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Die Doku „Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit“

Filmfestival Max Ophüls Preis : Die Doku „Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit“

Einer läuft jeden Tag zehn Kilometer zur Arbeit; die anderen wohnen für horrende Mieten in überfüllten Absteigen, Zwölf-Stunden-Schichten sind keine Ausnahme.

Es geht nicht um Ausbeutung in chinesischen Fabriken, sondern um Arbeiter in der Fleischindustrie, mitten in Deutschland. Von diesen Männern und Frauen aus Rumänien, Lettland oder Bulgarien erzählt der Dokumentarfilm „Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit“. Von der ersten Minute an ist klar: Mit einem guten Gewissen wird keiner den Kinosaal verlassen – und das ist gut so.

Statt mit plakativen Aufnahmen von den Schlachthallen oder von verschimmelten Unterkünften zu arbeiten, lässt Regisseurin Yulia Lokshina die Leiharbeiter Momente aus ihrem Alltag berichten. Der Ton bleibt nüchtern, der Film ist nicht auf Drama angelegt. Statt eine Empörungswelle anzuschieben, gelingt es der Filmemacherin, für die verzweifelte Lage der Leiharbeiter aus Osteuropa Bewusstsein zu schaffen.

Zwischen den Szenen vor den Werkstoren, im Sprachkurs oder auf dem Campingplatz werden Aufnahmen einer Schulklasse gezeigt, die mit ihrem Lehrer das Stück „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ von Brecht einstudiert. Auch hier geht es um Arbeitsbedingungen, um Kapitalismus und Moral. Der Lehrer erhofft sich, die Arbeit mit dem Stück werde für die Klasse zum Weckruf. Die Gruppe zeigt Mitleid, Besorgnis, aber es fühlt sich ja alles so weit weg an. „Man hört ja davon, aber man hat ja keine wirkliche Vorstellung wie schlimm das tatsächlich ist“, bringt ein Schüler auf dem Punkt, was auch auf die meisten von uns zutrifft. Der Film will nicht belehren; doch der bleibenden Frage, was jeder Einzelne an dieser Situation ändern könnte, durch anderes Konsumverhalten etwa, kann sich niemand entziehen.

Termin: Samstag, 15 Uhr, Camera Zwo.