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Serie "Mitten in...": Merchweiler und Wemmetsweiler

Serie „Mitten in...“ - Merchweiler und Wemmetsweiler : So rechnet sich ein Marktbesuch mit Ehefrau

Die SZ besucht die Lebensorte der Menschen in unserer Region. Wo schlägt das Herz in Dorf und Stadt?

Mit Kommunikation ist das so eine Sache. Das gilt auch für die zentralen Plätze in den beiden Ortsteilen Merchweiler und Wemmetsweiler der Gemeinde Merchweiler. Einer trägt Kommunikation im Namen, der andere lebt sie auch so.

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Kreis-Kommunen Neunkirchen Teil 2 Foto: SZ/Müller, Astrid

Merchweiler. Treffpunkt für den etwas größeren Ortsteil ist der Marktplatz. Er lädt augenscheinlich nicht unbedingt ein zum entspannten Verweilen auf den Bänken am Rande. Dafür stehen reichlich Autos in Reihen. „Unser Marktplatz ist nicht der klassische Kommunikationsplatz“, sagt dann auch Ortsvorsteher Hans Werner Becker. Aber hier schlage das Herz des Ortes. Und das durchaus kräftig.

Ortsvorsteher Marlo Christiaens nimmt Platz am Kubus Kommunikationsplatz vor der Kulisse des historischen Rathauses Wemmetsweiler. Foto: Claudia Emmerich

Wir führen das Gespräch auf den großen Stufen hinauf zur Hauptstraße. Von hier kann Becker die Merchweiler Mitte mit einer Armbewegung beschreiben: Diesseits der Hauptstraße der Marktplatz, jenseits der Hauptstraße die Kaiserterrassen – Geschäfts- und Wohnkomplex mit Apotheke, mit Sparkasse, mit Technischen Werken Merchweiler, mit Kinderhospiz. Handel und Gewerbe konzentrieren sich nicht in einem gewachsenen Ortszentrum. Hier zieht sich eine lange Strecke vom Kreisel im Solch über die Hauptstraße und die Quierschieder Straße bis zum Kreisel ins Gewerbegebiet Auf Pfuhlst und Richtung Autobahn und Göttelborn. Und die großen Versorger sitzen am Anfang und am Ende der Strecke, sagt Becker und hätte nichts gegen eine Lebensmittel-Option in der Mitte. Ende Juni konnten sie die Wiedereröffnung des Lidl-Marktes feiern.

Noch ziemlich neu auf dem Marktplatz steht jetzt jeden Dienstag der Stand von Daniel Lentes mit seinem „Flammlachs“, den er landesweit auf Märkten anbietet. Becker freut’s sehr: Das zieht Leute an. Das belebt den Platz. Und inzwischen hat sich noch das Eis-Mobil der Familie Rao aus Friedrichsthal dazugesellt. Täglich. „Das wird sehr gut angenommen“, sagt Becker nach den ersten Tagen. Heißt: Noch ein bisschen mehr Leben.

Das Eis-Mobil der Familie Rao fährt den Marktplatz Merchweiler an. Sohn Salvatore hat vier Monate an dem Retro-Auto Piaggio Ape getüftelt. Foto: Claudia Emmerich

„Der Marktplatz bietet wertvollen Parkplatz“, sagt Becker. Nicht weit weg liegt das Schulzentrum mit der Grundschule Allenfeld und der Gemeinschaftsschule Max von der Grün. „Eltern können ihre Kinder zur Schule bringen, hier parken und Besorgungen machen.“ Schulstandort – ein ganz wichtiger Vitalfaktor für das Leben im Ort, wie Becker betont. Und hier siedelt auch das aktuell größte Entwicklungsprojekt: der Neubau der Grundschule. Eine Sanierung des von Bergschäden gezeichneten Gebäudes hätte sich nicht gerechnet. 5,5 Millionen Euro, getragen von Land, RAG und Gemeinde, fließen in den Neubau. Im nächsten Jahr soll alles fertig sein. 1960, als die jetzige Grundschule eingeweiht wurde, gehörte er zu den Schülern, erzählt der heutige Ortsvorsteher. Damals gab es zur Einweihung eine Brezel.

Becker nennt weitere Merchweiler Vitalfaktoren neben den Schulen: intakte Infrastruktur, gute Versorgungslage und ein pulsierendes Vereinsleben. Dazu Kindergärten für die Kleinen und pflegende und betreuende Häuser für die Altgewordenen. Gerade startet das Millionen-Projekt Merchtalblick des ASB am Ortsausgang Merchweiler, Ortseingang Göttelborn. Eine Anwohner-Initiative protestiert allerdings gegen die geplante Service-Wohnanlage.

Der Kommunikationsplatz Wemmetsweiler mit Sitzbänken. Foto: Claudia Emmerich

Es gebe zudem eine kräftige private Nachfrage nach Bauland, eine gewerbliche Nachfrage für Ansiedlungsfläche, berichtet Becker weiter, dazu eine schnelle Verkehrsanbindung zur Autobahn (die Hauptstraße als Zubringer). „Merchweiler – das Tor zu Europa“ würde er sich gern zitieren lassen. Auf der Skala von 0 (ziemlich leblos) bis 10 (höchst vital) zieht der Ortsvorsteher eine „8“.

