1. SZ-Serien
  2. Filmfestival Max Ophüls Preis

MOP Jurymitglied Jane Chirwa schätzt Kurzfilme und Mittellange Filme

MOP-Jury-Mitglied Jane Chirwa : „Man kann sich mit weniger Geld austoben“

Ophüls-Jurymitglied Jane Chirwa schätzt Kurzfilme und mittellange Filme nicht nur wegen ihrer Magie. Das Interview in voller Länge.

Fernsehzuschauer kennen Jane Chirwa vor allem aus der Serie „In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte“, im Kino fiel sie in „Schubert in Love“ auf. Bis Samstag aber muss die Schauspielerin mit den beiden anderen Jurymitgliedern Neelesha Barthel und David Armati Lechner die Gewinner des MOP-Wettbewerbs Kurz- und Mittellanger Film bestimmen. Im Interview erklärt sie, welche Vorteile Kurz- und mittellange Filme Zuschauern und Filmemachern bringen – und sie berichtet von ihren Erfahrungen am Set der US-Produktion „Drei Engel für Charlie“, wo sie mehr Rock‘n‘Roll und einen freundlicheren Ton als in Deutschland erlebt hat.

Frau Chirwa, wie wird man Jury-Mitglied beim Ophüls-Festival?

JANE CHIRWA Ich wurde über meine Agentur angefragt. Ich freue mich geradezu unfassbar darüber, weil das Filmfestival eines meiner ersten war, das ich überhaupt besucht habe, erst als Gast, dann mit dem Film „Vitches“ (MOP 2016, Anm.d.Red.) und nun als Jurymitglied.

Welchen Eindruck haben Sie von dem Festival?

CHIRWA Ich mag es sehr. Allein, dass es an einem kleinen Ort stattfindet, gibt ihm eine gewisse Bescheidenheit. Ich fand es bisher auch immer sehr menschlich, es gibt wenig VIPs und es ist für jeden zugänglich.

Welche Kriterien werden Sie bei Ihrer Jury-Arbeit heranziehen?

CHIRWA Jene, die ich auch abwäge, wenn ich privat Filme schaue. Wie durchdacht ist der Film, wie kreativ? Ist der Ansatz etwas Neues? Wie authentisch sind die Dialoge, wie ist die Spiel- und Regieführung umgesetzt?

Wo sehen Sie die Besonderheiten von Kurz- und mittellangen Filmen?

CHIRWA Ich schaue gerne Zehnminüter und mag künstlerische Filme, denn auch in kurzer Zeit kann man magische Welten entstehen lassen. Aber in einem Kurzfilm hat man nicht viel Zeit, die Charaktere detailliert zu filmen und vorzustellen, das ist die Schwierigkeit. Andererseits haben Kurzfilme auf Produktionsebene den Vorteil, dass man mit weniger Geld mehr umsetzen und sich mehr austoben kann. Sollte etwas nicht funktionieren, hat es nicht so bedeutsame finanzielle Konsequenzen wie bei einem Spielfilm.

Fristen Kurz- und mittellange Filme ein Nischendasein?

CHIRWA Ich finde, sie sind ein Produkt der Onlinewelt. Einen Film von 10 oder 20 Minuten kann man zwischendurch auf dem Mobiltelefon schauen, das hat Zukunft. Ein Spielfilm wiederum ist ein abendfüllendes Erlebnis, wie Theater, und hat seinen ganz eigenen Charme.

Sie sind kürzlich nach vier Jahren „In aller Freundschaft“ zu „Blutige Anfänger“ gewechselt – wie schaltet man von einer Serienfigur zur anderen um?

CHIRWA „In aller Freundschaft“ wurde das ganze Jahr über gedreht, bei „Blutige Anfänger“ fand der Dreh in ein paar Monaten statt, und ich habe den Rest des Jahres Zeit für andere Projekte, was mir eine große Freiheit gibt, zumal ich viel reise und meine eigenen Arthouse-Projekte drehe. Ich komme vom Theater, und „In aller Freundschaft“ gab mir die Möglichkeit, noch einmal zu lernen wie auf einer Schauspielschule. Eine neue Rolle ist immer aufregend, aber für „Blutige Anfänger“ konnte ich regelmäßig Kampfszenen spielen.

Sie haben auch eine kleine Rolle in der Neuverfilmung von „Drei Engel für Charlie“ gespielt. Wie geht es am Set einer internationalen Blockbuster-Produktion zu?

CHIRWA Es ist eher ein Gastauftritt. Aber „Drei Engel für Charlie“ war ein Frauen-Power-Projekt: Die drei Hauptdarstellerinnen und Elizabeth Banks, die Regie, Produktion und Drehbuch übernommen hat, haben sich diesen Raum auch genommen – allein, dass Frauen alles leiten, war für mich ungewohnt. Es ging sehr professionell zu und es wurde sehr viel geackert. Andererseits war auch manchmal mehr Rock‘n‘Roll, weil der Drehplan nicht immer so organisiert war oder in Szenen mehr improvisiert und ausprobiert wurde. Und nicht zuletzt war das Team aufgrund von Stuntmännern und Komparsen riesig. Zudem hatte ich die Möglichkeit, mit außergewöhnlichen Menschen zusammenzuarbeiten. Die Hairstylistin, die mir die Haare gemacht hat, war auch am Set von „Black Panther“ engagiert, die Kostüme hat Kym Barrett entworfen, die für „Romeo und Julia“ gearbeitet hat – einen Film, den ich damals geliebt habe. Und dann herrscht unter Briten und Amerikanern auch ein anderer Ton.

Was meinen Sie damit?

CHIRWA Ich fand den Umgangston freundlicher, aber ich bin ja auch Berlinerin (lacht). Es gab auch weniger Eigenbrötler, und wenn, dann haben sie sich bemüht, freundlich zu sein. Andererseits waren bestimmte Dinge auch gleich, wenn mir ein Set gut gefällt, schminke ich mich sehr langsam ab, einfach weil ich nicht gehen will. Bei „Drei Engel für Charlie“ habe ich mich wahrscheinlich so langsam wie noch abgeschminkt.

Woran arbeiten Sie im Moment?

Chirwa Einige Dinge darf ich noch nicht verraten, was ich aber verraten kann, ist, dass ich an einer Geschichte über afro-deutsche Frauen schreibe. Mein Traum wäre ja, dass es ein Kinofilm wird. Und eben komme ich aus Sambia zurück, wo ich zwei Wochen einen sozialen Theaterworkshop für Kinder geleitet habe. Es ging darum, ihnen zu zeigen, welche wundervolle Freiheit man beim Spielen erleben und welche neuen Kräfte man in sich entdecken kann.