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Filmfestival Max Ophüls Preis zeigt Produktionen aus Israel

Produktionen aus Israel beim Filmfestival Max Ophüls Preis : „Wärst Du nicht religiös, wärst Du längst verheiratet“

Sie sind die Gäste mit der weitesten Anreise in diesem Jahr: Das Ophüls-Festival hat in einer Kooperation mit dem Tel Aviv Student Festival fünf junge Filmemacherinnen und Filmemacher aus Israel mit ihren Produktionen eingeladen – eine Regisseurin musste aus Krankheitsgründen leider zuhause bleiben: Yael Reisfeld, von der der famose Animationsfilm „Alef b'Tamuz“ läuft.

Von Trauer und darum, wie man man mit dem Tod umgeht, erzählt Hila Cohen in ihrem 13-minütigen Kurzfilm „Maman“. Es ist ein ganz normaler Tag in einem Mietshaus; die junge Amos bringt den Müll raus, telefoniert mit ihrer Mutter – bis die 90-jährige Nachbarin klingelt. Ihr Mann sitzt regungslos auf dem Sofa und atmet nicht mehr. Die Nachbarin ist überfordert, und Amos lässt ihr die Zeit, die sie braucht – eine Ambulanz käme ohnehin zu spät. Ein guter, bittersüßer, trotz allem tröstlicher Film ohne Melodramatik und einer famosen Hauptdarstellerin - der Regisseurin selbst.

Bei mehr als 100 Geburten stand die 37-jährige Maya den Müttern zur Seite – die Zahl ihrer Verabredungen, um einen Ehemann zu finden, ist fast ebenso hoch. Maya ist ultra-orthodox, und das soll ihr Gatte auch sein – allerdings solle er nicht so erzkonservativ eingestellt sein, dass er sich an ihrer Berufstätigkeit stört. Die Doku „Simple Things“ (31 Minuten) von Liel Gur begleitet Maya zu ihren Dates, die mitunter schnell enden, wenn ein Mann kein Interesse an einer arbeitenden Gattin hat, auch zu Geburtsvorbereitungen (und einer Geburt) sowie zu ihren Eltern, die sich um sie sorgen. „Wärst Du nicht religiös, wärst Du längst verheiratet“, befindet die Mutter. Und überhaupt: Wenn man heiraten wolle, müsse man etwas flexibler sein, was die eigenen Ansprüche angeht. Maya bleibt in „Simple Things“ trotz der filmischen Nähe auf einer gewissen Distanz und eine schwer zu fassende Person – je nach Sicht wird man sie als konsequent oder als etwas verbohrt empfinden, als verknöchert oder als in gewisser Weise progressiv.

Viel packt Shauly Melamed in seinen neunminütigen autobiografischen Film „Mini DV“: den frühen Tod des Vaters (da war Melamed zwölf), den er heute, 14 Jahre später, noch nicht fassen kann; die Faszination für das Medium Film; und, das erfährt man am Ende von „DV“, den Moment, als er sich seiner Homosexualität bewusst wird. Der Film ist eine Montage von Szenen aus den unzähligen Filmen, die Melamed mit seinen Schulfreunden drehte, nachdem er sich mit zwölf eine Videokamera gekauft hatte, zwei Monate nach dem Tod des Vaters – vielleicht, um nun Dinge zumindest optisch für immer festzuhalten? Man sieht, wie die jungen (und männlichen) Laiendarsteller herumalbern und gerne auch im pubertären Überschwang Mann und Frau spielen, angedeutete Küsse inklusive. Szenen, die damals auf Melameds Freunde eine andere Wirkung hatten als auf ihn. Ein melancholischer Film voller kindlicher Unschuld und einer schönen Danksagung an die Freunde von damals: Sie hätten ihn immer so beschützt wie es die Freunde Mowglis im „Dschungelbuch“ getan hätten.

Freitag, 12.45, CS 8

Info: www.taufilmfest.com