„Neubau“ gewinnt das Filmfestival Max Ophüls Preis in Saarbrücken

Die Preise des 41. Max Ophüls Festivals : „Neubau“ gewinnt Max-Ophüls-Preis

Am Samstagabend wurden im Saarbrücker E-Werk die Preise des 41. Filmfestivals Max Ophüls-Preis vergeben. „Neubau“ von Johannes Maria Schmit ist der große Gewinner. Hier alle Preise, Bericht folgt.

„Neubau“ von Johannes Maria Schmit ist der große Gewinner beim 41. Filmfestival Max Ophüls Preis: Der Film hat am Samstagabend den Hauptpreis als bester Spielfilm gewonnen (dotiert mit 36 000 Euro); die Begründung der Jury:

„Es gibt Filme, die sind leise, aber sie wirken lange nach. Die weiten den Blick, einfach, indem sie einladen genau hinzuschauen. Sie kommen ohne Budenzauber aus, weil sie den Gegenstand ihrer Betrachtung ernst nehmen, ihm Würde verleihen. Solche Filme haben die Kraft Empathie zu erzeugen. Wir lernen eine Figur kennen, in der sich verschiedene Welten überlagern – hinreißend verkörpert von Tucké Royale, der das magnetische Zentrum des Films ist. Wir glauben ihm alles – den gierigen gay sex, die brandenburger Dorfkindheit, die Sehnsucht nach der queeren Wahlfamilie in Berlin. Und wir könnten ihm stundenlang zuschauen. Die Zärtlichkeit liegt im Detail – der Kleinwagen mit dem Stonewall-Schriftzug, die Nietenjacke mit dem Aufdruck „Mutant Hero", der Gleitgelfleck auf dem Bettlaken. Die durchweg wunderbar besetzten und inszenierten Nebenfiguren dürfen atmen – in Szenen, die das Geschehen auf der Leinwand nicht für eine Dramaturgie funktionalisieren, sondern Bedeutungsüberschuss zulassen. Existenzielles, Banales und Pragmatisches versammelt sich beim Holunderblütenzupfen. Das ist sie, die neue Selbstverständlichkeit. Mehr davon!“

Außerdem hat der Hauptdarsteller und Drehbuchautor des Films, Tucké Royal, den „Preis für den gesellschaftlich relevanten Film“ erhalten, dotiert mit 5000 Euro.

Die weiteren Preise:

Der Filmpreis des saarländischen Ministerpräsidenten für eine herausragende Regieleistung im Spielfilmwettbewerb (dotiert mit 5500 Euro plus Verleihförderung in Höhe von 5500 Euro) geht an Johanna Moder für ihren Film „Waren einmal Revoluzzer“.

Die Begründung der Jury: „Ein hochkarätiges Ensemble kann Fluch und Segen sein für eine junge Regisseurin. Schön, es zu haben, aber man muss seiner auch Herr werden. Die von uns ausgewählte Regisseurin hat uns nicht nur durch ihr hochintelligentes und relevantes Drehbuch überzeugt, sondern dieses auch mit ihrer unverwechselbaren Handschrift virtuos zum Leben erweckt. Mit entwaffnendem Humor, zärtlich und schonungslos führt sie uns vor Augen, wie unsere Gesellschaft Wohltätigkeit predigt, ohne aber die eigene Komfortzone zu verlassen. Wir fühlen uns ertappt, denn wir helfen alle gerne, aber bitte nicht im eigenen Wohnzimmer. Die Soziologie hat sogar einen Namen für dieses Phänomen: NIMBYs (Not in my backyard). Da hilft nur eins: Verdrängen, verdrängen, verdrängen.“

Die Preise für den besten Schauspielnachwuchs, dotiert mit jeweils 3000 Euro, gingen an Maresi Riegner in „Irgendwann ist auch mal gut“ und Mehdi Meskar in „Nur ein Augenblick“.

Der Publikumspreis im Spielfilmwettbewerb, dotiert mit 5000 Euro, ging an „Ein bisschen bleiben wir noch“ von Arash T. Riahi.

Der Fritz-Raff-Drehbuchpreis, dotiert mit 13 000 Euro, ging an Iliana Estanol und Johanna Lietha für „Lovecut“.

Der Preis der Ökumenischen Jury (2500 Euro) ging an „Jiyan“ von Süheyla Schwenk.
Die Begründung der Jury: „Ein eindringliches Kammerspiel, das durch das Zusammenwirken von Kamera und Szenenbild noch verstärkt wird. Sowohl der Umgang mit den Vorurteilen im System Familie als auch entwürdigende gesellschaftliche Realitäten werden vor Augen geführt. Gerade die Verweigerung unnötiger größerer dramatischer Bögen zugunsten des Fokus auf die alltäglichen Sorgen und Nöte im Privaten, bringt uns die Protagonistinnen und Protagonisten als Menschen nahe.

Klug geschrieben, erzählt der Film präzise das Leben einer jungen syrisch/kurdischen Familie bei ihren Verwandten in Deutschland. Am Ende steht die Frage: Was ist ein Menschenleben wert?“

Die Jugendjury vergab ihren Preis, dotiert mit 2500 Euro, an den Film „Nur ein Augenblick“ von Randa Chahoud.

Der Preis für den besten Dokumentarfilm (7500 Euro) ging an „Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit“ von Yulia Lokshina.

Preis für die beste Musik in einem Dokumentarfilm (5000 Euro): Antimo Sorgente für seine Musik in „Lost in Face“.

Publikumspreis Dokumentarfilm (5000 Euro): „Lost in Face“ von Valentin Riedl.

Bester Mittellanger Film (5000 Euro): „Lychen 92“ von Constanze Klaue.

Publikumspreis Mittellanger Film (5000) Euro: „Masel Tov Cocktail“ von Arkadij Khaet und Mickey Paatzsch.

Bester Kurzfilm (5000 Euro): „Das beste Orchester der Welt“ von Henning Backhaus.

Publikumspreis Kurzfilm (5000 Euro): „Trading Happiness“ von Duc Ngo Ngoc.

Alle Jurybegründungen unter www.ffmop.de