Zurück zum Marktplatz: „Ich wäre froh, wenn hier täglich Leben wäre“, sagt Ortsvorsteher Becker. Im Sommer findet hier das zweitägige Dorffest statt. In diesem Jahr fielen die „Schlemmertage“ Corona zum Opfer. Freitags baut hier der Wochenmarkt auf. Inzwischen mit Zuwachs durch einen Gewürzhändler, was Becker wieder froh macht. Er wünscht sich noch Interessenten für mehr belebende Stände auf Merchweilers Mitte: „Der Marktplatz steht für sie bereit.“ Er selbst sucht weitere Anregungen für den Wochenmarkt: „Ich werde mit meiner Frau auf Märkte in der Region gehen und mich umschauen.“

Wemmetsweiler. Der kleinere Ortsteil hat seinen Kommunikationsplatz. So heißt die gestaltete Fläche vor dem Rewe-Markt auf Gemeinde-Grund. Nah an der Übertunnelung der Bahnstrecke mit dem großen Kreisel, gegenüber dem historischen Rathaus. „Das ist für uns das Zentrum“, sagt Ortsvorsteher Marlo Christiaens zum gewählten Treffpunkt. Wemmetsweiler Mitte – das umfasst das Areal Einkaufsmagnet Vollversorger, Kommunikationsplatz, Bahnhofstraße, Rathaus-Umfeld. Der Kommunikationsplatz entstand auch als Angebot für kleinere Vereine und ihre Veranstaltungen. Er erhielt noch als gestalterisches Element einen grauen Kubus mit großer Öffnung zur Straße hin. Durchaus umstritten, wie ein Blick ins SZ-Archiv zeigt. Wir schauen auf ein sandiges Rechteck von zehn mal 20 Schritten, mit zwei geschwungenen Holz-Bänken (2019 aufgestellt) und gerade keinen Sitzenden. So richtig atmosphärisch kommt der Platz nicht rüber, oder? „Fürs Romantische haben wir den Rosengarten“, sagt Christiaens lächelnd und zeigt auf die andere Seite der Gleise. Der optisch doch karge Kommunikationsplatz könne sich aber auch anders präsentieren, sagt der Ortsvorsteher, wenn ihn Vereine bespielten, zum Beispiel die Karnevalisten der Wemmedswella Knausekäpp bei ihrem Sommerfest.

Ein Dorffest im klassischen Sinn kennt Wemmetsweiler nicht, Feste stemmen die Vereine, sagt Christiaens. „Unser Dorf spielt Fußball“ etwa verantwortet die Wemmatia oder „Ein Dorf spielt Handball“ organisiert vom HSV. Überhaupt: Aktive und auch erfolgreiche Vereine seien ein wertvolles Plus am Ort. Im Zentrum wird auch der Nikolausmarkt gefeiert, früher rund ums Rathaus, erzählt Christiaens, jetzt in der Bahnhofstraße. Es werde aber überlegt, ihn auf den Faliconplatz zu verlegen.

Die Frage nach dem Fotomotiv hat sich hier nicht gestellt. Klar, dass kann nur vor der prächtigen Kulisse des Wemmetsweiler Rathauses sein. „Das Wahrzeichen der Gemeinde ist das historische Rathaus in Wemmetsweiler mit seiner weithin sichtbaren, matt glänzenden Kuppel. … Der große und kleine Kuppelsaal …empfehlen sich für kulturelle Veranstaltungen aller Art in herrlichem Ambiente“, werben die Touristiker im Landkreis Neunkirchen. Das neoklassizistische Gebäude ist denkmalgeschützt. Und Christiaens weist auf die Bedeutung jenseits von Denkmalschutz und Gemeindegrenzen hin: „Denken Sie an die Standesamt-Kooperation.“ Von einer „wichtigen Adresse“ in Wemmetsweiler schrieb die Saarbrücker Zeitung, als Anfang 2017 das Rathaus in der Rathausstraße 1 zum Sitz der interkommunalen Standesamtes der Gemeinden Merchweiler, Eppelborn, Illingen, Schiffweiler wurde und damit zuständig für an die 60 000 Saarländer. Verwaltungstechnisch, versteht sich: „Heiraten geht natürlich an allen Trauorten in den Gemeinden.“

 Für die Vitalität seines Orts setzt Christiaens eine „6“ auf der Skala von „0“ (ziemlich leblos) bis „10“ (höchst vital). Zum Vitalisieren hat er schon konkrete Wünsche: Ein Versorger im Unterdorf wäre schön, betreutes Wohnen für Senioren ähnlich dem gerade auf den Weg gebrachten Projekt in Merchweiler, Fortschritt am Gewerbegebiet Stennweiler Straße. Für eine Perspektive über die nächsten Jahre hinaus müsse Wemmetsweiler Angebote für Jung und Alt haben, sich attraktiv machen, fordert der Ortsvorsteher: „Wir wollen wieder über die 5000-Einwohner-Marke springen.“ Derzeit fehlen mit gut 4900 Wemmetsweiler Bürger noch ein paar Köpfe.

Der Ort hat eine Grundschule und ist Zweit-Standort der Gemeinschaftsschule Max von der Grün Merchweiler. 2019 fiel nach langem Ringen der Grundsatzbeschluss: Die Kita Michelsberg wird saniert und ausgebaut.

Vieles, was Bürger sich nachvollziehbar wünschten – etwa dringend notwendige Straßensanierung – scheitere an der Haushaltssituation, stellt der Ortsvorsteher fest.

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