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Filme aus dem Saarland beim Filmfestival Max Ophüls Preis

Filmfestival Max Ophüls Preis : Filme aus dem Saarland beim Ophüls-Festival

Was tun? Seinem Gewissen folgen? Oder die Folgen bedenken und schweigen oder flüchten? Um das eigene Handeln und dessen Konsequenzen geht es im Kurzfilm „Headache“ (22 Minuten) der Regisseure Tobias Kirschner und Philip Müller, die Media Art & Design an der Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBK) studieren (der Film ist eine HBK-Produktion).

Der junge Kareem ist ein Sprayer, unterwegs mit seinem Freund Dennis, und zusammen steigen sie nachts in eine Halle der Saarbahn ein, um dort die Waggons zu besprühen. Ein Wachmann kommt ihnen dazwischen, Kareem schlägt mit einem Schraubenschlüssel zu, und das Duo flieht in ihrer Ninja-haften Vermummung. Das war wohl nicht Kareems erste Straftat, denn er muss am nächsten Morgen wieder Sozialstunden ableisten – auf der Intensivstation einer Klinik, wo ihn sein nächtlicher Schlag buchstäblich wieder einholt.

Schnörkelfrei erzählt ist diese Geschichte (Drehbuch und Hauptrolle: Yacine Saad), mit atmosphärischen nächtlichen Bildern einer Saarbahn-Halle (Kamera: Alex Reichert und Leon Merziger) und knapp gehaltenen Dialogen. In einem Prolog in leicht verändertem Bildformat erfährt man Minimales über Kareems Hintergrund, ansonsten hält sich der Film da angenehm zurück - es geht nicht um Erklärungen, sondern um die Tat und ihre Konsequenzen.

Anne Rieckhof in ihrem Film „Traumfactory“. Foto: Anne Rieckhof/Stefan Groß

Wunderbar ideenpralle drei Minuten bietet der Kurzfilm „Traumfactory“ von Anne Rieckhof (Buch: Rieckhof und Dominik Tremel), Schauspielerin am Saarländischen Staatstheater (SST). Als persönliche Traumbegleiterin Sonja preist sie im Verkaufssender-Modus die Vorteile des betreuten Träumens (oder Albträumens) an, in Kategorien wie „Exfreund“, „Mathe-Abi“ oder auch „toter Wellensittich“. Eine Träumerin wählt „Wald“ und findet sich erst nackt auf einer Lichtung wieder, doch schnell trägt sie Tutu und Taucherbrille, während die eingeblendete Rechnung ihres Warenkorbs immer höher wird; der wenig willkommene Ex-Freund erscheint - und Kamera und Montage von Stefan Groß werden immer entfesselter. Flott und charmant.

Chadi Yakoub in „Weißes Herz“ von Nicola Bläs. Foto: Nicola Bläs/Carlo Klinkner

Menschen können schwierig sein. Das weiß auch der junge Elian (Chadi Yakoub) in „Weißes Herz“ (7 Minuten) von Nicola Bläs, verantwortlich für Buch, Regie, Kamera und Schnitt. Elians Konsequenz: Er lebt mit einer Schaufensterpuppe zusammen. Doch glücklich macht ihn das auch nicht, zumal die Puppe mit ihm spricht wie ein handelsüblicher Mensch - wenn auch für die Zuschauer unhörbar. Elian muss eine andere Lösung finden, wovon der Film mit Symbolik (und weißer Farbe) erzählt.

Ja, das Foto ist richtig herum. Evelyn L. in „Ich will ins Paradies“ von Kilian Armando Friedrich. Foto: HFF/Kilian Armando Friedrich

Kilian Armando Friedrich kommt aus Saarlouis, studiert an der Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF) und legt mit „Ich will ins Paradies“ einen exzellenten Dokumentarfilm vor (16 Minuten). Um Evelyn L. geht es, eine Frau, die mit dem Beruf des nächtlichen Austragens von Zeitungen ihre Berufung finanziert – das Predigen aus der Bibel für jeden, der das hören will (oder auch nicht). Friedrich zeigt dieses Predigen nur in den letzten Sekunden seines Films, viel öfter zeigt er die Frau bei der Arbeit, beim Ausladen der Zeitungen, beim Hoch- und Runterlaufen (runter rückwärts, wohl des Rückens wegen) und lässt sie in ihrer Wohnung von ihrer Weltsicht erzählen. Die Welt wird untergehen mit ihren „Betonklötzen, die zu Staub verfallen“, da ist sie sich sicher; danach möchte sie mithilfe von unter anderem Bibern und Elefanten ein neues Paradies errichten, „ein lebendes Baumhaus“. Der Film stellt die Frau nicht als spinnert, auch wenn er manchmal ein wenig ironisch kommentiert: indem weihevolle Orgelmusik manche der schwarz-weißen Bilder begleitet, man ein prächtiges Waldpanorama (das Paradies?) zeigt, bevor die Kamera nach unten fährt und dem Zuschauer klar macht, dass man sich nur an einem Poster in Evelyns Wohnung erfreut hat. Aber sie hat ja durchaus recht, wenn sie sagt: „Die Menschen wollen nicht hören. Sie wollen sich nicht ändern.“ In ihrer Wohnung hat sie sich ein kleines Vorab-Paradies geschaffen, mit vielen Pflanzen, einem Aquarium und zwei Katzen, die geduldig zuhören, wenn Evelyn aus ihren theologischen Büchern liest. Eine davon heißt „Die Rettung naht!“ (man würde sie ihr gönnen). Am Ende lässt Friedrich Zeitungen durchs Treppenhaus schweben, in einer schnellen Montage platschen Blätter mit ihren knalligen Boulevard-Schlagzeilen vor die Türen der Wohnungen. Da kann man schon verstehen, dass Evelyn den großen Knall für unausweichlich hält.

Termin: Samstag, 17.30 Uhr, Cinestar 2.
Zusammen mit „Ich bin Kunst“ von Roman Eich und Raphael Petri – wird nachgeliefert.