gedichte, hatte immer einen Scherz auf den Lippen und war ein sehr liebevoller Vater und Opa. Selbst wenn seine vier Kinder, acht Enkel und zwei Urenkel, die er noch kennenlernen durfte, ihm mal auf die Nerven gingen, wurde er nicht böse. Aber er hatte ein Lieblingsschimpfwort, das er dann benutzte: „Hauz“. Als Benjamin Schmidt seinen Opa mal fragte, was dieses „Hauz“ bedeutet, bekam er zur Antwort: „Das ist die Abkürzung für Himmel, Gesäß und Nähgarn.“

Claus Schmidt war in seiner Jugend aktiver Handballspieler beim HSV Püttlingen und beim TuS Riegelsberg. Später engagierte er sich im Walpershofer Kirchbauverein, im Kirchenchor und Männerchor, im Theaterverein und Elisabethenverein und war Schatzmeister im Arbeiterverein Walpershofen/Köllerbach. Seine Frau Agnes war 30 Jahre lang Küsterin in Walpershofen, und auch Claus Schmidt war ein sehr gläubiger und religiöser Mensch. Nicht nur deshalb half er mit beim Bau des Walpershofer Petrusheims.

Am 6. April 2005 feierten Claus und Agnes Schmidt Goldene Hochzeit, am gleichen Tag feierte sein Sohn Franz-Rudolf Silberne Hochzeit und dessen Sohn Oliver und Schwiegertochter Nathalie Grüne Hochzeit. „Ein tolles Fest“, erinnert sich Benjamin Schmidt. Doch zu diesem Zeitpunkt war Claus Schmidt gesundheitlich bereits schwer angeschlagen. Er hatte eine Not-Operation an der Herzklappe hinter sich und bekam einen Herzschrittmacher. „Das hat ihn sehr eingeschränkt. Er hatte immer gearbeitet, wie ein Brunnenputzer, das ging jetzt aber nicht mehr“, erinnert sich Enkel Benjamin. Deshalb erfüllten ihm sein Sohn Martin und sein Enkel Benjamin einen Herzenswunsch: „Opa wollte immer ein Gartenhäuschen haben, in dem er mit seinen Freunden Skat spielen konnte. Aber weil er selbst nie Zeit dazu hatte, haben wir es ihm gebaut.“

Im Sommer 2007 verschlechterte sich Claus Schmidts Gesundheitszustand rapide. Er kam erneut ins Krankenhaus, lag sieben Wochen auf der Intensivstation. Seine Söhne Armin und Martin sowie Enkel Benjamin wollten deshalb sogar ihren Urlaub abbrechen, doch Opa Claus ließ das nicht zu: „,Ihr werdet euch doch nicht den Urlaub vermiesen lassen, genießt euer Leben!’, hat er zu uns gesagt“, sagt Benjamin Schmidt. Eine Woche nach ihrem Urlaub kam ein Anruf aus dem Krankenhaus: „Opas Zustand hatte sich weiter verschlechtert, wir sollten uns verabschieden kommen, sagten die Ärzte“, erinnert sich sein Enkel. Das tat die Familie selbstverständlich auch. Claus Schmidt starb am 22. August 2007. Beigesetzt wurde er am 27. August 2007 auf dem katholischen Friedhof Walpershofen.

Auf der Seite „Momente“ stellt die SZ im Wechsel Kirchen und Lebenswege Verstorbener vor. Online unter saarbruecker-­zeitung.de/lebenswege