Saarländischer Kinofilm "Unter Tannen" beim Ophüls-Festival

„Unter Tannen“ beim Filmfestival Max Ophüls Preis : Tatsächlich: ein Kinofilm aus dem Saarland

Ein Kinofilm aus dem Saarland? In Saarländisch? Gab es das jemals? Der Heinz-Becker-Film „Tach, Herr Dokter!“ von 1999 jedenfalls zählt nicht, wurde er doch im fernen München gedreht, und die Mundart beschränkte sich vor allem auf Heinz Becker und „de Maier Kurt“, so dass der Film auch ohne Untertitel exportfähig war.

„Unter Tannen“, der jetzt seine Uraufführung im Rahmen des Ophüls-Festivals erlebt, ist somit eine Rarität in der überschaubaren saarländischen Heimatfilm-Landschaft.

Wem der Titel bekannt vorkommt, der liegt nicht falsch: „Unter Tannen“ ist die Kinofassung von Thomas Scherers humoriger TV-Serie, die im vergangenen Jahr beim Saarländischen Rundfunk lief. Um drei Arbeiter im saarländischen Forst geht es, die im Grünen buchstäblich über einen Koffer voller Banknoten stolpern, sich aber nur sehr kurzfristig am Geldsegen erfreuen können: Eine Gangsterbande reklamiert den Koffer für sich und weckt dabei durchaus den Eindruck, ungemütlich werden zu können (wir berichteten).

Thomas Scherer, der Autor und Regisseur der Serie, hat nun aus knapp 130 Serienminuten einen 90-Minüter kondensiert (finanziell unterstützt von den Saarland Medien). Eine knifflige Aufgabe, „vor der ich mich ziemlich lange gedrückt habe“, wie Scherer sagt. Denn wie kürzt man, ohne Spannungsbögen abzuflachen, wie baut man den Film neu auf? „Wir haben viel herumprobiert, Sachen rausgenommen, wieder reingenommen, anders montiert“, erklärt der 29-Jährige – und von manchen Szenen, die ihm am Herzen lagen, musste er sich trennen. „Andererseits: Einige Szenen, mit denen ich in der Serie nie ganz glücklich war, konnte ich jetzt rausschneiden.“ Auch einige bisher nicht verwendete Einstellungen sind nun im Film, zudem hat Michael Firmont einige neue Musik geschrieben.“ Wer die Serie also gut kennt, „wird im Kino trotzdem ein neues Sehgefühl bekommen“, verspricht Scherer.

Das Trio von links: Boris (Bejo Dohmen), Paul (Gerhard Polacek) und Kalle (Fridolin Sandmeyer). Foto: WP Films

Zudem sind einige Serien-Szenen mit rustikalerer saarländischer Mundart im Kinofilm nicht mehr zu sehen, was ihn „leichter verständlich macht für Nicht-Saarländer“. Denn die hat der Filmemacher mit seiner Kinofassung im Blick. Für den Export über die Landesgrenzen hinweg sucht er einen Verleiher, der den Film und ihn auf bundesweite Kinotour schicken könnte; Kontakte hat er bereits geknüpft, die er bei der großen Premiere bei Ophüls vertiefen will. Auch das Interesse eines Streaming-Anbieters wäre hochwillkommen. „Mal sehen, was passiert.“

„Unter Tannen“ ist ein Herzensprojekt des Filmemachers, das ihn schon ziemlich lange begleitet. 2008 hatte er die Idee, „etwas Lustiges mit Waldarbeitern zu machen, das ist ein interessantes Setting“. Umgesetzt wurde die Idee aber erst 2016 – da drehte Scherer mit seiner Produktionsfirma WP Films eine Pilotfolge, ohne Senderbeteiligung, „einfach um zu sehen, was passieren kann“. Die Pilotfolge fand Interesse beim SR, der dann nach einiger Zeit „grünes Licht für die ersten drei Folgen gab“, Pilotfolge inklusive, die noch einmal neu gedreht wurde.

Hanno Friedrich, Darsteller des Gangsters Dieter, in einer Drehpause. Foto: WP Films

Um die 20 Sprechrollen hatte Scherer zu besetzen, wobei ein Darsteller von Anfang an feststand: Gerhard Polacek, der schon in Scherers früheren Kurzfilme mitspielte. „Ich arbeite einfach gerne mit ihm, wird sind eingespieltes Team“, sagt der Filmemacher, der im Drehbuch einen Schlenker einbauen musste, ist Polacek doch kein Saarländer, sondern Österreicher. „In der Serie spielt er dann einen Österreicher, der Saarländisch lernt, um sich hier zu integrieren.“ Den Rest der Besetzung, darunter Fridolin Sandmeyer, Bejo Dohmen, Hanno Friedrich (aus „Sechserpack“) als Gangsterboss Dieter, suchte er sich dann ganz klassisch: „wochenlang durch Schauspielerportale geklickt, Showreels angesehen, Castings veranstaltet“.

Gedreht wurde unter anderem in den Waderner Lichtspielen (für das actionreiche Finale), im alten Forsthaus Eberstein in Neunkirchen, im Neunkircher Revier, im „Friedlichen Esel“ in Homburg, in einer Wohnung in Reiskirchen, im Bexbacher Büro des saarländischen Karateverbandes (als Polizeistation) und in einer dunklen Gasse des Nauwieser Viertels in Saarbrücken.

Alice Hoffmann als Wirtin Marianne. Foto: WP Films

Ein ziemlich langer Weg für Scherer also mit seinen wackeren Waldarbeitern Paul, Kalle und Boris, den Gangstern und auch der von Alice Hoffmann gespielten Kneipenwirtin Marianne. Sollte es nach der ersten Staffel und der Kinofassung mit „Unter Tannen“ nicht weiter gehen, hieße das Abschied nehmen. „Es tut schon ein bisschen weh, die Figuren loszulassen. Das ganze Team hängt an der Serie, die Darsteller haben ihre Rollen jetzt vier Jahre gespielt. Aber Spielfilm und Premiere sind erstmal ein Abschluss – vorläufig.“

Zugleich bereitet Scherer zwei Spielfilmprojekte vor: einmal einen historischen Stoff aus dem 30-jährigen Krieg. „Zwar ein Kammerspiel“, sagt Scherer, „aber historisch ist immer aufwändiger. Deswegen steht der Plan erst einmal hinten an.“ Schneller voran gehen könnte es mit der Komödie „Hotel Idyll“, die Scherer gerne teilweise in Belgien drehen würde, wo dann der Drehort des titelgebenden Hotels läge. „Mit etwas Glück könnte das funktionieren – und vielleicht mit belgischer Filmförderung.“ Doch erst einmal steht die Premiere von „Unter Tannen“ an.

Samstag, 13 Uhr, Cinestar.

Info: www.wpfilms.de