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Kurzfilme beim Filmfestival Max Ophüls Preis

Kurzfilme beim Filmfestival Max Ophüls Preis : Die Socke in der Wiener Staatskapelle

21 Beiträge, zwischen sieben und 25 Minuten lang – das ist der Kurzfilm-Wettbewerb. Da gibt es sogenannte Fingerübungen, da wird ausprobiert und experimentiert, aber es gibt auch schon erstaunlich reife Werke.

Hier ein paar Empfehlungen.

„Mall“ von Jerry Hoffmann ist nur sieben Minuten lang, schwarz-weiß und ohne Dialog. Ein Vater und seine drei Söhne kaufen ein, der junge Didi lässt etwas mitgehen und wird erwischt. Zum Vorschein kommt eine kitschige Spielzeug-Meerjungfrau aus der Kinderwarenabteilung für Mädchen. Wie reagiert der maskuline Vater? Fortsetzung im Kino. Es lohnt sich.

Kurz und prägnant präsentiert sich auch „22.47 Linie 34“ von Michael Karrer (Schweiz, 10 Min.) Im Nachtbus herrscht dicke Luft, eine Handvoll Jugendliche sind laut und rücksichtslos, ein Betrunkener steigt hinzu, wird von den jungen Leuten gehänselt, die Situation eskaliert. Eine Alltagsstudie, präzise beobachtet, überzeugend umgesetzt.

Der 75-jährige Unternehmer Arnold Lammertz hat zu einer pompösen Feier auf einem Ausflugsdampfer auf dem Berliner Wannsee geladen – aber keiner der illustren Gäste kennt den Anlass. „Havarie Petite“ von Simon Ostermann (D, 20 Min.) spielt geschickt und witzig mit den Erwartungen der Zuschauer und hält so manche Überraschung parat.

Stilistisch originell kommt „Europa zum Beispiel“ von Michel Decar (Deutschland, 15 Min.) daher. Der Film ist ein einziger Monolog, in dem ein junger Mann (Max Hegewald) von seinem bisherigen, ziemlich wilden Leben (oder seinen Träumen) erzählt. Er war in Moskau, Paris und Peking, hat das Geburtshaus von Bruce Willis in Idar-Oberstein besucht, ein isländisches Mode-Label gegründet und in Saarbrücken seinen ehemaligen Mitbewohner Sven getroffen, um dann mit einem Motorroller nach Nizza zu fahren... Darauf muss man erstmal kommen.

Mit „Phoenix“ (D, 16 Min.) beweist die Schauspielerin Aylin Tezel, dass sie auch Drehbuch und Regie kann. Ihre Geschichte von Anton (Killian Scott) und seiner schwerkranken Mutter, die dem Sohn die zu Herzen gehende Geschichte eines jungen Königssohns erzählt, ist sehr berührend und wartet mit wunderschöner Musik auf.

„Der Bräutigam ist alt und dick. Die Braut ist so hübsch“, sagt einer der Hochzeitsgäste. Tja, dumm gelaufen. Aber so ist das, wenn die 17-jährige Tochter aus Vietnam des Geldes wegen einen reichen Chinesen heiraten muss. Mutter Nghi und Tochter Phuong treffen diese Entscheidung schweren Herzens, weil sie hoch verschuldet sind. Ihr Dilemma zeigt der einfühlsame Film „Trading Happiness“ von Duc Ngo Ngoc (Vietnam/D, 25 Min.) in stimmungsvollen Bildern und mit melancholischer Musik.

Eine atmosphärisch dichte Geschichte aus Island bringt Hilke Rönnfeldt auf die Kinoleinwand. „Schweigen der Fische“ (Island, Deutschland, Dänemark, 20 Min.) erzählt in ausdrucksstarken Bildern und mit überzeugender Besetzung eine Mutter-Tochter-Geschichte aus den einsamen isländischen Fjorden. Packend, kompromisslos und düster.

Herrlich skurril und mit hintergründigem Witz begeistert „Das beste Orchester der Welt“ von Henning Backhaus (Österreich, 14 Min.). Bei der berühmten Wiener Staatskapelle ist Vorspielen angesagt. Wer wird aufgenommen? Unter die Bewerber hat sich ein ganz besonderer Musiker eingeschlichen, der in dem hochrenommierten Haus für Aufsehen sorgt. Köstlich.

Ja, und wer jetzt einmal wissen möchte, wie so ein Kurzfilm überhaupt entsteht, der bekommt in Johnnes Bachmanns „Der Film vom Propellermann“ (Schweiz, 22 Min.) einen kleinen Eindruck davon. In der Komödie geht s nicht nur ums Filmen, sondern auch ums Fliegen. Und darum, dass man gute Ideen braucht und an sich glaub, um erfolgreich abzuheben…